1801

 

m 12. April 1801 wird in Sankt Ulrich bei Wien Joseph Lanner geboren.

Am 30. Augsut 1801 wird Maria Anna Streim, die spätere Anna Strauss geboren

 

1804

 

Johann Strauss Vater wird am 14. März 1804 in der Leopoldstadt in Wien geboren

Geburtshaus von Johann Strauss Vater (heute Floßgasse 7), um 1906 demoliert.

Damals eine Bierwirtschaft, gepachtet von den Eltern Johanns von 1803 bis 1808

 

Text auf der Gedenktafel: "In diesem Haus wurde Johann Strauss Vater, der Kunst- und Zeitgenosse Lanner´s am 14. März 1804 geboren"

Am 18. Mai 1804 wurde  Napoleon Bonaparte zum Kaiser Napoleon I. Frankreichs proklamiert. Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon im Beisein von Papst Pius VII. in der Kathedrale Notre Dame de Paris selbst zum Kaiser der Franzosen.

Napoleon Bonaparte und Kaiser Franz II.

Kaiser Franz II. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation proklamiert am 11. August 1804 das Erbkaisertum Österreich, um seine kaiserliche Hausmacht zu erhalten und damit die Ranggleichheit mit Napoleon I. zu wahren, der sich am 18. Mai zum erblichen Kaiser von Frankreich ernannt hatte. Franz nahm  den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an und wurde als solcher als Franz I. bezeichnet. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war damit aufgelöst.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • am 21. Februar  besteht die erste Schienendampflokomotive der Welt, gebaut von Richard Trevithick, erfolgreich ihre Probefahrt.

 

Geboren:

 

  • Im Juni: Michail Iwanowitsch Glinka, russischer Komponist († 1857)
  • am 8. September: Eduard Mörike, deutscher Lyriker und Erzähler († 1875)

Gestorben:

 

  • 12. Februar: Immanuel Kant, deutscher Philosoph (* 1724)

 

1805

 

Der dritte Koalitionskrieg, auch zweiter Napoleonischer Krieg, fiel in das Jahr 1805. Er wurde ausgetragen zwischen Frankreich und seinen deutschen Verbündeten, insbesondere Württemberg, Bayern und Baden, und den Alliierten um Großbritannien, Russland, Österreich, Schweden und Neapel.

 

Nach den Schlachten von Elchingen und Ulm (25. September – 20. Oktober 1805) und nach kleineren Kämpfen entlang der Donau gelang den Truppen Napoleons I.  am 13. November die Einnahme Wiens. Die erste Besetzung  verlief kampflos: Drei französische Marschälle kamen mit weißer Fahne über die Taborbrücke, die damals einzige und stark verteidigte Donaubrücke, und überzeugten den österreichischen Befehlshaber, daß der Krieg eigentlich schon vorbei sei.

 

Im Anschluß lockte Napoleon die Russen und Österreicher durch geschickte Vortäuschung eigener Schwäche in die Schlacht bei Austerlitz, die er am 2. Dezember 1805 gewann. Zwar wurde die französische Flotte bei Trafalgar von Nelson am 21. Oktober 1805 vernichtend geschlagen, aber auf dem Kontinent bedeutete Austerlitz die Entscheidung. Am 26. Dezember 1805 wurde mit Österreich der Friedensvertrag von Preßburg geschlossen. Die Bedingungen waren hart. Die Habsburgermonarchie verlor Tirol und Vorarlberg an Bayern und ihre letzten italienischen Besitzungen fielen an das napoleonische Königreich Italien.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 17. März: Napoleon Bonaparte wird König im Königreich Italien.
  • 11. April: Bündnis Russland-Großbritannien gegen Frankreich
  • 26. Mai: Napoleon Bonaparte setzt sich in Mailand die Eiserne Krone der Langobarden (Lombardei) auf.
  • 9. August: Die dritte Koalition gegen Frankreich entsteht. Ihr gehören Österreich, Großbritannien, Russland, Schweden und das stark dezimierte Königreich Sardinien-Piemont an.
  • 25. August: das Kurfürstentum Bayern wechselt an die Seite Frankreichs. Dies ebnet den Weg zum Königreich Bayern.
  • 8. September: Österreichische Truppen dringen in Bayern ein. Das löst 15 Tage später die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und den dritten Koalitionskrieg aus.
  • 14. Oktober: In der Schlacht von Elchingen siegen die Franzosen über das österreichische Heer.
  • 15. Oktober: Napoleon Bonaparte trifft in Elchingen ein und führt Kapitulationsverhandlungen
  • 16.-19. Oktober: Schlacht von Ulm
  • 17. Oktober:  Österreich kapituliert in Ulm mit den Resten der geschlagenen österreichischen Armee im dritten Koalitionskrieg gegenüber französischen Truppen unter Napoleon Bonaparte.
  • 21. Oktober: Schlacht von Trafalgar, Sieg Admiral Nelsons über die französisch-spanische Flotte
  • 25. Oktober: Zar Alexander I. in Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaiser Alexander I. von Russland

  • 3. November: Preußisch-russisches Bündnis (Vertrag von Potsdam) zwischen Alexander I. und Friedrich Wilhelm III.
  • 5. November: Französische Truppen belagern Wien.
  • 13. November: Die Armee von Napoleon Bonaparte nimmt Wien kampflos ein.
  • 16. November: In der Schlacht bei Hollabrunn und Schöngrabern misslingt der Versuch der französischen Armee unter Marschall Joachim Murat, eine Vereinigung russischer und österreichischer Truppen im Dritten Koalitionskrieg zu unterbinden. In der danach folgenden Schlacht bei Austerlitz kämpfen die Verbündeten vereint.
  • 2. Dezember: In der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz siegt Napoléon über die Österreicher unter Kaiser Franz II. und die Russen unter Zar Alexander I.
  • 15. Dezember: Im Vertrag von Schönbrunn zwischen Preußen und Frankreichs Herrscher Napoleon Bonaparte werden Gebietsveränderungen geregelt.
  • 26. Dezember: Friede von Pressburg zwischen Österreich und Frankreich

 

Geboren:

 

  • Am 27. Januar: Sophie Friederike von Bayern (Sophie von Österreich), Tochter von König Maximilian I. von Bayern († 1872) Mutter des späteren Kaiser Franz Josephs I.
  • Im April: Hans Christian Andersen, dänischer Dichter und Schriftsteller († 1875)
  • Am 22. April: Johann Philipp Holzmann, Bauunternehmer und Gründer der Baufirma Philipp Holzmann AG († 1870)

 

Gestorben:

 

  • am 14. August: Friederike von Hessen-Darmstadt, Frau von König Friedrich Wilhelm II. (Preußen) (* 1751) und Mutter des regierende preußischen Königs.

 

 

1806

 

Am 29. März stirbt Franz Strauss, der Bruder von Johann Strauss Vater mit 7 Monaten

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 1. Januar: Die Herrscher Bayerns (Maximilian Joseph) und Württembergs (Friedrich) werden zu Königen.
  • 30. März: Joseph Bonaparte wird von seinem Bruder Napoleon zum König von Neapel ernannt.
  • 5. Juni: Louis Bonaparte wird König des neu gegründeten Königreich Holland.
  • 12. Juli: Gründung des Rheinbundes
  • 6. August: Ende des Heiligen Römischen Reiches. Kaiser Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen legt die Kaiserkrone nieder.
  • 9. Oktober: Friedrich Wilhelm III. erklärt Frankreich den Krieg

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich Wilhelm III.

Napoleon Bonaparte zieht nach der siegreichen Schlacht bei

Jena und Auerstedt an der Spitze seiner Truppen in Berlin ein

  • 14. Oktober: Napoleon I. schlägt in der Schlacht bei Jena und Auerstedt die preußische Armee.
  • 27. Oktober: Napoleon zieht mit seinen Truppen in Berlin ein
  • 28. Oktober: Kapitulation des preußischen Heeres bei Prenzlau
  • 28. November: Der russische Zar Alexander I. tritt in den Krieg gegen Napoleon mit ein.
  • 20. Dezember: Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. wird zum König proklamiert und lenkt die Geschicke des Königreichs Sachsen als Friedrich August I.
  • 24. Dezember: Die vorausgegangene russische Besetzung der Donaufürstentümer Moldawien und Walachei löst die Kriegserklärung des Osmanischen Reiches an den Zaren aus.
  • 26. Dezember: Die Schlacht von Pultusk im Vierten Koalitionskrieg endet zwischen französischen und russisch-preußischen Truppen unentschieden.
  • München wird Hauptstadt des Königreichs Bayern
  • Am 1. Juni wird in Preußen Papiergeld, sogenannte „Tresorscheine“, ausgegeben.
  • Am 19. Oktober: Johann Wolfgang von Goethe und Christiane Vulpius werden in der Sakristei der Weimarer Jakobskirche getraut.
  • Johann Wolfgang von Goethe veröffentlicht Faust 1. Teil
  • 26. Februar: Kaiser Napoléon I. erteilt den Auftrag zum Bau eines Triumphbogens in Paris. Für den Arc de Triomphe du Carrousel steht der Konstantinsbogen in Rom Pate.
  • 15. August: Der Grundstein für den Pariser Arc de Triomphe wird gelegt

 

1807

  • 7. Januar: Russische Truppen marschieren in Bukarest ein.
  • 28. Januar: Friede von Memel zwischen Großbritannien und Preußen
  • 26. April: Nach der in einem Patt geendeten Schlacht bei Preußisch Eylau regeln Russland und Preußen im Bartensteiner Vertrag den gemeinsamen Kampf gegen Napoleon Bonaparte.
  • 14. Juni: Schlacht bei Friedland. Napoleon Bonaparte erreicht einen entscheidenden Sieg über das vereinigte russisch-preußische Heer
  • 21. Juni: Russisch-französischer Waffenstillstand
  • 25. Juni: Preußisch-französischer Waffenstillstand, Beginn der Verhandlungen in Tilsit
  • 6. Juli: Napoleon I. trifft den preußischen König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise in Tilsit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Napoleon empfängt die preußische Königin in Tilsit

  • 9. Juli: Der Frieden von Tilsit beendet den 4. Koalitionskrieg. Darin wird unter anderem die Gründung des Herzogtum Warschau festgehalten.
  • 18. August: Der französische Kaiser Napoleon I. konstruiert per Dekret das von Kassel aus regierte Königreich Westfalen. Seinen Bruder Jérôme setzt er als König ein.
  •  
  • November: Das Schottengymnasium in Wien wird eröffnet.

 

Geboren:

 

  • Im Juli: Giuseppe Garibaldi, Guerillakämpfer († 1882)
  • Am 10. November: Robert Blum, deutscher Politiker der Märzrevolution und Abgeordneter († 1848)

 

1808

 

Umzug der Familie Strauss in die Weintraubengasse, in die Bierwirtschaft "Zum guten Hirten"

Kaiser Franz I. heiratete am 6. Jänner 1808 in Wien in dritter Ehe seine Cousine Prinzessin Maria Ludovika Beatrix von Modena (1787–1816), Tochter von Erzherzog Ferdinand von Österreich-Modena d’Este und dessen Gattin Prinzessin Maria Beatrix von Modena d’Este. Die Ehe blieb aufgrund der Krankheit von Maria Ludovika kinderlos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinzessin Maria Ludovika Beatrix von Modena

Kaiser Franz war zuvor schon zwei Mal verheiratet und war bereits 13-facher Vater. Die beiden letzten Ehen blieben beide kinderlos.

 

Eröffnung des Apollosaal, ein Vergnügungsetablissement im ehemaligen Wiener Vorort Schottenfeld, Zieglergasse 15 im heutigen 7. Wiener Gemeindebezirk. Der Arzt und Mechaniker Sigmund Wolffsohn (1767-1852), der 1795 eine Maschinen- und Bandagenfabrik gegründet hatte, baute im Bereich der heutigen Apollogasse einen Vergnügungssaal, der am 10. Januar 1808 eröffnet wurde.

Der Tanzsaal bot 8.000 Besuchern Platz. Wolffsohn verdiente Unsummen mit der Produktion von gut beweglichen Ersatzgliedern und künstlichen Körperteilen aller Art für die unzähligen Versehrten aus den jahrzehntelangen Kriegen dieser Zeit in Europa.

Am 28. Februar stirbt Josefa Strauss die Schwester Johann Strauss mit 10 Monaten

 

Was sonst noch geschah:

  • 19. März: Spaniens König Karl IV. dankt ab. Sein Sohn Ferdinand VII. übernimmt die Regentschaft. Napoleon Bonaparte, dessen Truppen im Lande stehen, beanstandet die Anerkennung Ferdinands als König, was am 2. Mai wieder zur Rückgabe der Herrschaft an den Vater führt.
  • 6. Juni: Joseph Bonaparte, der Bruder des französischen Kaisers, wird in Bayonne zum König von Spanien proklamiert.
  • Zwischen dem 18. Juli und dem 22. Juli kreisen spanische Truppen die Franzosen in der Schlacht von Bailén ein und zwingen fast 18.000 Mann zur Kapitulation.
  • 6. September: Bonapartes Schwager Joachim Murat übernimmt die ihm übertragene Macht im Königreich Neapel.
  • 27. September: Der Erfurter Fürstenkongress beginnt, auf dem Napoleon Bonapartes Begegnung mit Zar Alexander I. im Mittelpunkt steht.
  • Am 1. März: Das Königreich Bayern übernimmt den Postdienst vom Haus Thurn und Taxis in eigene Verwaltung. Der Fürst erhält eine Abfindung.
  • 6. April: Johann Jakob Astor gründet die „American Fur Company“ zum Zwecke des Pelzhandels.
  • 7. März: Uraufführung der 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in Wien
  • 22. Dezember: Uraufführung der 5. Sinfonie und 6. Sinfonie (Pastorale) sowie der Fantasie für Klavier, Chor und Orchester von Ludwig van Beethoven in Wien
  • Faust - Der Tragödie erster Teil von Johann Wolfgang von Goethe wird veröffentlicht

 

Geboren

 

  • Am 20. April: Napoleon III., späterer französischer Kaiser († 1873)
  • Am 13. Juli: Patrice de Mac-Mahon, französischer Staatsmann und Politiker († 1893)
  • Am 22. November: Thomas Cook, britischer Tourismus-Pionier und Gründer des gleichnamigen Reiseunternehmens († 1892)
  • Am 4. Dezember: Herzog Max in Bayern, bayerischer Herzog († 1888)

 

Gestorben:

 

  • Am 13. September: Catharina Elisabeth Goethe, Mutter Johann Wolfgang Goethes (* 1731)
  •  

1809

 

Das Kaisertum Österreich erklärt Frankreich und dessen Verbündeten, dem Königreich Bayern, den Krieg. Bereits am nächsten Tag dringt die von Erzherzog Karl von Österreich-Teschen befehligte Armee im Nachbarland ein.

 

Die zweite Besetzung Wiens durch Napoleon Bonaparte im Mai 1809 gelang nur nach schwerem Beschuß der heutigen Altstadt; Napoleon bezog zur Demütigung des Kaisers Franz I. wiederum Schloß Schönbrunn. Kurz darauf hatte Napoleon in der Schlacht bei Aspern seine erste größere Niederlage zu verkraften, der jedoch bereits sechs Wochen später der Sieg bei Deutsch-Wagram folgte. Der Kaiser der Franzosen feierte am 15. August 1809 seinen 40. Geburtstag in Wien, alle Kirchenglocken läuteten. Insgesamt blieb Napoleon bei seinem zweiten Aufenthalt rund fünf Monate in Wien und regierte von Schönbrunn aus.

 

Nach der Besetzung Wiens am 14. Oktober diktiert Napoleon dem Kaisertum Österreich den Frieden von Schönbrunn zur Beendigung des Fünften Koalitionskrieges. Österreich verliert seinen Zugang zur Adria und muss Salzburg an das Königreich Bayern abtreten. Westgalizien und Krakau, die Gewinner der Dritten Teilung Polens, kommen an das Herzogtum Warschau.

 

Am 15. August 1809 stirbt eine weitere Schwester von Johann Strauss, Antonia Strauss mit 10 Monaten

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 7. Mai: Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte behauptet in Wien, Papst Pius VII. habe als weltlicher Herrscher aufgehört zu regieren und annektiert damit faktisch den Kirchenstaat..
  • 6. Juli: Papst Pius VII. wird mit Billigung Kaiser Napoleon Bonapartes verhaftet und nach Frankreich gebracht. Der Papst hatte sich der französischen Annexion des Kirchenstaates widersetzt.
  • 8. Oktober: Dem vormaligen Gesandten in Paris, Graf Klemens Wenzel Lothar von Metternich, wird vom Kaiser Franz I. in Wien die Führung des österreichischen Außenministeriums anvertraut.
  • 15. Dezember: Napoleon I. und Joséphine informieren die Familie über ihre Einigung zur Scheidung.

 

Geboren:

 

  • Am 3. Februar: Felix Mendelssohn Bartholdy, deutscher Komponist († 1847)
  • 12. Februar: Abraham Lincoln, US-amerikanischer Präsident († 1865)

 

Gestorben:

  • Am 31. Mai: Joseph Haydn, österreichischer Komponist der klassischen Periode (* 1732)

Die strategische Situation in Europa 1809

 

1810

 

  • 10. Januar: Die Ehe zwischen Napoleon I. und Joséphine wird vor Gericht annulliert.
  • 1. April: Napoleon Bonaparte heiratet in der Kapelle des Louvre Marie-Louise von Österreich.
  • 1. Juli: Louis Bonaparte entschließt sich, als König von Holland abzudanken.
  • 9. Juli: Napoléon erklärt das Königreich Holland für aufgelöst und annektiert die Niederlande als französisches Staatsgebiet.

 

 

 

Marie-Louise von Österreich (* 12. Dezember 1791 in Wien; † 17. Dezember 1847 in Parma), eigentlich Maria Ludovica Leopoldina Franziska Therese Josepha Lucia von Habsburg-Lothringen, später (seit 1817) auch Maria Luigia d’Asburgo-Lorena, Duchessa di Parma, Piacenza e Guastalla, Tochter von Franz II. und zweite Ehefrau Napoleons I.

  • 2. März: In London beginnt das erste Gaswerk mit der Energieversorgung. Mittels einer Kokerei wird Kohle vergast.
  • 25. August: Der Brite Peter Durand erhält ein Patent auf die Konservendose.
  • Die Humboldt-Universität zu Berlin wird als Friedrich-Wilhelm-Universität gegründet.

Geboren:

 

  • 12. Januar: Ferdinand II., König Neapels und beider Sizilien († 1859)
  • 22. Februar oder 1. März: Frédéric Chopin, polnischer Komponist und Pianist († 1849)
  • 2. Mai: Hans Christian Lumbye, dänischer Komponist († 1874)
  • 8. Juni: Robert Schumann, deutscher Komponist der Romantik († 1856)
  • 9. Juni: Otto Nicolai, deutscher Komponist († 1849)
  • 28. Juni: Fanny Elssler, österreichische Tänzerin († 1884)
  • 1. Dezember: Joseph Gungl, ungarischer Komponist († 1889)

 

Gestorben:

 

  • 20. Februar: Andreas Hofer, Tiroler Freiheitskämpfer (* 1767)

 

1811

 

Der Österreichische Staatsbankrott als Folge der Zerrüttung der  Staatsfinanzen im Verlauf der Napoleonischen Kriege.

Im Frieden von Schönbrunn hatte sich Österreich verpflichtet, 85 Millionen Francs Kriegskontribution an Frankreich zu zahlen. Die Staatsschulden waren durch die vorangegangenen Kriegsjahre stark gestiegen, der Schulddienst verschlang 29 % der Staatseinnahmen.

Am 20. Februar 1811 erklärte die Österreichische Regierung formell den Staatsbankrott und stellte die Zahlungen teilweise ein. Die Banknoten wurden zum 31. Jänner 1812 für ungültig erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten sie mit einem Abschlag von 80 % gegen neue Banknoten eingetauscht werden. Ebenfalls auf ein Fünftel herabgesetzt wurde der Wert der Kupfermünzen. Die direkte Staatsschuld blieb zwar nominell bestehen; jedoch wurden die vertraglichen Zinsen auf die Hälfte reduziert.

Am 28. August stirbt die Mutter  von Johann Strauss Vater, Barbara  Strauss, geborene Dollmann im Alter von 41 Jahren (gemäß Todesanzeige 39 Jahren) an Schleichfieber.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Wiener Zeitung vom 28. August 181

Was sonst noch geschah:

 

  • 5. Februar: Der Prince of Wales und spätere König George IV. übernimmt gemäß dem Regency Act die königliche Gewalt in Großbritannien, nachdem sein Vater George III. wegen langer Geisteskrankheit die Amtsgeschäfte nicht mehr führen kann.
  • 1. Juni: In Österreich wird per kaiserlichem Patent das ab Jahresbeginn 1812 geltende Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch verkündet.
  • 20. Februar: Österreich erleidet einen Staatsbankrott. Das umlaufende Papiergeld wird aufgrund eines Finanzpatents von Kaiser Franz I. nur noch zu einem Fünftel seines Werts umgetauscht.
  • Die Kruppwerke werden von Friedrich Krupp mit der Errichtung eines Gussstahlwerks in Essen gegründet.

 

Geboren:

 

  • 30. März: Robert Wilhelm Bunsen, deutscher Chemiker († 1899)
  • 7. September: Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, deutscher Adeliger († 1885), Vater König Carol I. Von Rumänien
  • 22. Oktober: Franz Liszt, ungarischer Pianist und Komponist († 1886)
  • 28. November: Maximilian II., bayerischer König († 1864)

 

1812 und 1813

 

Napoleons Rußlandfeldzug von 1812 stellte die erste Phase des Sechsten Koalitionskriegs dar, in dem sich Frankreich und Rußland mit ihren jeweiligen Verbündeten gegenüberstanden. Der Feldzug endete nach anfänglichen französischen Erfolgen in einer der größten militärischen Katastrophen der Geschichte. Nach der vollständigen Vertreibung der Grande Armée von russischem Territorium mündete der Feldzug Anfang 1813 in die zweite Kriegsphase: In den Befreiungskriegen wechselten zunächst Preußen und Österreich, später auch die von Frankreich dominierten deutschen Rheinbundstaaten auf die russische Seite und trugen zur Niederlage und Abdankung Napoleons im Jahr 1814 bei.

 

1813 heiratet der Vater Franz Borgias Strauss Theresa Feldberger. Die Familie zieht wieder zurück in die Floßgasse 7.

 

In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. Oktober bis zum 19. Oktober 1813 in der 210.000 Franzosen gegen bis zu 310.000 Alliierten Truppen kämpften und die über 110.000 Tote und Verwundete forderte, fügten die verbündeten österreichischen, preußischen, russischen und schwedischen Truppen Napoleon I. die entscheidende Niederlage der Koalitionskriege zu. Napoleon war gezwungen, sich nach Frankreich zurückzuziehen.

 

Was sonst noch geschah:

 

1812

 

  • 24. Februar: Preußens König Friedrich Wilhelm III. liiert sich unter französischem Druck mit Napoleon Bonaparte für einen Kampf gegen Russland.
  • 28. Mai: Der Frieden von Bukarest beendet den sechsten russisch-türkischen Krieg mit Territoritalzuwachs für Russland.
  • 24. Juni: Napoléon greift Russland mit ca. 500.000 Soldaten an.
  • 7. September: Die Grande Armée besiegt unter großen Verlusten die russische Armee in einer der blutigsten Schlachten des 19. Jahrhunderts. Der Weg nach Moskau ist für Napoleon Bonaparte damit frei.
  • 14. September: Napoléon zieht kampflos in Moskau ein. In der Stadt bricht Feuer aus, das weite Teile der Stadt zerstört.
  • 19. Oktober: Napoléon verlässt Moskau. Es beginnt der fluchtartige Rückzug der Grande Armée aus Russland, der sich bis in den Dezember hinzieht.
  • 16. Dezember: Die geschlagenen Reste der Grande Armée überqueren die Memel und erreichen Ostpreußen. Nur  5.000 von ehemals 500.000 Soldaten haben die Flucht vor den nachrückenden russischen Verbänden überlebt.

1813

 

  • 4. März: Einmarsch russischer Truppen in Berlin, das kurz zuvor von den Franzosen geräumt worden war.
  • 16. März: Preußen erklärt Frankreich den Krieg.
  • 17. März: Mit dem Aufruf  „An Mein Volk“ wendet sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. in Breslau an seine Untertanen, „Preußen und Deutsche“, und bittet um Unterstützung für den Kampf gegen Kaiser Napoleon I.
  • 14. Oktober: Das bislang verbündete Königreich Bayern erklärt Frankreich den Krieg.
  • 16. - 19. Oktober: In der Völkerschlacht bei Leipzig werden die Truppen Napoléons von den verbündeten Heeren der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden besiegt.
  • 31. Oktober: Napoleon Bonaparte setzt sich nach der Völkerschlacht bei Leipzig mit den Resten seiner Armee in der zweitägigen Schlacht bei Hanau gegen ein bayerisch-österreichisches Heer durch, das ihm den Rückweg nach Frankreich verlegen wollte.
  • 2. November: König Friedrich I. von Württemberg wechselt auf die Seite der Verbündeten gegen den französischen Kaiser Napoleon über.
  •  
  • 17. Januar: Der Brite Humphry Davy entdeckt den Lichtbogen. Die Möglichkeit zur Erzeugung künstlichen Lichts ist damit gegeben.
  • 29. Mai: Die Optische Telegrafenlinie Metz–Mainz wird von den Franzosen nach dem System Claude Chappes eröffnet. Wichtige Nachrichten werden in codierter Form über Signalstationen weitergemeldet, sofern eine vom Wetter unbeeinträchtige Sichtverbindung herrscht.
  • 8. Dezember: Uraufführung der 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in Wien

 

Geboren:

 

  • 29. Januar: Alexander II., russischer Zar († 1881)
  • 22. Mai: Richard Wagner, deutscher Komponist († 1883)
  • 13. Juli: Theophil Hansen, dänischer Architekt des Historismus († 1891)
  • 9. Oktober: Giuseppe Verdi, italienischer Komponist († 1901)
  • 6. Dezember: August Sicard von Sicardsburg, österreichischer Architekt († 1868)

 

1814

 

Am 31. März 1814 nahmen die alliierten Truppen Paris ein.

Napoleon dankte am 6. April 1814 ab und wurde nach Elba verbannt.
Nach Beendigung der napoleonischen Herrschaft wurde von den Siegermächten der Wiener Kongreß einberufen, um die Ordnung Europas nach alten, vorrevolutionären Maßstäben wieder herzustellen (Restauration).

Der Wiener Kongreß  vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 legte in Europa zahlreiche Grenzen neu fest und definierte neue Staaten. Anlaß war die Niederlage von Napoleon Bonaparte, der zuvor die politische Landkarte des Kontinentes erheblich verändert hatte.

Unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich berieten politisch bevollmächtigte Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, darunter alle bedeutenden Mächte Europas mit Ausnahme des Osmanischen Reiches. Die führende Rolle spielten die fünf Großmächte Rußland, Vereinigtes Königreich, Österreich, Preußen und die wiederhergestellte französische Monarchie sowie der Kirchenstaat. Die deutschen Probleme wurden angesichts ihres Umfangs von den übrigen europäischen Angelegenheiten getrennt besprochen.

 

 

 

 

 

 

 

Klemens Wenzel Lothar Graf (seit 1813 Fürst) von Metternich-Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien)

 

 

Karte Europas nach dem Wiener Kongreß

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 1. Januar: Der preußische Generalfeldmarschall Blücher überschreitet mit seiner Armee den Rhein.
  • 7. März: Napoleon gelingt  ein letzter Sieg gegen die auf Paris vorrückenden Preußen und Russen.
  • 30. März: Die Streitkräfte der sechsten Koalition erstürmen Montmartre. Am Nachmittag kapitulieren die französischen Verteidiger. Damit können die Verbündeten in die Hauptstadt einmarschieren.
  • 31. März: Alliierte Truppen mit dem russischen Zaren und Preußenkönig ziehen in Paris ein.
  • 2. April: Der französische Senat erklärt Napoleon Bonaparte für abgesetzt. Ludwig XVIII. wird König von Frankreich.
  • 6. April: Napoleon Bonaparte dankt nach seiner Niederlage als Kaiser der Franzosen zu Gunsten seines Sohnes ab. Den Alliierten ist dies nicht ausreichend, die Sieger unterbreiten am 11. April ihre Vorstellungen.
  • 11. April: Die Verbündeten der Koalitionskriege legen Napoleon eine Vereinbarung zur Unterschrift vor, welche seine bedingungslose Abdankung als Herrscher in Frankreich und in Italien vorsieht. Sie regelt seine Verbannung nach Elba. Napoleon unterschreibt den Vertrag zwei Tage später nach einem Suizidversuch in der Nacht davor.
  • 24. April: In Calais landet aus dem Exil der Bruder des in der Französischen Revolution hingerichteten Königs Ludwig XVI., Louis Stanislas Xavier, Graf der Provence, mit einer Schar Adliger. Er übernimmt nach der Verbannung Napoleon Bonapartes durch die Alliierten auf die Insel Elba die Macht. Im Land beginnt die Phase der Restauration der Monarchie der Bourbonen.
  • 4. Mai: Napoleon Bonaparte trifft im Exil auf Elba ein.
  • 30. Mai: Erster Pariser Frieden mit Preußen, Österreich, Russland und Großbritannien. Im Pariser Friedensvertrag wird unter anderem in Artikel 5 die Freiheit der Schifffahrt auf dem Rhein für jedermann geregelt.
  • 4. Juni: Restauration in Frankreich: Der Bourbone Ludwig XVIII. verkündet anlässlich seiner Thronbesteigung die Charte constitutionnelle.
  • 18. September: Eröffnung des Wiener Kongresses (1814/1815): Der Deutsche Bund entsteht.
  •  
  • 23. Mai: Uraufführung der Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven am Theater am Kärntnertor in Wien

 

Geboren:

 

 

  • Am 12. April: Franz von Wertheim, österreichischer Industrieller († 1883)
  • Am 30. Juni: Franz von Dingelstedt, deutscher Dichter und Theaterintendant († 1881)

 

Gestorben:

 

  • Am 29. Mai: Joséphine, französische Kaiserin (* 1763)
  • Am 8. September: Maria Karolina von Österreich, Königin von Neapel-Sizilien (* 1752)

 

 

1815

 

  • 26. Februar: Napoleon Bonaparte verlässt Elba. Die Herrschaft der Hundert Tage beginnt.
  • 1. März: Napoleon Bonaparte landet mit rund 1.000 Mann bei Cannes, um sich auf den Weg nach Paris zu machen.
  • 30. April: Friedrich Wilhelm III. verfügt auf dem Wiener Kongress die Einteilung Preußens in zehn Provinzen.
  • 8. Juni: Unterzeichnung der Deutschen Bundesakte: Gründung des Deutschen Bundes.
  • 9. Juni: Der Wiener Kongress, auf dem Europa politisch neu geordnet worden ist, endet mit der Unterzeichnung der Kongressakte. Der Papst als Oberhaupt des Kirchenstaates und Spanien lehnen darin getroffene inhaltliche Festlegungen ab.
  • 9. Juni: In Norditalien wird durch die Wiener Kongressakte das Königreich Lombardo-Venetien geschaffen, dessen König in Personalunion der jeweilige Kaiser von Österreich wird. Es folgt auf das napoleonische Königreich Italien, dessen Gesetze fortgelten.
  • 16. Juni: In Belgien gelingt Napoleon in der Schlacht bei Ligny sein letzter Sieg.
  • 18. Juni: Schlacht bei Waterloo. Napoleon wird endgültig geschlagen.
  • 19. Juni: Einen Tag nach der Schlacht bei Waterloo endet mit der Schlacht bei Wavre der letzte Kampf der Napoleonischen Kriege. Zwar tragen die Franzosen einen taktischen Sieg davon, doch haben die unterlegenen preußischen Einheiten strategisch ein mögliches Eingreifen der Franzosen in Waterloo verhindert.
  • 22. Juni: Napoleon dankt endgültig ab und wird auf die Insel St. Helena verbannt.
  • 8. August: Napoleon Bonaparte besteigt mit seinen Begleitern das Schiff, das sie zum Verbannungsort St. Helena bringen wird.
  • 26. September: Gründung der Heiligen Allianz, das Bündnis, das die drei Monarchen Russlands, Österreichs und Preußens nach dem endgültigen Sieg über Napoléon Bonaparte in Paris abschlossen. Frankreich trat der Allianz 1818 bei
  • 20. November: Zweiter Pariser Frieden mit Preußen, Kaisertum Österreich, Russland und Großbritannien.

 

Geboren:

 

  • Am 1. April: Otto von Bismarck, deutscher Politiker und erster Reichskanzler des deutschen Reiches († 1898)
  • Am 1. Juni: Otto I., griechischer König († 1867)

 

1816

 

Am 5. April 1816 wird der Vater Franz Borgias Strauss ertrunken in der Donau aufgefunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Franz Borgias Strauss

Am 29. Oktober 1816 heiratete Kaiser Franz seine vierte Frau, Karoline Charlotte Auguste von Bayern  per procurationem in der Münchner Hofkapelle. Der Bräutigam wurde durch den Bruder der Braut, Ludwig vertreten.

 

Nach ihrer Reise über Altötting nach Braunau, wo die Übergabe erfolgte, weiter über Ried, Enns und St. Pölten erreichte sie am 9. November 1816 Schönbrunn, wo sie von ihrem Gatten und der gesamten Familie willkommen geheißen wurde.

 

Am 10. November 1816 heiratete sie in der Pfarrkirche des Kaiserhofes den bereits dreimal verwitweten Kaiser Franz I. von Österreich, und wurde somit Kaiserin. Dabei änderte sie die Reihenfolge ihrer Vornamen in Karoline Auguste, um sich bewusst von der württembergischen Zeit abzugrenzen. Es kam zu keinen großen Festveranstaltungen nach der Hochzeit, wie zuvor in München, da sich der Kaiser wie immer in Sparsamkeit übte. Kinderlos und in der Politik keine Rolle spielend, widmete sie sich karitativen Tätigkeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinzessin Karoline Charlotte Auguste von Bayern

Was sonst noch geschah:

 

  • 14. April: Im Vertrag von München wird ein Spannungszustand zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich beigelegt. Österreich erhält im Frieden von Schönbrunn verlorenes Gebiet gegen anderweitigen Ausgleich zurück, Berchtesgaden bleibt bayerisch.
  • 6. November: Eröffnung der Bundesversammlung in Frankfurt am Main. Nach der Niederlage Napoleons werden die Ergebnisse des Wiener Kongresses umgesetzt. Dies hat die politische Neuordnung Europas zur Folge.
  • 17. März: Das erste Dampfschiff überquert den Ärmelkanal. Die Élise fährt von Newhaven nach Le Havre, wo sie zum Passagierverkehr in Frankreich dienen soll.
  • 1. Juni: Die Oesterreichische Nationalbank wird gegründet.
  • 12. Juni: In der deutschen Geschichte der Binnenschifffahrt befährt das erste Dampfschiff den Rhein. Von London kommend tuckert der britische Schaufelraddampfer The Defiance flussaufwärts bis Köln

  Dampfschiff Èlise                                            The Defiance

 

20. Februar: Uraufführung der Oper Il Barbiere di Siviglia ossìa L’inutil precauzione (Der Barbier von Sevilla oder Die unnütze Vorsicht) von Gioacchino Rossini am Teatro Argentina in Rom

 

Geboren:

 

  • 11. Februar: Ernst Litfaß, deutscher Drucker und Erfinder (Litfaßsäule) († 1874)
  • 21. Juli: Paul Julius Reuter, Begründer der Nachrichtenagentur Reuters Telegraphic Comp. Incorporated († 1899)
  • 17. August: Benjamin Bilse, deutscher Kapellmeister und Komponist († 1902)
  • 11. September: Carl Zeiss, deutscher Mechaniker und Unternehmer († 1888)
  • 13. Dezember: Werner von Siemens, deutscher Erfinder und Begründer der Elektrotechnik († 1892)

 

1817

 

Am 5. Oktober 1817 beginnt Johann Strauss im Alter von 13 Jahre eine Buchbinderlehre bei Johann Lichtscheidl in der Leopoldstadt Wien, heute Ferdinandstraße 7.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 8. März: Die New York Stock Exchange gibt sich ein Börsenreglement und richtet eine formelle Geschäftsorganisation ein.
  • 10. Juli: Der Erfinder des Kaleidoskops, David Brewster, erhält darauf ein englisches Patent.
  • 9. August: Johann Friedrich Gottlob Koenig und Andreas Friedrich Bauer gründen die älteste Druckmaschinenfabrik der Welt: Koenig & Bauer.
  • 12. Juni: Karl Drais unternimmt in Mannheim die erste öffentliche Fahrt mit der von ihm erfundenen Draisine (Vorläufer des Fahrrads).

 

Geboren:

 

  • Am 3. August: Albrecht von Österreich-Teschen, österreichischer Erzherzog und Feldherr († 1895
  • Am 5. September: Alexei Tolstoi, russischer Schriftsteller, Dramatiker und Dichter († 1875)
  • Am 18. September: Mihail Kogălniceanu, rumänischer Staatsmann, Historiker und Publizist († 1891)
  • Am 12. November: Baha’u’llah, persischer Religionsstifter der Bahai-Religion († 1892)

 

1818

 

  • 29. September: Der Aachener Kongress der Großmächte Russland, Österreich, Preußen, Frankreich und Großbritannien beginnt.
  • 9. Oktober: Vertragsabschluss, der einen sofortigen Abzug der Besatzungstruppen aus Frankreich beinhaltet und die Zahlung von Reparationen von 700 auf 265 Millionen Francs herabsetzt.
  • 15. November: Durch die Aufnahme Frankreichs entsteht aus der Heiligen Allianz die Pentarchie der europäischen Großmächte Russland, Großbritannien, Österreich, Preußen und Frankreich. Sie wird auf dem Aachener Kongress deklariert und besteht bis 1854
  • 12. Oktober: Das Nationaltheater München wird eröffnet.

 

Geboren:

 

  • Am 30. März: Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Gründer der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland († 1888)
  • Am 29. April: Alexander II., russischer Zar († 1881)
  • Am 5. Mai: Karl Marx, deutscher Philosoph, Ökonom und Journalist († 1883)
  • Am 21. Juni: Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha († 1893)

 

1819

 

Im Jahr 1819 war Johann Strauss, 15-jährig vermutlich schon musikalisch tätig, nämlich als Aushilfsgeiger in der Kapelle von Michael Pamer

Pamer wurde am 3. September 1782 in Neulerchenfeld geboren. Am 4. September 1827 starb der berühmte Tanzgeiger mit nur 45 Jahren.

Was sonst noch geschah:

4. Oktober: Die Erste österreichische Spar-Casse nimmt, abgesichert durch einen von Pfarrer Johann Baptist Weber ins Leben gerufenen Verein, in Wien erste Spareinlagen entgegen.

 

Geboren:

 

  • 18. April: Franz von Suppé, österreichischer Komponist und Autor († 1895)
  • 24. Mai: Victoria, Königin von Großbritannien († 1901)
  • 1. Juni: Franz V., Herzog von Modena († 1875)
  • 20. Juni: Jacques Offenbach, deutsch-französischer Komponist († 1880)
  • 26. August: Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, Ehemann von Königin Victoria († 1861)
  • 13. September: Clara Schumann, deutsche Pianistin und Komponistin († 1896)
  • 30. Dezember: Theodor Fontane, deutscher Schriftsteller († 1898)

 

1820

 

  • 1. Januar: Staatsstreich in Spanien: Spanien wird konstitutionelle Monarchie.
  • 29. Januar: Thronwechsel in Großbritannien. Auf Georg III. folgt sein Sohn Georg IV. der bereits seit 1811 für seinen erkrankten Vater als Regent amtiert.
  • 15. Mai: In Wien enden die Beratungen zu den Grundlagen des Deutschen Bundes, die in der Wiener Schlussakte zusammengefasst sind
  • 8. Juni: Die Wiener Schlussakte als gleichwertiges zweites Bundesgrundgesetz neben der Bundesakte tritt in Kraft.
  •  
  • 14. Juni: Uraufführung der Oper Die Zwillingsbrüder von Franz Schubert am Theater am Kärntnertor in Wien
  • 19. August: Uraufführung der Oper Die Zauberharfe von Franz Schubert am Theater an der Wien in Wien

 

Geboren:

 

  • Am 13. Februar: Béla Kéler, ungarischer Komponist († 1882)
  • Am 17. Februar: Henri Vieuxtemps, belgischer Komponist († 1881)
  • Am 20. März: Alexandru Ioan Cuza, Gründer und erster Fürst von Rumänien († 1873)
  • Am 12. Mai: Florence Nightingale, englische Krankenschwester, Wegbereiterin der modernen Krankenpflege († 1910)
  • Am 6. Oktober: Jenny Lind, schwedische Sängerin († 1887)
  • Am 28. November: Friedrich Engels, deutscher Philosoph, Politiker und Militärhistoriker († 1895)

 

Gestorben:

 

  • Am 29. Januar: Georg III., britischer König und König von Hannover (* 1738)
  • Am 7. August: Elisa Bonaparte, Schwester von Napoleon Bonaparte (* 1777)

 

1821

 

  • 26. Januar: Der Laibacher Kongress beginnt. Beim dritten Monarchenkongress steht die Situation nach dem Putsch im Königreich beider Sizilien im Mittelpunkt der politischen Beratungen.
  • 7. März: Die österreichische Armee besiegt neapolitanische Truppen. Die von den europäischen Großmächten geduldete Militärintervention ins Königreich beider Sizilien dient zur Beruhigung der Lage nach einem Militärputsch der Carbonari im Jahr zuvor und dem Unterdrücken republikanischer Bestrebungen.
  • 13. März: König Viktor Emanuel I. dankt im Königreich Sardinien ab, bleibt aber Herzog von Savoyen. Sein Bruder Karl-Felix folgt ihm auf dem Thron nach
  • 19. Juli: Georg IV. wird in London zum britischen König gekrönt. Sein Krönungsbankett in Westminster Hall ist das letzte in der Geschichte der britischen Monarchie.
  • 1. Mai: Die Bank von England tauscht ihre Banknoten wieder gegen Gold ein; Ende der bank-restriction (seit 1797).
  • Georg Simon Ohm entdeckt das ohmsche Gesetz.
  •  
  • 18. Juni: Uraufführung der Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber in Berlin

 

Geboren:

 

  • Am 12. März: Luitpold von Bayern, bayrischer Prinzregent († 1912)
  • Am 11. November: Fjodor Dostojewski, russischer Schriftsteller († 1881)

 

Gestorben:

 

  • Am 5. Mai: Napoleon Bonaparte, französischer Kaiser (* 1769)

 

1822

 

Am 13. Januar 1822 wird Johann Strauss aus der Buchbinderlehre bei Lichtscheidl freigesprochen.

 

1823

 

Im Frühjahr 1823 erfolgt die Aufnahme von Johann Strauss als Bratschist und 4. Mitglied in das vorige Trio der Gebrüder Drahanek (manchmal auch als Gebrüder Scholl wiedergegeben) in dem auch Josef Lanner musiziert.

 

Am 1. März 1823 wurde der k.k. Volksgarten feierlich eröffnet. Ursprünglich war der Garten als Privatgarten für die Erzherzöge gedacht, doch durch den Vorschlag der Hofgartenverwaltung wurde aus dem Gelände der erste dem Volk zugängliche Park in Hofbesitz. Am 1. Mai 1823 erfolgte die Eröffnung des „Corti´sches Kaffehaus“ im k.k. Volksgarten.

 

Über Jahrzehnte spielte die Kapelle Strauss unter Johann Strauss Vater und allen drei Söhnen in dem Etablissement Konzerte und trat bei groß angelegten, teils von den Sträussen selbst veranstalteten Festen auf. Meist fand zum  Abschluss der Feste  ein aufwendiges Feuerwerk der Familie Stuwer statt.

Was sonst noch geschah:

 

  • 10. Februar: Erster Rosenmontagszug in Köln.

 

Geboren:

 

  • Am 7. Februar: Richard Genée, österreichischer Librettist, Bühnenautor und Komponist († 1895)
  • Am 3. März: Gyula Andrássy, österreich-ungarnischer Politiker († 1890)
  • Am 4. April: Carl Wilhelm Siemens, deutscher Industrieller († 1883)
  • Am 23. Mai: Friedrich Strampfer, österreichischer Schauspieler und Theaterdirektor († 1890)
  • Am 20. November: Bethel Henry Strousberg, deutscher Unternehmer der Gründerzeit († 1884)

 

Gestorben:

 

  • Am 20. August: Pius VII., Papst (* 1740)

 

 

1824

Am 5. April 1824 findet vermutlich das erste Debüt von Johann Strauss als Dirigent der Lanner-Kapelle mit 30 Musikern im Lokal "zum schwarzen Bock" statt. Seit wann Johann Strauss in der Lanner-Kapelle als Geiger oder Bratschist spielte und seit wann Joseph Lanner eine eigene Kapelle hatte ist nicht eindeutig beweisbar.

 

Im September tritt Johann Strauss den Wehrdienst beim Hoch- und Deutschmeister Regiment als Landwehrmann an.

Johann Strauss Vater in jungen Jahren

 

Am 18. Oktober wurde das neue äußere Burgtor eröffnet.

Was sonst noch geschah:

 

  • 16. September: Karl X. wird nach dem Tod seines älteren Bruders Ludwig XVIII. König von Frankreich

 

  • 1. Januar: In Preußen werden die ersten öffentlichen Briefkästen aufgestellt.
  • 7. Mai: Der völlig ertaubte Ludwig van Beethoven dirigiert gemeinsam mit Michael Umlauf im Theater am Kärntnertor in Wien die Uraufführung seiner 9. Sinfonie.
  • 4. August: Das Königsstädtische Theater als erstes Volkstheater in Berlin wird eröffnet

 

 

 

 

 

 

Königsstädtisches Theater

Geboren:

 

  • Am 27. Juli: Alexandre Dumas, französischer Schriftsteller († 1885)
  • Am 4. September: Anton Bruckner, österreichischer Komponist († 1896)

 

Gestorben:

 

  • Am 17. Juni: Ferdinand III., Großherzog von Toskana (* 1769)

 

1825

 

Noch war Johann Strauss keine Person des öffentlichen Interesses und noch berichteten die damals noch spärlichen Zeitungen Wiens nicht ausführlich über die Auftritte der privaten Musikkapellen und über die Ausgabe der Drucke der Kompositionen der Herren Musikdirektoren und wenn, dann auch manchmal nur ungenau. Daher sind aus den ersten Jahren des Wirkens von Johann Strauss Vater (und auch von Joseph Lanner) die Konzerte und Veranstaltungen, und die Erstausgaben der Anfangswerke nicht exakt zu bestimmen.

 

Bekannt ist, dass Johann Strauss am 14. März 1825, seinem 21. Geburtstag einen Reisepaß für die Steiermark und andere kaiserliche Staaten beantragte. Auf dem Formularbogen stand: "Johann Strauss, ohne bestimmten Aufenthalt, elternlos, Geburtsort: Leopoldstadt, Alter: 21 Jahre, Musikus, ledig, reiset nach Gratz und kaiserliche Staaten Verdienst zu suchen. Dauer des Passes: 1 Jahr".

 

Am 5. April stellt sein Vormund (und der seiner Schwester Ernestine) Anton Müller, bürgerlicher Kleidermacher, einen Antrag auf Ehebewilligung für Johann Strauss. Im Mai stellt Johann ein eigenes Ansinnen auf Ehebewilligung das am 24. Juni bewilligt wird. Darin bezeichnet er sich selbst als ausübenden „Musicklehrer“ und verweist auf ein Zeugnis des „Musick-Direktor“ Joseph Lanner über den „beyläufig  jährlichen Erwerb zu 400 Gulden. Nebstbey kann das Erträgniss an weiblicher Handarbeit seiner Erwählten mit ins Verdienst gerechnet werden, weil diese während seiner Abwesenheit (der Kunstreise nach Gratz und den kaiserlichen Staaten) bey ihren Eltern gehörigen Unterstand findet“.  

 

Das benötigte Leumundszeugnis seines Wohnungsgebers besagt, daß er seit dem 1. Mai in dem Haus Lange Gaßen 67 in der Josephstadt als „After-Parthey“, also als Nachmieter sich wohnhaft befindet. Die Adresse hat Johann Strauss für sein Ansinnen gebraucht und sich vielleicht auf die Schnelle irgendwo als Untermieter eingemietet. Die Lange Gaßen stößt auf die Lerchenfelder Straße, wo ein halbes Jahr später Johann Strauss Sohn zur Welt kommt, die Familie hat also dort, vielleicht nur für kurze Zeit gewohnt.

 

Am 11. Juli heiraten Johann Baptist Strauss und Anna Streim, Tochter eines Wirtes aus Lichtental in der dortigen Pfarrkirche

Am 25. Oktober 1825 wird Johann Strauss Sohn in der Lerchenfelder Straße 15 geboren.

Über die musikalischen Ereignisse um Johann Strauss Vater gibt es unterschiedliche, widersprüchliche Angaben.

 

Im September soll es nach einem Konzert "zum Schwarzen Bock" zum Zerwürfnis mit Joseph Lanner gekommen sein. Nach anderen Quellen soll es 1827 zu einem Zerwürfnis gekommen sein.  Nach wieder anderen Quellen soll im Carneval 1826 die Entscheidung gefallen sein, daß sich Johann Strauss und Joseph Lanner trennen und daß Joseph Lanner die Lokalitäten von Michael Pamer "zum schwarzen Bock" bespielt und Johann Strauss "zum weißen Schwan" in der Rossau auftritt.

 

Am 13. Oktober 1825 wird das Lokal und der Saal "zur Kettenbrücke" neben den Dianabad eröffnet. Kurz zuvor wurde die erste Kettenbrücke über den Donaukanal, die erste Sophienbrücke eröffnet. Die Brücke bestand von 1824 bis 1871 und war damals die erste Kettenbrücke von Wien. Sie war aber nur für Fußgänger und Pferde benutzbar. Das neuartige Erscheinungsbild dieser Brücke mit 71 Metern Spannweite war Namen gebend für das Vergnügungslokal, das den Namen „Kettenbrückensaal“ (oder: „Tanzsaal zur Kettenbrücke“ in der Donaustraße 4 in der Leopoldstadt) erhielt. Eine weitere Kettenbrücke sollte über den Donauarm in der Nähe des Lokals errichtet werden.

 

Hier wurde im Fasching 1828 auch der „Kettenbrückenwalzer“ von Johann Strauss Vater uraufgeführt.

 

Bereits am 21. November veröffentlicht der Verlag Anton Diabelli und Companie, Kunst- und Musikalienhändler in Wien, Am Graben 1133, sieben Walzer von Johann Strauss für das Pianoforte – noch ohne Opus-Zahlen, zusammen mit den Werken 1 bis 4 von Joseph Lanner im Druck. Es ist nicht nachzuweisen ob dies schon die ersten sieben später mit Opus-Zahlen erneut erschienen Werke waren oder ob es eine Walzerkette aus 7 Walzern war und wenn ja, ob dies ein heute verschollenes Werk oder einer der ersten Walzer war der erst später einen Namen und eine Opus-Zahl bekam.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wiener Zeitung vom 21. November 1825

In England ereignete sich die eigentliche Sensation des Jahre 1825. Am 27. September fuhr die Dampflokomotive des Briten George Stephenson die 39 km lange Strecke von Stockton nach Darlington und zog dabei 38 beladene Waggons. In Österreich wurde im gleichen Jahr erst mit dem Bau der ersten österreichischen Pferdeeisenbahn von Linz nach Budweis begonnen. Als sie 1832 fertiggestellt war, war sie technologisch bereits rettungslos veraltet.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 13. Oktober: Thronwechsel in Bayern. Auf Maximilian I. Joseph folgt sein Sohn Ludwig I..
  • 20. Oktober: König Ludwig I. verfügt, daß künftig Bayern und nicht mehr Baiern geschrieben werde.
  • 24. Dezember: In Russland übernimmt Nikolaus I. formell als Zar die Regentschaft nach seinem Bruder Alexander I.
  • In Aachen wird das Unternehmen Aachener und Münchener (Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft) von David Hansemann gegründet.
  •  
  • 25. Juni: Die erste Einschienenbahn der Welt nach einem Patent von Henry Robinson Palmer wird in Cheshunt, England, in Betrieb genommen.
  •  
  • 18. Januar: Das 1805 abgebrannte Moskauer Petrowski-Theater wird nach der Wiedererrichtung durch den Architekten Joseph Bové mit dem Prolog Der Triumph der Musen zur Musik von Alexei Werstowski und Alexander Aljabjew und Fernando Sors Ballett Cendrillon unter dem Namen Bolschoi-Theater wieder eröffnet.

 

Geboren:

 

  • Am 18. Februar: Mór Jókai, ungarischer Schriftsteller und Journalist († 1904)
  • Am 10. Juni: Hildegard Luise von Bayern, Ehefrau von Erzherzog Albrecht von Österreich († 1864)
  • Am 11. September: Eduard Hanslick, österreichischer Musikwissenschaftler und -kritiker († 1904)
  • Am 15. Oktober: Marie Friederike von Preußen, bayrische Königin († 1889)

 

Gestorben:

 

  • Am 9. Juni: Pauline Bonaparte, Lieblingsschwester von Napoléon Bonaparte (* 1780)
  • Am 13. Oktober: Maximilian I., bayrischer König (* 1756)
  • Am 1. Dezember: Alexander I., russischer Zar (* 1777)

 

1826

 

Noch sind die Nachweise über die Unterhaltungsveranstaltungen unklar und die Daten in den Recherchen widersprüchlich. Im Januar soll Johann Strauss zum ersten Mal als Capellmeister mit eigenem Orchester von 14 Personen im Lokal "zum weissen Schwan in der Rossau" aufgetreten sein. Gleichzeitig fand auch ein Ball Lanner’s "zum Schwarzen Bock" auf der Wieden statt. Lanner soll 1825 den kranken Michael Pamer abgelöst haben.

 

Nachgewiesen ist, daß Johann Strauss am 27. März 1826 den Stimmensatz seines Opus 2, des "Döblinger Reunion-Walzer" fertiggestellt hat. Er hat das Datum selbst auf den Noten vermerkt.

 

Am 3. April hat er die Partitur des Opus 2 fertig gestellt und wieder eigenhändig das Datum gesetzt. Die Komposition war für 1 Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 1 Trompete, 1. und 2. Violine, Viola oder 3. Violine, Bass und Schlagwerk. Zu dieser Zeit hatte Johann Strauss anscheinend schon eine eigene Kapelle mit 14 Musikern.

 

Am 15. Mai übernimmt Tobias Haslinger die k.k. Hofmusikalienhandlung im Paternostergäßachen in Wien von Sigmund Anton Steiner. Er wird eine wichtige Rolle in der Karriere von Johann Strauss Vater spielen, sein Verlag, nach seinem frühen Tod unter der Leitung seiner Witwe und seines Sohnes Carl war sowohl für die Erfolge von Johann Strauss Vater als auch  aller drei Strauss-Söhne maßgebend.

 

Von 27. Juni bis 16. August 1826 finden jeden Dienstag, insgesamt 8, Reunionen im "Etablissement Finger" in Döbling statt,  alle zu wohltätigem Zweck. Lanner und Strauss spielten gemeinsam, unter anderem auch den "Döblinger Reunion-Walzer".

 

Ab 21. September werden in großen Anzeigen in der Wiener Zeitung 4 Reunionen im Saale "zum schwarzen Bock" auf der Wieden angezeigt. Die Leitung des Orchesters hat Herr Joseph Lanner übernommen. Ob Johann Strauss im Orchester gespielt hat ist nicht bekannt. Ab 26. Oktober werden die Reunionen in neuer Folge fortgesetzt.

 

Am 19. Oktober fand ein Gesellschaftsball zum Vorteile des gewesenen Musikdirektors beim Sperl, Michael Pamer, "zum schwarzen Bock" auf der Wieden statt. Es wurden neu komponierte Werke von Pamer, Lanner und Strauss angekündigt. Aufgrund einer Fingerverletzung  konnte Pamer nur mit drei Fingern musizieren und verlor, vielleicht deswegen, seine Stelle als Musikdirektor im "Sperl", konnte also die Einnahmen aus dem Benefiz gut gebrauchen.  Lanner spielte seinen Opus 7, „Aufforderung zum Tanz“ nach dem gleichnamigen Rondo von Carl Maria von Weber. Johann Strauss führte seinen Opus 3, „Wiener Carneval-Walzer“ erstmals auf. Dabei verwendete er ein Thema aus Weber’s Oper „Oberon“, der Oper die am 25. Oktober im Kärntnerthortheater uraufgeführt wurde und durchfiel. Weber starb am 5. Juni, 40-jährig, 2 Monate nach der Uraufführung der Oper im Conventgarden in London.

Was sonst noch geschah:

 

  • 15. Januar: In Paris erscheint die Erstausgabe des Figaro. Das Blatt wird vierzig Jahre später zur Tageszeitung.
  • 1. Juli: Georg Christian von Kessler (1787–1842) gründet in Esslingen am Neckar die erste deutsche Sektkellerei.
  • 27. November: Der Apotheker John Walker erfindet das Streichholz, das jedoch unregelmäßig brennt und noch unangenehm riecht.
  • Erste Fotografie der Welt durch Joseph Nicéphore Nièpce
  • 7. April: In München legt König Ludwig I. den Grundstein für die Alte Pinakothek, die seine Gemäldesammlung aufnehmen wird.
  • Gründung der Royal Scottish Academy
  • Gründung der Zeitschrift Le Figaro

 

Geboren:

 

  • Am 29. März: Wilhelm Liebknecht, Mitbegründer der SPD, MdR († 1900)
  • Am 8. Dezember: Friedrich Siemens, deutscher Industrieller († 1904)

 

Gestorben:

 

  • Am 5. Juni: Carl Maria von Weber, deutscher Komponist (* 1786)
  • Am 7. Juni: Joseph von Fraunhofer, deutscher Optiker und Physiker (* 1787)
  • Am 8. Oktober: Friedrich Krupp, deutscher Industrieller (* 1787)
  • Am 11. Dezember: Maria Leopoldine von Österreich, österreichische Erzherzogin, Königin von Portugal und brasilianische Kaiserin (* 1797)

 

1827

 

Am 1. Februar 1827 „wagt es der Unternehmer Johann Strauss “einen hohen Adel, als auch ein verehrtes Publikum“ zu einem großen Gesellschafts-Ball am 7. Februar im Saale "zum schwarzen Bock" auf der neuen Wieden einzuladen. „Die Musik ist unter der Direktion des rühmlich bekannten Herrn Joseph Lanner „welcher eigens für dieses Ballfest neue Compositionen geliefert hat“. Johann Strauss zeichnet also als Unternehmer !!

Ab 12. Februar sind die Noten des „Döblinger Reunion-Walzer“ für 1 fl. (Gulden) im Verlag Diabelli zu kaufen. Noch wird keine Opus-Zahl angegeben.

 

Am 26. März stirbt Ludwig van Beethoven und am 29. März gibt die Wiener Zeitung in einer simplen Anzeige in der Anlage „den Freunden des Verewigten die Nachricht vom Leichenbegräbnis um 3 Uhr Nachmittags“

 

Tags darauf wird der „Tod des Tonsetzers, Herrn Ludwig van Beethoven, 57 Jahre, an Wassersucht“ nochmals in der Rubrik Verstorbene zu Wien bekannt gemacht

Ab 24. April, mit dem „Eintreten der schöneren Jahreszeit“, begann wieder eine Serie von Reunionen „in den beyden Sälen zum schwarzen Bock“ unter Leitung des Direktors Joseph Lanner. In der gleichen Anzeige wird mitgeteilt, daß am 29. April eine „Öffentliche Tanzmusik Statt finden und bey den Tänzen die im verflossenen Carneval beobachtete Ordnung beybehalten“ wird.

 

Daß Johann Strauss bei diesen Reunionen "zum schwarzen Bock" mitgewirkt hat, zeigt die Erstanzeige der Drucke der „Gesellschafts-Galoppe“ (die später die Opus-Zahl 17 bekommen) im Verlag Cappi und Czerny mit dem Hinweis „mit vielem Beyfalle aufgeführt im Saale zum schwarzen Bock“. Oder hat Lanner die Werke von Johann Strauss gespielt ?

Linke Abbildung: Wiener Zeitung vom 30. April 1827 

Rechte Abbildung: „Zum schwarzen Bock”: Das Bild, nach der Natur  gezeichnet und in Holz geschnitten

 

Ab 7. Mai steht fest, daß der Herr Johann Strauss eine „mit 12 Mann besetzte aus Blas-  und Streichinstrumenten besetzte vollstimmige Musik“ hat mit der er im Sommer 1827, „wenn es die Witterung zulässt“  im vergrösserten und verschönerten Gasthausgarten >zu den zwey Tauben< am Heumarkt alle Mittwoch und Samstag Musik macht.

 

Michael Deiss, bürgerlicher Gastwirt auf der Landstraße 445 >zu den zwey Tauben< am Heumarkt „hat die Ehre einen hohen Adel und das verehrungswürdige Publikum gehorsamst hiervon zu benachrichtigen“ und er „wagt es, hierzu seine ergebenste Einladung zu machen“.

Die Nachricht von Michael Deis ist aus dem Allgemeinen Intelligenzball zur Oesterreichisch-kaiserlichen privil. Wiener-Zeitung vom 7. Mai 1827

 

 

Am 28. Juni wurde das Theater an der Wien wieder eröffnet. K(C)arl Carl, der eigentlich Karl Ferdinand Bernbrunn hieß und bereits in München Theaterregisseur und Direktor des königlichen Isarthor-Theaters war und in Wien seit geraumer Zeit das Theater in der Josephstadt leitete, übernahm auch die Direction des Theater an der Wien .  Vom Theater an der Wien und von Direktor Carl wird noch vieles zu berichten sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Theaterzettel, 28. Juni 1827

Am 20. August 1827 wird Josef Strauss in Mariahilf 39 („Zum goldenen Kreuz“; 6, Mariahilfer Str. 71a – heute Hotel Kummer) geboren.

In der Wintersaison, zunächst am 30. September und am 1. Oktober fanden Bälle im ganz neu und elegant dekorierten Saal „zum weissen Schwan“ in der Rossau statt.

 

Am 26. September beehrte sich Herr Deiss, Wirt „bey den zwey Tauben“, in der Wiener Zeitung ergebenst anzuzeigen, „daß der heuer bey ihm im Garten sich produzierte Violinspieler Herr Johann Strauss auch den ganzen Winter in den an dem Garten befindlichen Extrazimmern und zwar alle Samstag Abends in den neuesten und beliebtesten Quintetten den ihm nachsichtsvoll geschenkten Beyfall zu erhalten sich thätigst bestreben wird“. 

 

Ab dann, und vermutlich war das Vermarktungstalent von Johann Strauss maßgeblich mit verantwortlich, wurden die Annoncen genauer.

 

Für den Ball am 6. November den der Eigentümer „zum weissen Schwan“, Herr Hammerler „aufgefordert von mehreren distinguierten Familien“ veranstaltete,  wurden die vorkommenden und die neuen Compositionen von Johann Strauss vermerkt und wurde angekündigt, dass der Ball um       8 Uhr Abends beginnt und das Ende um 4 Uhr Früh sein wird. Die auf 200 Stück limitierten Billeten kosteten im Vorverkauf einen Gulden W.W. für die Herren und waren meistens in den Kaffeehäusern in der Stadt, später auch in den Musikalienhandlungen zu bekommen, die „Damen haben an deren Seite freien Eintritt“. An der Casse war der Eintrittspreis 2 fl. W.W. für jede Person.

 

Der am 6. erstmals aufgeführte „Carolinen-Galopp“ (später Opus 21a) wurde bereits am 16. November von dem Kunst- und Musikalienhändler Tobias Haslinger am Graben 572, im Haus der ersten Österreichischen Spar-Casse, in der Wiener Zeitung erstmals angezeigt.

 

Das große Katharinen-Ballfest am 26. November "zum weissen Schwan" in der Rossau fand zum „Vortheile des Musik-Directors Johann Strauss“ statt und der Unterzeichner Johann Strauss „wird keine Mühe sparen, durch besondere Decorierung des Saales ein glänzendes Ballfest zu bilden“, auch wird er die Tänze zu diesem Ballfest „größtenteils neu componieren“. Dies waren der Walzer „Wiener Launen“, Opus 6, „Alte und Neue Tempete“, Opus 10, ein Katharinenländler und für die Ruhestunde ein Marsch, beide offenbar verschollen oder unter anderen Titeln gedruckt. Getanzt wurde wieder von 8 Uhr bis 4 Uhr morgens.

 

Am 24. November kündigt Herr Dömling, bürgerlicher Gastgeber "zur Kettenbrücke" an, daß er der Aufforderung vieler seiner geehrten Besucher nachkommt und seinen Garten-Salon in der nahenden Adventszeit an Sonn- und Feiertagen von 12 Uhr Mittags bis 4 Uhr Nachmittags offen hält und er für eine angenehme Tafel-Musik unter der Leitung des Herrn Johann Strauss Sorge getragen hat. Nach 4 Uhr unterhält ein Bauchredner.

 

Der Terminkalender von Johann Strauss wurde zusehends voller.

Stadtplan von Wien und den Vorstädten  zwischen 1830 und 1858

 

1 = Geburtshaus Johann Strauss Vater

2 = 2. Wohnsitz Weintraubengasse

3 = Kettenbrückensaal

4 = Richtung Lichtental und Rossau (Pfarrkirche Lichtental und zum weissen Schwan Rossau)

5 = Geburtshaus Johann Strauss Sohn

6 = Geburtshaus Josef

7 = zum schwarzen Bock Wieden

8 = zu den zwey Tauben

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 5. Mai: Thronwechsel in Sachsen. Auf König Friedrich August I. folgt sein Bruder Anton.
  • 11. Februar: Josef Ressel wird in Österreich ein so genanntes Privilegium für seine Erfindung der Schiffsschraube gewährt, das ihn zur wirtschaftlichen Verwertung berechtigt.
  • 7. April: In seiner Apotheke beginnt der Engländer John Walker, die von ihm erfundenen Streichhölzer zu verkaufen.

 

Geboren:

 

  • Am 11. Januar: Rainer Ferdinand von Österreich, österreichischer Erzherzog, altösterreichischer General († 1913)
  • Am 6. März: Wilhelm Carl Heraeus, deutscher Apotheker und Chemiker, Gründer der Firma Heraeus († 1904)
  • Am 18. November: Mehmed Ali Pascha, türkischer Feldherr deutscher Abstammung († 1878)

Gestorben:

 

  • Am 26. März: Ludwig van Beethoven, deutscher Komponist (* 1770)
  • Am 18. November: Wilhelm Hauff, deutscher Schriftsteller und Märchenerzähler (* 1802)

 

1828

 

Im Carneval 1828 spielte Johann Strauss in den gleichen 3 Lokalen und Sälen, nämlich "zur Kettenbrücke", "zum weissen Schwan" und "zu den zwey Tauben" und er führte seinen Opus 4 die I. Lieferung der „Kettenbrücke-Walzer“ im gleichnamigen Saal vor.

 

Der Kettenbrücken-Steg für Fußgänger wurde zur Entlastung der Ferdinandbrücke zur Verbindung der Inneren Stadt mit der Leopoldstadt gebaut und nach Erzherog Carl, einem Bruder von Kaiser Franz, dem Sieger der Schlacht bei Aspern über Napoleon Carlskettensteg genannt.

 

Die Vermarktung der Kompositionen funktionierte unter Tobias Haslinger bestens. Bis zum 1. Februar erschienen gleich 3 Neuheiten in dessen Verlag, Opus 3 am 19. Januar gleich in 5 Ausgaben für das Pianoforte, für Pianoforte zu 4 Händen, für Violine und Pianoforte, für 2 Violinen und Bass und für das ganze Orchester, am 30. Januar erscheint Opus 4 und am Tag darauf Opus 10 ebenfalls in 5 Ausgaben. Die Piecen erhalten jetzt auch Nummern, als Lieferung bezeichnet und Tobias Haslinger wiederholte die Anzeigen in der Wiener Zeitung fast täglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tobias Haslinger

Titelblatt Opus 3 – 3. Lieferung                   Titelblatt der 2. Lieferung der Kettenbrücke-                                                                            Walzer, op. 19.   Der erste Ketten-                

                                                                         brücke-Walzer, op. 4 erklang erstmals im 

                                                                                                  Jahr 1828

 

Am 11. Februar stattete Johann Strauss seinen innigsten Dank mit einem großen Gesellschafts-Balle "zum weissen Schwan" zu seinem Vorteil ab. Dabei betrug der Eintritt im Vorverkauf für die Herren 2 fl. W.W.,  für die Damen 1 fl. W.W., an der Cassa war der Eintrittspreis für jede Person 1 fl. , aber C.M. (Conventionsmünze) was 2,5 fl. W.W. entsprach.

 

Ab dem 24. Februar leitete Johann Strauss an allen „Sonn- und Feyertagen durch die ganze Fastenzeit im Salon "zur Kettenbrücke" in der Leopoldstadt abends die große Harmonie-Musik  und zwar von 6 Uhr Abends bis 11 Uhr Nachts“.

 

Dann erlebte Wien eine musikalische Sensation. Ab dem 28. März so lautete die Ankündigung „wird Herr N. Paganini, welcher aus Mailand hier angekommen die Ehre haben“ Concerte im großen k.k. Redoutensaale zu geben und „wird sich auf der Violine hören lassen“. Insgesamt gab Paganini 5 Konzerte plus eine Zugabe zum Vorteil der Bürger Spitale. Schon am 19. April hatte das Duo Strauss und Haslinger einen Walzer a la Paganini (mit dem Glöckchen) komponiert und gedruckt und in der Wiener Zeitung angezeigt. Uraufgeführt wurde das Werk im April >zu den zwey Tauben<. Zwei weitere Konzerte Paganinis folgten im k.k. Hofoperntheater, nachdem er zum Kammer-Virtuosen seiner Majestät des Kaisers von Österreich ernannt wurde. Am 24. Juli spielte er dann das wirkliche Abschiedskonzert mit Rahmenprogramm.

            Nicocolo Paganini                            Ansicht des grossen k.k. Redoutensaales

                                                   in der Hofburg

 

Am 12. April spielte Joseph Lanner erstmals sein Opus 19, den Trennungswalzer, der angeblich die Trennung der beiden Kontrahenten und Freunde Lanner und Strauss musikalisch besiegelt haben soll. Ob die Freundschaft anhielt ist nicht sicher belegt. Der Walzer wurde nach den vier aufgegebenen Wörtern „Trennung, Schnakerl, Bock und Klage“ komponiert und dem Fräulein Maria Seitz gewidmet. 

 

Am 22. April informiert Herr Dömling, Wirt "zur Kettenbrücke", daß sowohl der Garten als auch der Salon täglich geöffnet sind und für eine angenehme Tafel-Musik gesorgt ist, wobei insbesondere jeden Sonntag und Donnerstag, Mittags und Abends eine Instrumental-Musik unter der Leitung des Musik-Directors Johann Strauss abgehalten werden wird.

 

Bei einer dieser Unterhaltungen muß Strauss im Septembr seine Opus 7 a und b, die Alpenkönig – Galoppe Nr. 1 und 2 erstmals aufgeführt haben.

Mittwochs und Sonntags fanden Reunionen "bey den zwey Tauben" im abermals verschönerten Gasthausgarten unter Leitung Johann Strauss statt.

 

Am 6. September fand auf dem Kobenzl ein Fest zu Gunsten der Wiener Militär-Hilfskasse statt zu dem  6000 Gäste kamen. Johann Strauss führte dabei seinen „Lust-Lager-Walzer“, Opus 18 erstmals auf. Vom 9. bis 23. September fand bei Traiskirchen ein Zeltlager mit Exerzier- und Feldübungen statt. Wiener Geschäftsleute bauten auf dem Manöverfeld Verkaufsstände und Restaurants in Bretterbuden und Kaffee-Zelte auf und machten das Fest damit zum Lust-Lager. Auf dem Titelblatt des Werkes das am 16. Januar 1829 bei Haslinger ist das Lager dargestellt.

Ende September trennt sich Johann Strauss schriftlich von seinem bisherigen Verleger und Vertragspartner Anton Diabelli und läßt seine künftigen Werke, mit einigen Ausnahmen in der Übergangszeit, auschließlich von Haslinger verlegen. In dem Kündigungsschreiben schreibt Johann Strauss, daß ihn „von nun an ein Kontrakt mit Herrn Haslinger bindet, insofern jede meiner Kompositionen ihm zu liefern sei“.

 

Bei den Veröffentlichungen erscheint künftig der Zusatz „Eigentum des Verlegers“ regelmäßig. Da auch Joseph Lanner kurz zuvor zu Tobias Haslinger wechselte, könnte der Titel von Johann Strauss Opus 16, dem Walzer „Fort nacheinander!“, der am 26. September bei Haslinger erschien, eine Anspielung auf die Wechsel sein.

 

Aus späteren Verträgen der Strauss-Söhne mit ihren Verlegern ist bekannt welche Summen für die Lieferung von Kompositionen einmalig an die Komponisten bezahlt wurden und wodurch die Kompositionen in das Eigentum der Verleger übergingen.

 

Am 18. Oktober zeigt der Eigentümer des Gasthauses "zum Sperl", Herr Scherzer einen Ball am kommenden Tag an, bei welchem die Leitung der Musik unter der persönlichen Leitung des bekannten Herrn Joseph Lanner erfolgt.

               Franz Schubert – ca. 1828                       Johann Strauss und Joseph Lanner –

                                                                                                 Datum unbekannt

 

Am 19. November stirbt Franz Schubert, 31-jährig an den Folgen einer Thyphusinfektion, am 24. November heiratet Joseph Lanner Franziska Jahn und im Dezember wird er zum Musikdirector der k.k. Redoutensäle vorgeschlagen.

Im Januar 1829 erfolgte die Ernennung.

 

Im Dezember veröffentlicht Anton Diabelli eine Sammlung von Galoppen, u.a. von Franz Schubert, Mayerbeer und die Opus 7, 8, 9, 17 und 20 von Johann Strauss. Opus 7, der Alpenkönig-Galopp, sein erster Galopp bestand aus Motiven aus dem romantisch-komischen Märchen „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ von Ferdinand Raimund welches am 17. November zu dessen Benefiz im Leopoldstädter Theater uraufgeführt wurde.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • Russland erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg, um auch die Unabhängigkeitskämpfe der Griechen zu unterstützen. Die Kriegserklärung wird je nach Quelle auf den 26. oder den 28. April datiert.
  • 25. Juli: Der Wiener Magistrat gestattet Ignaz Bösendorfer, das Klaviermachergewerbe auszuüben. Seine Klaviere erlangen Weltruf.
  • 4. Juli: Der Grundstein für die erste Eisenbahn in den USA, der „Baltimore & Ohio Railroad (B & O)“, wird gelegt.
  • Die Prüforganisation Bureau Veritas wird in Antwerpen als Klassifikationsgesellschaft gegründet.

 

  • 26. März: Der österreichische Komponist Franz Schubert gibt sein erstes und einziges öffentliches Konzert im Lokal der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
  • 26. Mai: Uraufführung der Oper Les Francs-Juges von Hector Berlioz am Salle du Conservatoire in Paris

 

Geboren:

 

  • Am 8. Februar: Jules Verne, französischer Schriftsteller († 1905)
  • Am 7. Juli: Heinrich von Ferstel, österreichischer Architekt († 1883)
  • Am 9. September: Lew Nikolajewitsch Tolstoi, russischer Schriftsteller († 1910)

 

Gestorben:

 

  • Am 8. November: Salomon Oppenheim junior, deutscher Bankier (* 1772)
  • Am 19. November: Franz Schubert, österreichischer Komponist (* 1797)

 

1829

 

Die Familie Strauss wohnte Anfang 1829 immer noch in Mariahilf. Die Angabe von Johann Strauss in seiner Annonce am 29. Januar macht die Verwirrung um die richtige Adresse die schon im Zusammenhang mit der Anbringung der Gedenktafel an Josef Strauss‘ Geburtshaus in eine wissenschaftliche Ausarbeitung artete, noch komplizierter. Eine Adresse in der Mariahilfer Hauptstraße Nr. 68 war bislang nicht bekannt.

Immer noch waren die Musikdirektoren nicht der Hauptanziehungspunkt auf den Bällen und noch wurden diese nicht in allen Annoncen der Veranstalter genannt. Wer auf den Bällen am 22. Janaur "zum Sperl" und am 25. Januar im "Apollo-Saal" spielte ist nicht eindeutig, vermutlich aber Joseph Lanner.

 

Der Verleger Th. Weigl zeigte am 18. Januar den „Beliebten Wiener-Fopp-Galopp“ in seinem Verlag  Am Graben an, komponiert von Georg Geyschläger und dem Herrn Johann Strauss, Musik-Director gewidmet. Strauss war also damals schon so bekannt, dass ihm Kompositionen gewidmet wurden.

 

Ab Februar lassen sich die Engagements von Johann Strauss großteils, wenn auch nicht vollständig nachvollziehen:

 

4 große Gesellschafts-Bälle im Februar, der am 17. zum „Vortheile von Johann Strauss“ bei welchem der Opus 22, „Es ist nur ein Wien!“ uraufgeführt wurde, und ab 5. Februar jeden Donnerstag Concordia-Bälle, alle zu wohltätigem Zweck und zum Schluß des Carnevals Öffentliche Bälle und Bälle zur Erheiterung, alle im Saal "zur Kettenbrücke". Die Gesellschafts-Bälle veranstaltete der ehemalige Gastgeber "zum schwarzen Bock" auf der Wieden, Martin Hartl, im Saal "zur Kettenbrücke". Aber auch im Saal "zum schwarzen Bock" veranstaltete er weiterhin Gesellschafts- Bälle. Er wechselte scheinbar vom Wirt zum Veranstalter.

Ab dem 23. April, nach der Fastenzeit in der (noch) keine Vergnügungen erlaubt waren, spielte Johann Strauss zur Abend-Unterhaltung im Saal und Garten "zur Kettenbrücke" und vom Ostersonntag an alle Mittwoch und Sonntag im Garten und den Extrazimmern "zu den zwey Tauben"

 

Bei einer dieser Abend-Unterhaltungen führte Johann Strauss eine Neuigkeit in Wien ein, das Entreegeld. Anstelle des „Absammelns in den Pausen“ zahlten die Gäste ein Eintrittsgeld von 4,5 oder 6 Kreuzer Konventionsmünze (später 8 Kreuzer). 

 

Am Sonntag und Montag nach Peter- und Paulustage, am 5. und 6. Juli (Julius !) fand in Weidling nächst Klosterneuburg das Kirchweihfest statt, zu welchem Herr Musik-Director Strauss im Gasthause "zum goldenen Strauss" die Harmonie- und Tanzmusik leitete und wozu der Unternehmer seine gehorsamste Einladung machte.

Irgendwann im Sommer spielte Johann Strauss auch im Garten-Salon des Josephstädter Theaters und führte dabei seinen Opus 23, die "Josephstädter Tänze" erstmals auf. Der Verleger Haslinger zeigte diese erstmals am 12. August in der Wiener Zeitung an, erwähnte dabei die Uraufführung und den „Tonsetzer“ mit der Werbung „fort und fort bewahrt dieser glückliche Tonsetzer den schönen Beruf seines seltenen Talentes, davon die Walzer ein überzeugender Beweis sind. Jedem dem die Kettenbrück-Walzer bekannt sind (und wer sollte sie nicht kennen ?) wird auch an diesen Tänzen reichlichen Genuss, volles Vergnügen, wahre Befriedigung finden“.

 

Der Titel von Strauss’ Opus 24, „Hitzinger-Reunion-Walzer oder Weissgärber-Kirchweih-Tänze“ läßt auf die Teilnahme an den Feiern  zu den Kirchweih-Festen in den Vorstädten schließen die allerdings nicht belegt sind. Später wurden die Feierlichkeiten, speziell zum Brigittenauer Kirchtag, legendär.

 

Im Oktober gelang Johann Strauss wohl der endgültige Durchbruch, denn ab dem 4. Oktober wurde er  Musikdirektor im Gasthaus "zum Sperl". Er unterschrieb mit dem Eigentümer Scherzer einen 6 Jahresvertrag , vereinbarte eine Gage von 600 Gulden pro Jahr und 2 Benefizkonzerte zu seinem Vorteil, bei  Spesen von je 80 Gulden. Beim ersten Auftritt wurde das Opus 30, die "Sperlfest-Walzer" uraufgeführt. Zunächst fanden jeweils Sonntags öffentliche Bälle statt. Das erste Benefiz war „der Katharinenball zum Vortheile des Music-Directors Johann Strauss“ am 25. November bei welchem die beiden Opus 31 und 32 uraufgeführt wurden. Haslinger hatte die Charmant-Walzer "Des Verfassers beste Laune", Opus 31, bereits gedruckt und  100 Exemplare davon wurden zur Ruhestunde an die Damen verteilt.

 

Bei dem Opus 32 war Johann Strauss Wegbereiter für Neues. Er präsentierte sein Werk  "Schwarz’ sche Ball-Tänze", Cotillon nach beliebten Motiven aus der Oper: "Die Stumme von Portici" (von Daniel Auber) Wochen vor der Uraufführung der Oper am 12. Februar 1830 im Kärntnertor-Theater.

 

Die Vorstellung neuer Musik anderer bekannter oder neuer Komponisten in Form von Cotillons oder Quadrilles vor der Erstaufführung der Werke in Wien war ein Bestreben von Johann Strauss Vater und seinen drei Söhnen und es gelang ihnen auch oft, so zum Beispiel die Vorstellung der Musik von Richard Wagner durch die Strauss-Söhne in Wien, mitunter Monate vor der Erstaufführung von Wagner’ s Opern.

 

Der „Sperlfest“-Walzer erschien kurz vor Weihnachten als letztes Werk bei Diabelli.

Am 22. Dezember kam in der zwischenzeitlich gemieteten Wohnung in der Donaustraße 31 die Tochter Anna Strauss, die später wie ihre gleichnamige Mutter ebenfalls Netti gerufen wurde, zur Welt.

 

Damit die Interessenten nicht den Überblick verloren, gab Haslinger am 28. Dezember noch ein Verzeichnis der neuesten Tänze des „mit allem Rechte so sehr beliebten Musicdirectors Johann Strauss“ unentgeldlich heraus.

Was sonst noch geschah:

 

  • Gründung der österreichischen Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Wien
  • 19. Januar: Uraufführung von Goethes Drama Faust I in Braunschweig
  • 3. August: Uraufführung der Oper Guillaume Tell (Wilhelm Tell) von Gioachino Rossini an der Grand Opéra Paris

 

Geboren:

 

  • Am 3. Januar: Konrad Duden, Philologe; Herausgeber des ersten deutschen Rechtschreibwörterbuchs († 1911)
  • Am 11. Februar: Camillo Walzel, Librettist († 1895)
  • Am 26. Februar: Levi Strauss, deutsch-amerikanischer Industrieller und Erfinder der Jeans († 1902)
  • Am 3. März: Carl von Siemens, deutscher Industrieller († 1906)
  • Am 28. November: Anton Rubinstein, russischer Komponist, Pianist, Dirigent († 1894)

 

Gestorben:

 

  • Am 10. Februar: Leo XII., Papst von 1823 bis 1829 (* 1760)

 

 

So viele Strauss-Freunde haben bisher meine Baustelle besucht

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© Claus Kegel, Bukarest 2016