1830

 

Anfang 1830 wohnte die Familie Strauss im Haus >zum weissen Wolfen< in der Donaustraße in der Leopoldstadt. „Adressen beliebe man in Herrn Haslinger’ s Verlag im Paternostergäßchen abzugeben“. Schon im Februar wurde die Wohnung durch das katastrophale Hochwasser der Donau überflutet und ein erneuter Wohnungswechsel wurde notwendig

Zunächst aber begann der Karneval. Ab dem 10. Januar begannen die öffentlichen Bälle und ab dem 14. Januar jeden Donnerstag die Fortuna- Bälle „im Sperl“. Am 11. Januar begann eine Serie von Gesellschafts- Bällen im neuerbauten Salon des >Dommayer’schen Kaffey- und Traiteurhauses< in Hitzing. Bei allen Bällen leitete Johann Strauss die Musik. Ferdinand Dommayer organisierte zur größeren Bequemlichkeit Gesellschaftswagen die zu jeder Stunde von der Stadt ins abgelegene Hitzing und zurück fuhren.

Ab dem 13. Januar leitete Johann Strauss auch die Musik bei einigen Gesellschafts-Bällen in dem ganz neu erbauten und geschmackvoll decorierten Winter-Salon zum goldenen Strauss im Josephstädter Theatergebäude.

 

Am 16. Februar fand im Saale >zum Sperl< der Große Gesellschafts-Ball zum Vorteil von Johann Strauss statt zu dem er sein Opus 33, „Strauss’ Benefice-Walzer“ komponierte und erstmals aufführte und als Attraktion erneut 100 gedruckte Exemplare der Klavierausgabe an Damen verschenkte.

 

Für den jeweiligen Gesellschafts-Ball am 17. Februar kündigten sowohl Johann Georg Scherzer „Inhaber des Gasthauses zum Sperl“ als auch, unter dem Kürzel F.E., der Unternehmer für den Winter-Salon >zum goldenen Strauss<, im Josephstädter-Theater-Gebäude die Musik „unter der Direction des Herrn Johann Strauss bzw. unter persönlicher Leitung des Musik-Directors Herrn Johann Strauss“ an.

Auch wenn Johann Strauss selbst an diesem Abend zwischen den beiden Veranstaltungsorten gependelt sein sollte, so mußte er doch über eine ausreichende Anzahl guter Musiker verfügt haben um das Orchester zu teilen und mußte einen Orchesterleiter oder Stellvertreter gehabt haben.  

 

Am 27. Februar brach dann die Katastrophe über die am Donaukanal gelegenen Vorstädte herein. Am Abend türmten sich die von der Flut getriebenen Eisschollen zu einem riesigen Eisstoß der eine Brücke zermalmte so daß der Donauarm über die Ufer trat. 50000 Menschen waren eingeschlossen, 1300 Häuser standen unter Wasser, 173 waren völlig zerstört, 5000 Familien mußten evakuiert werden und 73 Menschen hatten den Tod gefunden. Besonders schlimm traf es die Leopoldstadt. Auch die Familie Strauss mußte vermutlich durch die vom Hochwasser verursachten verheerenden Zerstörungen erneut umziehen.

 

Im April zeigte Andreas Nemetz, der Capellmeister beym löbl. 19ten Linien-Infanterie-Regiment Prinz Hessen-Homburg die Ausgabe von monatlichen Lieferungen von türkischer und Harmoniemusik und von beliebten, von ihm arrangierten Märschen nach Motiven des Herrn Johann Strauss, in rein geschriebener Partitur an. Weder ein „Frühlings-Marsch“ noch ein „Charmant-Marsch“ von Strauss sind bekannt.

 

Vom Ostersonntag angefangen eröffnete der bürgerl. Gastgeber Michael Deiß den Gasthausgarten nebst den anstoßenden Extrazimmern >Bey den zwey Tauben< am Heumarkt wieder und es wird „daselbst über den ganzen Sommer hindurch alle Mittwoch und Samstag die bisher so beyläufig aufgenommene Production der neuesten beliebtesten Musikstücke mit einem vollständigen Orchester unter der Leitung des Musikdirectors Herrn Johann Strauss ..... statt haben werden“.

Ab dem 4. Mai fand jeden Dienstag, auch bei ungünstiger Witterung, eine musikalische Abendunterhaltung im Salon und Garten „beim Dommayer“ oder in „Dommayer´s Casino“, wie das >Dommayer’sche Kaffey- und Traiteurhaus< in Hitzing später einfacher und zeitgemäßer genannt wurde, statt.

 

Über die Veranstaltungen im Sommer 1830 im Saale >zum Sperl< wurden keine Anzeigen in der Wiener Zeitung aufgegeben. Es ist nicht bekannt ob die Gebäude und Räumlichkeiten >zum Sperl< auch hochwasserbeschädigt waren.

 

Im Juni fand ein Blumenfest zu einem wohltätigen Zweck und ab dem 7. Juli fanden jeden Mittwoch wieder Reunionen (Privat-Tanzunterhaltungen) im >Finger’schen Garten-Salon< in Ober-Döbling statt. Es ist nicht beweisbar wer die Musik geleitet hat. Ebenso sind keine Details über das Volksfest am 1. August am Kobenzlberge nächst Grinzing überliefert.

 

Anfang August wurde das k.k. privil. Theater an der Wien als Hauptpreis einer Ausspielung verlost.

Dieses Mal wurde es aber nicht verkauft. Zuletzt wechselte das Theater 1826, das nächste Mal erst wieder 1845 den Besitzer.

 

Dieses Theater sollte in der späteren Schaffensperiode von Johann Strauss Sohn eine große Rolle spielen.

 

Ein besonderes Ereignis für das Haus Habsburg und die österreichische k.k. Monarchie ereignete sich am 18. August und wurde mit einer nüchternen Nachricht am 19. August in der Wiener Zeitung mitgeteilt. Erzherzogin Sophie wurde im Schloß Schönbrunn von einem Erzherzog entbunden. Es war der spätere Kaiser Franz Joseph, der am 19. mittags um 12 Uhr getauft wurde und später über 68 Jahre Kaiser von Österreich und des Habsburger Reiches war

Am 25. August fand „zum Vortheile Johann Strauss“ im Saal >zum Sperl< ein großes Ballfest in Verbindung mit einer Abend-Unterhaltung im Speise- und Lustgarten, unter dem Titel „musikalische Garten- und Zimmerreise“ statt bei dem das Opus 38, „Souvenir de Baden“, Helenen-Walzer erstmals erklang.

 

Am 5. September wurde der „reizende Unterhaltungsort“, das Tivoli, ein berühmt gewordenes Vergnügungsetablissement im ehemaligen Wiener Vorort Obermeidling, in der Nähe des Schloßparkes Schönbrunn eröffnet. Über die Eröffnungsveranstaltungen sind keine Details bekannt, aber bereits am 18. September zeigt Tobias Haslinger die Wiener-Tivoli-Musik, zusammengesetzt aus Kompositionen von Johann Strauss und Kapellmeister Resnitschek an. Die beiden leisteten ab dem 18. September gemeinsam jeden Sonntag und Donnerstag ihren musikalischen Beitrag zu den Vergnügungen.

 

Das Tivoli, von den Berliner Unternehmern Gerike und Wagner erbaut, bestand aus einem luxuriösen Vergnügungsetablissement für die oberen Schichten, in dem gespeist und getanzt werden konnte. Es bestand aus mehreren Gebäuden mit einer davor liegenden Plattform, von der man die schöne Aussicht auf Wien genoß. Im darunter liegenden Garten lag eine Rutschbahn mit vier nebeneinander liegenden Gleisen und ungefähr 15 zweisitzigen Wagen, mit denen man die wellenförmige Strecke befuhr.

Am 28. September wurde der Erzherzog Ferdinand, der spätere Kaiser Ferdinand (der Gütige) in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt. Der Volksmund verballhornte diesen Titel auch in „Gütinand der Fertige“

Irgendwann im Laufe des Jahres produzierte Johann Strauss auch seine beliebten Compositionen bei einem, zum Besten des Armeninstituts der Gemeinde Hitzing gegebenen Theaterstückes. Dafür dankte ihm der Vorsteher des Institutes öffentlich.

Vom 3. Oktober bis zum Advent fanden „im Sperl“ sonntags wieder öffentliche Bälle statt.

 

Inzwischen war Josef Lanner im Hotel zum Römischen Kaiser auf der Freyung als Orchester-Director engagiert worden.

 

Am 24. November lud Johann Strauss wieder zum Katharinen-Ballfest zu seinem Vorteil im Saale >zum  Sperl< ein, führte dabei sein Opus 40, die „Wiener Damen-Toilette-Walzer“ erstmals auf und verteilte 200 Exemplare der Klavierausgabe mit einer von Haslinger eigens entworfenen verzierenden Ausstattung an die Damen. Im Dezember fanden noch Reunionen „im Sperl“ statt, dann war das Jahr zu Ende.

 

Haslinger hat zwar im Jahr 1830 nur 9 Werke von Johann Strauss neu ausgegeben, trotzdem beschwerte sich Frédéric Chopin, der auf Besuch in Wien war in einem Brief, daß die Verleger in Wien nur Strauss und Lanner drucken würden.

 

Haslinger sparte jedenfalls nicht mit Werbung. Hier einige Beispiele mit welchen ausschweifenden Lobworten er die Kompositionen seines Vertragspartners anpris:

Für mögliche Engagements im kommenden Karneval veröffentlichte Johann Strauss zum Jahresende seine aktuelle Adresse die nach dem Hochwasser im Februar nicht mehr Donaustraße lautete, sondern:

Die Wohnung lag gegenüber des  Hirschenhauses, welches wenig später bezogen wurde und über Jahrzehnte Strauss-Wohnung blieb.

Was sonst noch geschah:

 

  • 22. Januar/3. Februar: Griechischer Unabhängigkeitskrieg (1821 bis 1829):Frankreich und Russland erklären im Londoner Protokoll die Gründung Griechenlands.
  • 26. Juni: Nach dem Tod seines Bruders Georg IV. wird Wilhelm IV. britischer König und zugleich König von Hannover.
  • 27. Juli: In Paris beginnt die Julirevolution des Bürgertums gegen die reaktionäre Politik Karl X. Ihr folgen Aufstände und Flüchtlingsströme in ganz Europa.
  • 2. August: Sturz von König Karl X. von Frankreich
  • 9. August: Der Herzog von Orléans nimmt als Louis-Philippe I. die ihm angetragene Königskrone von Frankreich an und nennt sich König der Franzosen.

Louis-Philippe I. König der Franzosen       William IV. britischer König und König

                                                                 von Hannover

 

Aufstände in Europa: 30. August Aachen: sozialer Protest. Die Bürgerwehr stellt Ruhe und Ordnung wieder her. September: Die Schneiderrevolution in Berlin. 7. September: Aufstand in Braunschweig, Herzog Karl II.wird vertrieben und das erste Braunschweiger Schloss niedergebrannt. 24. bis 28. Dezember: Münchner Weihnachtstumulte, ab September Schweizer Volksaufstände, welche die aristokratischen Regimes stürzen und in rund der Hälfte der Kantone bis 1831 zu liberalen Verfassungen führen. 4. Oktober: Nach einem von Brüssel ausgehenden Aufstand erklärt sich Belgien für unabhängig von den Niederlanden.

 

  • 20. Dezember: Im Londoner Protokoll erkennen die europäischen Großmächte die Unabhängigkeit Belgiens an, verlangen aber strikte Neutralität des Landes.
  • Novemberaufstand in Polen gegen die russische Herrschaft. Die russischen Truppen und Großfürst Konstantin Pawlowitsch Romanow ziehen sich überrascht aus Polen zurück.
  • 12. Dezember: Das Osmanische Reich erkennt die faktische Selbstständigkeit Serbiens an, die Miloš Obrenović erkämpft hat. Völkerrechtlich wird das Land jedoch erst 1878 unabhängig.
  •  
  • 15. September: Die 64 km lange Liverpool and Manchester Railway wird als zweite Bahnverbindung überhaupt eröffnet. Acht Züge mit Lokomotiven verkehren auf der Strecke George Stephensons. In Newton-le-Willows, wird dabei der Politiker William Huskisson am Eröffnungstag von der Lokomotive The Rocket überfahren. Er war das erste prominente Todesopfer eines Eisenbahnunfalls.
  •  
  • 18. Oktober: Der Grundstein für den Bau der Walhalla bei Regensburg wird gelegt.
  • 28. Januar: Uraufführung der Oper Fra Diavolo oder Das Gasthaus von Terracina von Daniel-François-Esprit Auber am Théâtre Feydeau in Paris
  • 11. März: Uraufführung der Oper I Capuleti e i Montecchi (Romeo und Julia) von Vincenzo Bellini am Teatro la Fenice in Venedig
  • 17. März: Frédéric Chopin gibt sein erstes eigenes Konzert im Nationaltheater von Warschau, bei dem das von ihm komponierte Konzert für Klavier und Orchester F-Moll op. 21 uraufgeführt wird.
  • 5. Dezember: Die Symphonie Fantastique von Hector Berlioz wird unter der Leitung von François-Antoine Habeneck im Conservatoire de Paris uraufgeführt.
  • 26. Dezember: Uraufführung der Oper Anna Bolena von Gaetano Donizetti am Teatro Carcano in Mailand
  • Sonstiges
  • 3. August: Das Königliche Museum auf der Berliner Museumsinsel, ein Bau von Karl Friedrich Schinkel, wird seiner Bestimmung übergeben.

 

Geboren:

 

  • 8. Januar: Hans von Bülow, deutscher Komponist, Pianist, Dirigent und Kapellmeister († 1894)
  • 18. Mai: Karl Goldmark, Komponist, Musiklehrer und Violinist († 1915)
  • 2. Juni: Olivier Métra, französischer Komponist und Dirigent († 1889)
  • 18. August: Franz Joseph I., Kaiser von Österreich-Ungarn († 1916)

 

Gestorben:

 

  • 26. Juni: Georg IV., König von Großbritannien, Irland und Hannover (* 1762)
  • 28. Oktober: August von Goethe, Sohn von Johann Wolfgang von Goethe (* 1789)
  • 8. November: Franz I., König von Sizilien und Neapel (* 1777)
  • 1. Dezember: Pius VIII., Papst von 1829 bis 1830 (* 1761)

 

 

1831

 

Im Karneval 1831, der am 9. Januar begann, stand das Engagement im Saale >zum Sperl< für Johann Strauss im Mittelpunkt. Öffentliche Bälle, Gesellschaftsbälle und Fortunabälle belegten 4 Tage in der Woche.

In den nachweisbar prall gefüllten Kalendern der Strauss-Kapelle unter Johann Strauss Vater wie auch später unter der Leitung der drei Söhne, speziell im Karneval, aber auch in der Sommersaison, fehlen Angaben über zahlreiche Auftritte in privaten „Circles“. Diese Bälle und Feste, meist in der aristokratischen Gesellschaft, später auch in den Palais des Geldadels, waren Einladungsfeste und wurden nicht öffentlich angezeigt. Nur vereinzelt berichtete die Presse, meist im Nachhinein, von solchen.

 

Es gibt auch wenige Anhaltspunkte wie die Sträusse es schafften die riesige Anzahl von Musikern für die vielfach zu teilende Kapelle für jeweils eine kurze Saison zu verpflichten. Erst Eduard Strauss stellte das Strauss-Orchester von Teil- auf Vollzeitmusiker um. Dies geschah nach 1870.

 

Am 26. Januar veranstaltete der k.k. Hofschauspieler, Herr Nicolaus Heurteur einen Gesellschaftsball im k.k. kleinen Redouten-Saal zu einem wohltätigen Zweck, „um Unglückliche aus der drückendsten Lage schnell zu befreien“. Es dürfte Johann Strauss’ erstes Auftreten in den zu der Hofburg gehörenden Räumen gewesen sein. Josef Lanner war ab 1829 k.k. Musikdirektor in den k.k. Redoutensälen der Hofburg. Dieser Titel wurde, vor dem später für Johann Strauss Vater erst eigens geschaffenen Titel „k.k. Hofballmusik-Director“, für den Leiter der Musik bei den allerhöchsten Bällen und Festen verwendet. Den Titel k.k. Hofballmusik-Direktor trugen nach Johann Strauss Vater noch seine Söhne Johann und Eduard.

 

In dieser Zeit war es überhaupt angesagt, die Gemeinnützigkeit, speziell während des Karnevals, durch die Abhaltung von Ballveranstaltungen zu wohltätigen Zwecken zu demonstrieren.

 

So auch am 24. Januar, an welchem Tag „der Vorsteher der auf dem Schaumburgergrunde im Pfarrbezirk Wieden zu errichtenden Kleinkinderbewahrt-Anstalt“ zu einem Gesellschafts-Balle „in den Sperl“ einlud und Johann Strauss die Musik leitete. Am 8. Februar veranstaltete Johann Strauss dann „im Sperl“ ein großes Ballfest zu seinem Vorteil und präsentierte dabei um 12 Uhr Mitternacht sein Opus 43, den Walzer „Der Raub der Sabinerinnen“ zum ersten Male. Diesen soll er nach Aussage von Philipp Fahrbach, der in der Kapelle von Johann Strauss als Flötist engagiert war und mitunter an der Ausarbeitung der Orchesterstimmen und der Kopiatur der Noten beteiligt war, am gleichen Abend bis halb 12 Uhr erst komponiert haben und sofern dies stimmt, hätte das Strauss Orchester den Walzer ohne vorherige Probe am gleichen Abend uraufgeführt. Da das Werk über 10 Minuten lang ist darf dies durchaus bezweifelt werden. In Eile hätte Strauss wahrscheinlich ein kürzeres Werk kreiert. Tobias Haslinger hat am 11. Februar angezeigt, daß in wenigen Tagen dieses “mit Beyfall aufgenommene Tongemählde, bestehend aus Einzugs-Marsch, Entführungs-Galopp und 6 Versöhnungs-Walzern” in seinem Verlage erscheinen wird. Erschienen ist es dann am 15. Februar.

Die „Bearbeitung“ von Kompositionen anderer Zeitgenossen, weniger freundlich manchmal auch als „Abschreiben“  bezeichnet, was meistens in Form von Quadrillen geschah, war zu jener Zeit üblich und wurde von allen Kapellmeistern, so auch von allen 4 Sträussen praktiziert. Für die Oper, das Theater oder andere Verwendung komponierte Stücke von namhaften Komponisten wurden für die Eignung als Tanzmusik umgearbeitet. Eine der bekanntesten Quadrillen dürfte das Opus 134 von Eduard Strauss, die „Carmen-Quadrille“  nach Themen aus Bizet’s gleichnamiger Oper sein. 1830 bearbeitete Carl Czerny das Opus 31 von Johann Strauss, den „Charmant-Walzer“, und Tobias Haslinger veröffentlichte das Werk unter dem Titel „Charmant-Variationen“, natürlich mit dem Zusatz „Eigentum des Verlegers“.

 

Indessen verkündete Joseph Drechsler, der angebliche Komponist von „Brüderlein fein“, welches Volksliedcharakter erwarb, seinen Rückzug vom Theater und empfahl sich als Lehrer für Gesang, Pianoforte und Compositionslehre. Joseph Drechsler wird später Johann Strauss Sohn unterrichten. Mehr über ihn im Debütjahr von Johann Strauss Sohn, dem Jahr 1844.

 

Am 27. Februar wurde Kronprinz Ferdinand durch Prokuration mit   Maria Anna, Tochter der Erzherzogin Maria Theresia von Österreich-Este und des Königs Viktor Emanuel I. von Sardinien-Piemont, seiner Cousine 3. Grades verheiratet. Ferdinand war der Onkel von Kaiser Franz Joseph, der älteste Bruder seines Vaters. Ferdinand litt an Epilepsie, Rachitis und Hydrocephalus.

Die spätere “jüngere“ Kaiserin Maria Anna von Österreich          

 

Nach Ende des Karnevals begannen, jeweils sonntags ab 7 Uhr abends , regelmäßige Reunionen in den Sälen >zum Sperl<.

 

Am 14. April wurde “dem verehrungswürdigen Publikum” die Wiedereröffnung des Tivoli gemeldet und mitgeteilt, daß „zur Erhöhung des Vergnügens Herr Musik-Director Johann Strauss und Capellmeister Resnitschek mit ihren Musik-Chören beitragen werden“. Herr Stuwer wird ab 8 Uhr abends ein Feuerwerk abbrennen.

 

Das Opus 44, die  „Contre-Tänze“, wurden von Tobias Haslinger am 23. April, modern französisch als „Contredanses, par Jean Strauss“ angekündigt.

 

Dann begann die geschäftige Sommersaison mit Festen im Tivoli, ab 3. Mai dienstags Reunionen „beim Dommayer“ in Hitzing und jeden Mittwoch und Samstag Reunionen im Speise- und Lustgarten >zum Sperl<

Am 18. Mai erfolgte dann bestimmt und unabänderlich die Ziehung der Lotterie in der das k.k. private  Theater an der Wien als Hauptpreis verlost wurde.  Ein Eigentümerwechsel 1831 ist aber nicht bekannt.

 

Am 16. Mai war ein Blumenfest zum besten des Armenhauses in der Leopoldstadt und der Jägerzeile „im Sperl“, unter Beteiligung der Infanterie Regiments-Kapelle unter Leitung von Herrn Resnitschek und  einem Vocal Chor und in der zweiten Abteilung ein glänzendes Ballfest unter der Direction Johann Strauss geplant. Das Fest sollte von 7 Uhr bis 4 Uhr morgens dauern, wurde aber verschoben. In dieser Periode lag der Beginn einer langen Zeit und Reihe von großen bis hin zu monströsen Festen die Johann Strauss in Wien veranstaltete. Dieses Fest fiel wie zahlreiche künftige Fest die im Freien veranstaltet werden sollten, wohl dem Wetter zum Opfer und wurde zunächst am 30. Mai neu angesetzt und fand schliesslich am 20. Juni statt.

 

Am 9. Juli veröffentlichte Tobias Haslinger das Opus 45, die „Tivoli-Freudenfest-Tänze“, das erste “Widmungswerk” von Johann Strauss, Ihrer kaiserl. königl. Hoheit, der durchlauchtigsten Frau Sophie Friederike (der Mutter des späteren Kaisers Franz Joseph), Erzherzogin von Oesterreich, geborenen Prinzessin von Bayern in tiefster Ehrfurcht gewidmet von Johann Strauss

Möglich, daß Frederic Chopin bei der Uraufführung des Walzers im Tivoli anwesend war. Er war jedenfalls zu dieser Zeit in Wien und hat das Tivoli besucht, sich aber sehr abfallend über die „Rutsch“ als ungeheuren Blödsinn geäußert. Frédéric François Chopin oder Fryderyk Franciszek Chopin (Szopen), geboren am 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, Herzogtum Warschau; gestorben am 17. Oktober 1849 in Paris war einer der einflußreichsten und populärsten Pianisten und Komponisten von Klavierkompositionen des 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines Franzosen und einer Polin wuchs in Warschau auf, verbrachte sein Berufsleben größtenteils in Paris und gilt als bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte Polens.

 

Bereits am 19. Juli stand das nächste Fest, eine „musikalische Abendunterhaltung und ein glänzendes Ballfest zum Vortheile Johann Strauss“ „beim Dommayer“ in Hitzing , selbst bei ungünstiger Witterung, an.

 

Im Zuge der immer größeren und aufwendigeren Ausstattung der Feste zog auch Herr Stuwer nach und bot aufwendigere Feuerwerke an, so am 21. Juli zum ersten Mal ein Wasser-Feuerwerk im Tivoli.

 

Am 25. Juli kam der Salon und Garten >zum goldenen Strauss< in der Josephstadt zusätzlich in den Strauss-Kalender. An diesem Tag fand eine Reunion und Tanzunterhaltung statt. Auch dort war für den Fall schlechten Wetters vorgesorgt.

Unterdessen rückte eine verheerende Seuche an. Ende Juli wurden die ersten Cholera-Fälle in den Schwesterstädten Pest und Ofen registriert, Mitte August erreichte die Seuche die Steiermark und im September schließlich Wien wo sie bis Mitte November bereits 1784 Todesopfer forderte.

 

Im Sperl übernahm eine Regiments-Kapelle die musikalische Ausstattung der Reunionen, in Hitzing war die Strauss-Kapelle noch bis zum September jeweils dienstags tätig.

 

Im August gab es wohl Gerüchte um die Bezahlung der im Tivoli tätigen Musik-Kapellen und die Eigentümer des Tivoli, die Herren Gerike und Wagner, sahen sich veranlaßt in einer Erklärung kund zu tun, daß es sich dabei um keine üble Auslegung gegen „Herrn Musik Director Strauss“ bezieht

Ab dieser Zeit lies Johann Strauss Vater, wie später auch seine drei Söhne, keine Gelegenheit aus auf aktuelle Ereignisse im k.k. Reich und auf der Welt musikalisch zu reagieren. Auf die nahende Katastrophe der Cholera reagierte Johann Strauss mit seinem Opus 48, „Heiter auch in ernster Zeit“, das er bei einem Fest zu seinem Vorteil am 24. August „im Sperl“ welches er „Wien, wie es ist, ein Zauberreich für Musik und Frohsinn“ nannte, erstmals aufführte. Aber auch wohltätige Veranstaltungen wurden von allen Sträussen veranstaltet. So am 7. September die „zur Unterstützung für die durch die gegenwärtigen Zeitumstände Bedrängten und Hilfsbedürftigen“, von dem Unternehmer Johann Strauss veranstaltete musikalische Abendunterhaltung „im Sperl“. Das Fest erzielte einen Ertrag von 94 Gulden.

Unterdessen nutzte auch Tobias Haslinger den Erfolg seines Vertragspartners und veröffentlichte reihenweise Werke und Variationen in Form von Potpourris beliebter Walzer und Ausgaben für alle möglichen Instrumente, am 30. August gleich 17 Strauss Walzer für Flöte, im September das Opus 47, die Walzer „Vive la Danse !“ und die Opera 36 a,b und c „Ungarische Galoppe oder Frischka“, die bei einem Garten- und Ballfest „im Sperl“ mit „außerordentlichem Beyfalle (auch von dem Militär-Musikchor) aufgeführt wurden“.

 

Inmitten der Cholera Panik kam am 29. September die zweite Tochter Therese Strauss im Haus 255 am Karmeliterplatz zur Welt.

 

Ab dem 9. Oktober fanden jeweils sonntags im Saale >zum Sperl< eine Reihe von öffentlichen Bällen unter der persönlichen Leitung des Herrn Johann Strauss statt.

Für das Katharinen-Ballfest des Jahres 1831 welches „zum Vortheile des Musik-Directors Johann Strauss“ im Saale >zum Sperl< am 23. November stattfand, wurden Walzer mit dem Titel „Das Leben ein Tanz oder der Tanz ein Leben !“, Opus 49, „extra komponiert und erstmals aufgeführt“, angekündigt und wie bereits in den Vorjahren wurden 100 Exemplare davon für das Pianoforte an Damen verteilt. Tobias Haslinger gab die Walzer wenige Tage später, zusammen mit den anderen, neueren Walzern angepriesen als neueste Tanzmusik für den Carneval 1832, heraus.

Mit einer Reihe von sonntäglichen Conversationen in den Sälen >zum Sperl< lief das Jahr musikalisch aus.

 

Am 7. Dezember stellte Johann Strauss bei Hof das Gesuch zum  Musikdirektor in den k.k. Redoutensälen der Hofburg ernannt zu werden. Das Ansuchen formulierte er so:

 

Euer Majestät !

Der allerunterthänigste Gefertigte wagt es, sich Euer Majestät mit einer

allerunterthänigsten Bitte zu nähern.

Nachdem nämlich der Musikdirektor Joseph Wilde, welcher das unschätzbare

Glück genossen, bey den allerhöchsten Hofbällen die Tanzmusik zu leiten,

jüngst mit Tode abgegangen, so unterfängt sich der allerunterthänigste

Gefertigte, der bereits zum wiederholten Mahlen das ausgezeichnete

Glück genossen, bey seiner kaiserlichen Hoheit, dem durchlauchtigsten

Erzherzog Franz seine geringen Fähigkeiten zu produzieren, allerunterthänigst

zu bitten, dass Euer Majestät ihm diesen beneidenswerthen Wirkungskreis

huldreichst gewähren möchten. Eine allergnädigste Gewährung würde einen

seiner heissesten Wünsche erfüllen und einen wesentlichen Theil seines Glückes

ausmachen, wobei er alle seine Kräfte aufbiethen würde, sich dieser allerhöchsten

Gunst nicht unwürdig zu machen.

Euer Majestät allerunterthänigster

Johann Strauss, Musik-Direktor

 

Den Titel k.k. Hofballmusikdirektor gab es damals ja noch nicht. Dieser wurde erst später geschaffen.

 

Mit Erzherzog Franz müßte Johann Strauss Franz IV. Joseph Karl Ambrosius Stanislaus (* 6. Oktober 1779 in Mailand; † 21. Januar 1846 in Modena), Erzherzog von Österreich aus der Linie Österreich-Este, gemeint haben. Er war von 1814 bis 1846 regierender Herzog des Herzogtum Modena und Reggio.

 

Er war ein Cousin von Kaiser Franz, Sohn von Erzherzog Ferdinand von Österreich, einem Bruder von Kaiser Leopold II, dem Vater von Kaiser Franz. Beide waren Enkel von Kaiserin Maria Theresia von Österreich. Ein anderer Erzherzog Franz kommt nicht in Frage.

 

Joseph Wilde lebte von 1778 bis 1831.  Viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Von seinen Werken ist nur ein Redoute-Walzer bekannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erherzog Franz, Herzog von Modena

Die Familie von Johann Strauss, die Hochschwangere Ehefrau Anna und die Kinder Johann, Josef und Anna haben  sich im Sommer 1831, zeitweise in  Salmannsdorf, einem typischen Weinhauergassendorf, ca. 9km vom Wohnort in der Leopoldstadt entfernt, aufgehalten. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dort, ähnlich wie im benachbarten Neustift am Walde durch den Drang der Wiener nach der ländlichen „Sommerfrische“ Wachstum ein. Salmannsdorf besuchten die weniger Wohlhabenden, darunter auch die Familie von Johann Strauss in den Jahren 1829 bis 1832. Eine Gedenktafel am Haus der Dreimarksteingasse 13 erinnert noch heute daran, daß Johann Strauss Sohn hier seinen ersten Walzer geschrieben hatte. 1881 lies Frau Angelika Strauss, die zweite Ehefrau von Johann Strauss Sohn, die erste Walzerkomposition im Druck erscheinen. Der Titel lautete „Erster Gedanke" - ein Klavierwalzer aus dem Jahre 1831. Das Eingangsthema dieses Walzers ist in veränderter Form in die"Hofball-Tänze", Opus 298, aufgenommen worden. Die Druckvorlage ist verschollen. 

 

Eine Gedenktafel am Strauss-Sommerhaus in Wien XIX. mit einem Vierzeiler erinnert daran

Der damals erst 21 jährige Franz Morelly,  geboren in Wien um das Jahr 1810, der 1859 in Bombay starb, leitete ab Spätjahr 1831 die Tanzmusik in den Sälen >zum König von Ungarn< auf der Wieden, dem früheren „schwarzen Bock“. Gemäß Zitat „beherrschte Morelly zu seiner Zeit mit Strauss und Lanner das tanzende Wiener Publicum. Unter diesen dreien hatte der „Wiener Walzer“, der seither die Runde durch die ganze Welt gemacht und noch immer der König der Tänze ist, die Blüthe erreicht“.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • Vom 25. Februar: Schlacht bei Grochów im polnischen Novemberaufstand, Russische Truppen schlagen im Mai die polnische Armee in der Schlacht von Ostroleka und schleppen die Cholera ein. Am 8. September Niederschlagung des Novemberaufstands in Polen, die Stadt Warschau kapituliert. Polen wird russische Provinz und verliert die Autonomie.
  •  
  • 10. März: Frankreichs König Louis-Philippe ruft die Fremdenlegion ins Leben.
  • 4. Juni: Der Nationalkongress von Belgien wählt den in England lebenden deutschen Prinzen Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha zum ersten König der Belgier.
  • 21. Juli: Leopold I. wird König der Belgier.
  • 8. September: Wilhelm IV. wird offiziell zum König von Großbritannien und Hannover gekrönt
  •  
  • 1. Juni: James Clark Ross entdeckt den magnetischen Nordpol
  • 29. August: Michael Faraday entdeckt die elektromagnetische Induktion.
  • William Henry erklärt die Desinfektion durch Hitze.
  • Justus von Liebig und Eugène Soubeiran entdecken gleichzeitig das Chloroform.
  • 20. September: Eröffnung der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn durch Prinz Wilhelm, Bruder des preußischen Königs, als Pferde-Eisenbahn
  • Mit einem von Goldsworthy Gurney entwickelten Dampfwagen wird zwischen Gloucester und Cheltenham der erste regelmäßige Automobildienst aufgenommen. Die Strecke beträgt etwa 60 Kilometer.
  • In New York baut John B. Jervis die erste Lokomotive mit vorlaufendem Drehgestell.
  • Das erste Profileisen (ein „L-Profil“) wird in einer britischen Eisenhütte gewalzt.
  • James Bowman Lindsay telegraphiert etwa 1.600 Meter weit über den Tay-Fluss. Dabei dient das Wasser als elektrischer Leiter.
  • In Nordamerika wird die Dreschmaschine erfunden.
  • Ein Uhrmacher namens Winerl konstruiert das erste Chronoskop.
  • 21. November: Uraufführung der Oper Robert le diable (Robert der Teufel) von Giacomo Meyerbeer an der Pariser Oper
  • 2. Februar: Kardinal Bartolomeo Alberto Cappellari wird nach einem Konklave von 54 Tagen Dauer zum Papst gewählt und nimmt den Namen Gregor XVI. an.

 

Geboren:

 

  • 21. Februar: Henri Meilhac, französischer Bühnenautor († 1897)
  • 18. Oktober: Friedrich III., preußischer König und Deutscher Kaiser († 1888)
  • 25. Dezember: Johann von Herbeck, österreichischer Dirigent und Komponist († 1877)
  • Amelia Patti, italienische Opernsängerin († 1915)

 

Gestorben:

 

  • 27. Juni: Konstantin Romanow, russischer Großfürst (* 1779)
  • 24. Juli: Rudolf von Österreich-Toskana, römisch-katholischer Bischof und Kardinal (* 1788)

 

 

1832

 

Für Johann Strauss begann das Jahr ähnlich wie das Vorhergegangene. Er leitete in dem am 8. Januar begonnenen Karneval die Ballmusik „im Sperl“. Dienstags und mittwochs fanden die geschlossenen Gesellschaftsbälle statt, donnerstags die Fortuna-Bälle. Herr Scherzer kündigte auch an, daß „zur Bequemlichkeit seiner entfernteren Herren Gäste für die Unterkunft ihrer Pferde und Wagen in seinem Haus bestens gesorgt seyn wird“.

 

Tobis Haslinger der inzwischen umgezogen war und seine k.k. Hof- und priv. Kunst- und Musikalienhandlung an den Graben Nr. 572, in das Haus der österreichischen Sparcasse verlegt hatte war nach wie vor sehr rührig. Er veröffentlichte am 14. Januar gleich 9 Walzer von Johann Strauss für das ganze Orchester, am 21. Januar gleich sämtliche bisher herausgegebenen 28 Walzer für das Pianoforte alleine. Am 23. Februar folgten 3 Potpourris aus allen Strauss-Walzern.

 

Auch die Werke von Pilipp Fahrbach wurden im Verlag Haslinger verlegt. Am 5. Januar erschienen die Werke Opus 1 bis 3 mit dem Zusatz „werden fortgesetzt“. Möglicherweise war bereits eine größere Anzahl von Werken fertiggestellt und wurden diese sukzessiv ab 1832 veröffentlicht. Der Name des Komponisten wurde mit dem Zusatz „Mitglied des Strauss’schen Orchesters“ genannt. Sicher hat Johann Strauss für seinem Freund und Wegbegleiter bei Haslinger nachgeholfen. Fahrbach bestätigt in einem Bericht in der Wiener allgemeinen Musikzeitung 1847, daß Strauss seine Kompostionen spielte und ihn bekannt machte und bei Haslinger wegen der Verlegung der Fahrbach Werke vermittelte. Manche Quellen schließen nicht aus, daß einige der Strauss-Werke möglichweise aus Federn anderer Komponisten stammen könnten. Fahrbach war 9 Jahre Flötist im Strauss´chen Orchester. In seinen Memoiren schildert Fahrbach auch, daß er dem Meister beim Ausschreiben der Stimmen und bei der Kopiatur der Noten behilflich war.

 

Philipp Fahrbach (später zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Sohn „der Ältere“ genannt) wurde am 25. Oktober 1815 in Wien geboren und starb am 31. März 1885 ebenda. Seine Brüder Anton Fahrbach, Friedrich Fahrbach und Joseph Fahrbach waren ebenso Musiker wie sein Sohn Philipp Fahrbach der Jüngere. Er schrieb 150 Kompositionen, darunter zwei Opern "Der Liebe Opfer" (1844) und "Das Schwert des Königs" (1845). Auch komponierte er Walzer, Potpourris, Märsche und Kirchenmusik und erwarb sich große Verdienste um die Militärmusik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Philipp Fahrbach (der ältere)

Er wird im Jahr 1870 noch eine wichtige Rolle für die Familie Strauss und die „Firma Strauss“ spielen.

 

Zurück ins Jahr 1832:

 

Bei den beiden Anfang Februar stattgefundenen Conversations-Bällen im k.k. Redoutensaal wurde der Saal nicht wie bisher mit Kerzen, sondern mittels Ölgas beleuchtet. Der Veranstalter Carl Hoer zeigte dies am 16. Januar bereits an. Da die Besucher offenbar neugierig und skeptisch waren, wies er am 30. Januar extra noch einmal darauf hin, daß die Beleuchtung hauptsächlich aus „zwey ganz neuen Vasen-Lüstern bestehe, deren Vasen-Lampen mit Ventilen versehen sind, so wie mehrere Neben-Cadelabres die von solcher Beschaffenheit sind, daß jede doppelt so viel Licht als eine gewöhnliche offene Lampe verbreitet. Vermög ihrer Construction entwickeln sie daher ungewöhnlich viel Gas und vereinen Effect an Form und Licht“.

Ob der Versuch gelang wird hier nicht weiter verfolgt. Jedenfalls wurde auch noch 13 Jahre später der dann größte Tanzsaal Wiens, das Odeon, bei großen Festen mit bis zu 10.000 Kerzen beleuchtet.

 

Johann Strauss leitete an den beiden Abenden Bälle „im  Sperl“, er erlebte also die neuartige Beleuchtung nicht persönlich.

 

Die Bälle müssen jedenfalls erfolgreich gewesen sein, denn am 21. Februar wurde ein 3. Ball abgehalten, mit 3 Orchestern, zum Teil unter Leitung von Joseph Lanner. Die beiden anderen Orchester wurden von Franz Morelly und Resnitschek geleitet.

Außer dem  Gesellschafts-Ball am 14. Februar sind keine weiteren Bälle „beim Dommayer“ in Hitzing im Fasching bekannt.

 

Neben Johann Strauss und Joseph Lanner waren unter anderen auch Franz Morelly im >König von Ungarn< und Johann Faistenberger in den Sälen >zum Schaf< am Schottenfelde im Carneval aktiv.

 

Nach einigen Berichten soll Johann Strauss 1832 die Musik bei Bällen bei Hof geleitet haben. Der „Allgemeine Musikalische Anzeiger“ vom 2. Februar besagte, daß Strauss die Leitung der Hofmusik übertragen worden sei. Außerdem vermerkte der Verleger Haslinger bei der Erstanzeige des Opus 54, den Contratänzen am 10. Juli „Aufgeführt bey den allerhöchsten Hof-Bällen in Wien“. Zwischenzeitlich veröffentlichte Haslinger auch, daß in seinem Verlag unentgeldlich ein geschmackvoll gedrucktes Verzichnis der sämtlichen Tänze von Johann Strauss ausgegeben wird.

Weitere Nachweise gibt es nicht. Johann Strauss hat aber jedenfalls am 15. Februar in den k.k. Redoutensälen einen Ball der Gesellschaft der Musikfreunde geleitet und irgendwann im Karneval auch einen oder mehrere Medizinerbälle, von denen wir weder Datum noch den Saal kennen. Ein Herr S. Reiß hat „Hygiea-Walzer“ komponiert in deren Erstanzeige dessen Verleger Trentsensky, Kunst- und Musikalienhändler am Graben vermerkte „Aufgeführt auf den Mediciner-Bällen unter der Leitung von Herrn Johann Strauss“. Am 29. Februar, bei dem großen Ballfest zu seinem Vorteil, kündigte Strauss den ersten Vortrag seines Opus 51, die Hof-Ball-Tänze an. Was ihn zu dieser Namenswahl inspirierte oder ob daraus auf Engagements bei Hof oder bei Hofbällen geschlossen werden kann, ist nicht bekannt. Das Werk wurde Ihrer Majestät Anna Maria Carolina, der jüngeren Königin von Ungarn, also der Frau des Königs von Ungarn, des Erzherzogs Ferdinand in tiefster Ehrfurcht gewidmet. Mit „ältere Königin“ wurde die 4. Ehefrau von Kaiser Franz, die Kaiserin Karolina Augusta bezeichnet.

 

Das Opus 54 war Maria Theresia, der Herzogin von Lucca gewidmet.

Karl II. von Parma (Karl Ludwig Ferdinand von Bourbon-Parma), Infant von Spanien, Herzog von Lucca   und  Maria Theresia von Savoyen Herzogin von Lucca

Die Cholera war inzwischen abgeklungen. Sie hatte in Wien knapp 2000 Tote gefordert.  

 

Am 3. März veröffentlichte Tobias Haslinger zusammen mit dem Opus 52 von Johann Strauss auch das Werk „Die fröhlichen Wiener und Wienerinnen“, das Opus 4 von Philipp Fahrbach, wieder mit dem Zusatz: Mitglied des Strauss’chen Orchesters. 

Der Karneval endete am 6. März.  In Wien gab es 1832 einer Statistik zufolge 772 Ballveranstaltungen an denen etwa 200.000 Personen teilnahmen und dies bei einer Einwohnerzahl von 300.000 in Wien.

 

Für die Sommersaison hatte Johann Strauss einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem er mit 21 Musikern im Tivoli aufzutreten hatte. Das Tivoli wurde am 10. April eröffnet und dort führte Johann Strauss bei einem Maifest erstmals sein Opus 55, ein Potpourri mit dem Titel „Ein Strauss von Strauss“ auf. Darin verarbeitete er auch einen Marsch von Philipp Fahrbach und einen Ländler von Joseph Lanner. Dies hätte er sicherlich nicht getan, wenn das Verhältnis mit Joseph Lanner, wie vielfach behauptet, feindlich gewesen wäre. Joseph Lanner trat montags und donnerstags in Corti’s Kaffeehaus im k.k. Volksgarten auf, später auch im >König von Ungarn> und im Gasthaus >zum weißen Engel< in Hitzing.

 

Ab dem 2. Mai begannen im >Speise- und Lustgarten zum Sperl< eine Serie von Sommer-Assemblees jeweils mittwochs und samstags abends die Johann Strauss mit seinem abermals verstärkten Orchester musikalisch begleitete. Ab dem 8. Mai spielte Johann Strauss zusätzlich dienstags Reunionen in >Dommayer’s Kaffee- und Traiteurhaus< in Hitzing. An den gleichen Abenden führte Franz Morelly mit ebenfalls verstärktem Orchester Instrumental-Musik auf dem Wasserglacis außerhalb des Carolinen-Thores auf.

 

Das Wasserglacis vor dem Carolinentor der Wiener Stadtbefestigung war im 19. Jahrhundert ein beliebter Erholungs- und Unterhaltungsort. Heute befindet sich auf dem Areal der Wiener Stadtpark.

Das Wasserglacis Mitte des 19. Jahrhunderts, links im Bild das Carolinentor in der Stadtmauer

 

Das Glacis, ursprünglich als freies Schußfeld vor der Wiener Stadtmauer angelegt, war eine Art Staubwüste und wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts durch Rasen- und Baumpflanzungen zunehmend zu einem Naherholungsgebiet der Stadtbewohner. 1818 erhielt ein Wiener Bürger namens Pelikan die Genehmigung im Glacisbereich vor dem Carolinentor ein Kaffeehaus samt „Trinkkuranstalt“ zu errichten. Der Name Wasserglacis ist auf diesen Kurpavillon zurückzuführen, in dem Mineralwasser ausgeschenkt wurde. Nach dem Abriß der Basteien und der Schaffung der Wiener Ringstraße wurde 1862 an der Stelle des Wasserglacis der Wiener Stadtpark angelegt.

 

Wir werden noch über zahlreiche Feste auf dem Wassergalcis berichten.

 

Am 19. Mai erschien bei Tobias Haslinger das Opus 53, Bayaderen – Walzer, Carl Ludwig, Herzog von Lucca, Infant von Spanien gewidmet. Die Wahl der Widmungsträger der Werke der vier Sträusse, wie die anderer Komponisten ist nicht immer nachvollziehbar und hatte nur selten mit aktuellen Anlässen zu tun. Jedenfalls ist nicht bekannt warum Herzog Carl und seine Frau Maria Theresia (der das folgende Opus 54 gewidmet ist) Johann Strauss 1832 für Widmungen in den Sinn kamen.

 

Am 31. Mai wurde mit einem großen Freuden-Fest im Tivoli unter dem Titel „des Oesterreichers schöner Festtag“der Namenstag von Erzherzog Ferdinand, dem jüngeren König von Ungarn, der auf den 3. Juni fiel, gefeiert. Nach einer aerostatischen Luft-Jagd und einem Wasser-Feuerwerk begann zu den Klängen des Strauss’chen Orchesters der Tanz. Kaiser Franz befand sich zu dieser Zeit auf einer mehrwöchigen Reise in Triest.

 

1832 wurde Johann Strauss zum Kapellmeister des ersten Wiener Bürgerregiments ernannt. Mit ihm an der Spitze führte die Kapelle des Regiments zum Fronleichnam die von Johann Strauss komponierten Wiener-Bürger-Märsche, und zwar Nr. 1 den Original-Parade-Marsch und Nr. 2 den Marsch nach den Motiven aus der Oper Zampa auf, die Tobias Haslinger ebenfalls verlegte.

 

In der Saison 1831/1832 war die Oper Zampa oder La Fiancée de marbre (Die Marmorbraut) bestimmend. Die Oper ist von Louis Hérold aus 1831. Johann Strauss komponierte außer dem oben genannten Marsch noch einen Zampa-Walzer (ebenso wie Franz Morelly) und einen Zampa-Galopp. Auch andere Komponisten nutzten Motive aus der Oper, Tobias Haslinger veröffentlichte in seinem Verlag Noten der Gesangsstücke mit dem Text des k.k. Hofoperntheaters und der Ouverture. Diabelli veröffentlichte die ganze Oper als vollständiger Auszug für das Pianoforte.

Die Oper wurde in Wien am 3. Mai im Kärtnerthortheater erstmals aufgeführt.

       Kärntnertortheater 1830                            Kaiserin Alexandra Feodorowna, um 1830

 

Das Opus 57, der Zampa-Walzer von Johann Strauss wurde bei einem brillanten Ballfest am 2. August im Tivoli uraufgeführt.

Am 10. Juli verband Johann Strauss eine Reunion „beim Dommayer“ mit einem glänzenden Ballfest zu seinem Vorteil bei dem er seinen Opus 56, die „Alexandra-Walzer“,  Alexandra Feodorowna, Kaiserin aller Reussen gewidmet, uraufführte. Die Erstanzeige folgte am 29. August unter der Devise: „Es werden im Tanze die Menschen zum Kranze“.

 

Am 6. Juli kam der jüngere Bruder des späteren Kaisers Franz Joseph, Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere, tragische Kaiser von Mexiko, zur Welt.

 

Am 12. Juli fand dann „endlich“ das große chinesische Laternen-Fest im Tivoli statt. Der Ursprung dieser Feste in China wurde in den Anzeigen ausführlich erklärt und die Aufstellung einer bedeutenden Zahl von Figuren in Lebensgröße angekündigt. Das Fest wurde offenbar wegen widriger Witterungsverhältnisse mehrmals angesetzt und verschoben.

Die Figuren kamen auch bei dem Mega-Event zum Namenstag der jüngeren Königin von Ungarn, Maria Anna Caroline, das am Annentag, dem 26. Juli veranstaltet wurde, zum Einsatz. Weiterhin boten die Herren Gerike und Wagner unter dem Titel „Es leben die  Annen ! oder Das Fest der Grazien im Tivol am Tage Annens“ ein glänzendes Ballfest zu dem die grosse Säulenhalle zu einem Blumengarten verwandelt wurde, eine große Beleuchtung, eine malerische Reise im Zimmer nach Motiven des Harem Serail zu Konstantinopel und von Zürich und Schnellfahrten auf der Rutschbahn angeboten wurden. Um halb 9 Uhr begann der glänzende Ball mit Blumen-Polonaise. Teile der Ausstattung wurden bei mehreren weiteren Festen, auch am 2. und 5. August und nochmals, auf Begehren, am 9. Augsut verwendet. Johann Strauss spielte dabei das Potpourri aus seinen beliebten Walzern unter dem Titel „Ein Strauss von Strauss“ , welches Tobias Haslinger am 20. August erstmals ankündigte.

 

Am 9. August verübte der pensionierte Hauptmann Franz Reindl ein Pistolenattentat auf den Kronprinzen und König von Ungarn, Ferdinand. Er überstand die Attacke leicht verletzt. Angeblich soll er dem Attentäter eine verlangte Summe Geldes verweigert haben. 

 

Zur Feier der Rettung des Erzherzogs fand am 12. August ein Konzert in Baden statt. Johann Strauss spielte bei einem Jubelfest am Nachmittag, abends im Theater in den Zwischenakten und anschließend im Park von Baden, abwechselnd mit einer Militärkapelle. Zum Abschluß fand noch ein Feuerwerk statt.

das Kaiserhaus, Sommerresidenz von Kaiser Franz, damals (linkes Bild, rechts) und heute (links im Bild)

 

Johann Strauss komponierte umgehend einen Walzer mit dem Titel „Mein schönster Tag in Baden“, Opus 58, den er bei einer großen Abend-Unterhaltung mit Ball, bezeichnet „Das Zauberreich der Musik“ zu seinem Vorteil „im Sperl“ am 22. August uraufführte und Maria Clementina, Prinzessin von Salerno, Erzherzogin von Österreich widmete.

Zum Besten des k.k. Blinden-Institutes und der Versorgungs-Anstalt für erwachsene Blinde veranstaltete Johann Strauss am 5. September eine große Abend-Unterhaltung in den Gärten, oder bei ungünstiger Witterung in den Winter-Sälen „im Sperl“. Bei einer musikalischen Abendunterhaltung zum Besten der Hitzinger Armen am 15. September „beim Dommayer“ leitete Johann Strauss ebenfalls die Musik.

 

An das Blinden-Institut konnte er die Hälfte des Ertrages von 161 fl. 18 kr., also 80 fl. 59 kr. übergeben was am 4. März 1833 in der Wiener Zeitung mitgeteilt wurde.

 

Im Tivoli fanden noch eine Reihe von Festen mit Beleuchtung und Wasser-Feuerwerk sowie aerostatische Luftfahrten statt, bevor am 3. Oktober mit einem „großen, in solchem Glanze noch nie geschehenen Festes“ im Tivoli „zur glorreichen Feyer des allerhöchsten Namensfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz I.“ als „Des Oesterreichers schönsten Festtag“ die Sommersaison zu Ende ging. Johann Strauss arrangierte dazu eigens eine große musikalische Akademie mit mehreren ausgezeichneten Künstlern und Dilettanten für Solopartien und er führte mit dem verstärkten Orchester auch die beliebte Hymne Gott erhalte Franz den Kaiser mit Begleitung des Trompeter-Corps auf. Der Namenstag Franz ist am 4. Oktober.

Zwischendurch spielte Johann Strauss im Schloßpark von Laxenburg zu Ehren der Naturforscher und Ärzte aus Deutschland die hier einen wissenschaftlichen Kongreß abhielten. Metternich bat in Vertretung des Kaisers die Gäste zu einer festlichen Tafel.

Ohne Pause begann bereits am 7. Oktober die Saalsaison mit dem ersten öffentlichen Ball „im Sperl“ und mit Reunionen und Festen im Tivoli, das jedoch schon Ende Oktober für 1832 schloß.

 

Wegen zu großer Entfernung zu ihrem Wohnort Berlin boten die Eigentümber Gerike und Wagner das Tivoli am 10. Oktober zum freihändigen Verkauf an .

 

Bereits am 15. Oktober veranstaltete Johann Strauss „im Sperl" wieder ein großes Theresien-Ballfest zum Besten der Armen-Bürger-Lade, dieses Mal aber in seiner Funktion als Capellmeister des löblichen ersten Bürger-Regiments. Den Ertrag aus der Verlegung der Märsche des Capellmeisters des ersten Bürger-Regiments wurde vom Autor und dem Verleger zum Besten des Bürgerspital-Fonds bestimmt.

Ab 15. November kam ein neuer Veranstaltungsort hinzu. An Sonn- und Feiertagen spielte die Strauss-Kapelle in Ignaz Wagner’s Kaffeehaus im Prater. Der Inhaber erhielt von hohen Orten die gnädige Erlaubnis sein Kaffeehaus auch während des ganzen Winters offen halten zu dürfen.

Am 28. November fand das schon traditionelle Katharinen-Ballfest zum Vorteil von Johann Strauss im Saale >zum Sperl< statt. Zu diesem Anlaß komponierte er die Walzer Die vier Temperamente, nämlich Der Singuiniker, Melancholiker, Choleriker und Phlegmatiker, Opus 59. Entsprechend dem Titel fiel auch die Erstanzeige Haslinger´s am 24. Dezember, „inklusive 4 Kupferstichen, begleitet von trefflichen Versen und sonstiger Decorierung von Titel und Umschlag“, als musikalisches Neujahrsgeschenk angepriesen, aus.

Kurz vor Jahresende am 18. Dezember reiste der Kaiser und König Franz mit der Kaiserin-Königin trotz der durch Tauwetter eingetretenen ungünstigen Witterung in das gerade einmal 65 km entfernte Preßburg, der heutigen slowakischen Hauptstadt Bratislava, der damaligen Hauptstadt des Königreiches Ungarn, wo er am 20. Dezember den Reichstag eröffnete und am 22. Dezember nach Wien zurück kehrte. Bei der Ankunft fanden sie ihren ältesten Sohn, den jüngeren König von Ungarn und Kronprinzen ernsthaft erkrankt vor. Die Zeitungen erwähnten nur eine „in früheren Epochen schon öfters wiederholte Krankheit“ von welcher Ferdinand befallen wurde sodaß sich sein Zustand vom 19. Dezember so rasch verschlechterte, daß er am 24. Dezember morgens mit den heiligen Sterbesakramenten versehen wurde und in sämtlichen Kirchen der Stadt und der Vorstädte Betstunden angeordnet wurden und die Hoftheater am 26. und 27. geschlossen blieben. Die Krankheit nahm dann aber schnell einen positiven Verlauf und bereits am 29. Dezember wurde die Ausgabe von Berichten eingestellt.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 6. Februar: Otto von Wittelsbach soll als König Otto I. den griechischen Thron besteigen.
  • 7. Mai: Auf der Londoner Konferenz einigen sich Großbritannien, Frankreich und Russland Griechenland als unabhängiges Königreich zu gestalten und sind mit Otto von Wittelsbach als dessen künftigen Herrscher einverstanden. Für seinen Gebietsverlust wird das Osmanische Reich finanziell entschädigt.
  • 8. August: Die Nationalversammlung in Nafplio wählt den Wittelsbacher Otto I. zum König von Griechenland.
  • 30. August: Ein Londoner Protokoll der Schutzmächte grenzt das Staatsgebiet des Königreichs Griechenland vom Osmanischen Reich ab
  • 27. Mai: Dem Aufruf von Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth zum Marsch auf die Maxburg, das Hambacher Schloss, folgen circa 30.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und vielen Nationen. Bis zum 30. Mai feiern Demokraten und Nationale das Hambacher Fest für Einheit und Freiheit in Deutschland unter der schwarz-rot-goldenen Fahne.
  •  
  • 5. Juli: Im Deutschen Bund wird der Gebrauch politischer Abzeichen gesetzlich verboten. Das zielt besonders auf Schwarz-Rot-Gold als Zeichen nationaler Gesinnung. Als Reaktion auf das Hambacher Fest werden ferner Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt.
  • Einführung der neuen Amtsbezeichnung „Bürgermeister“ anstatt des bis dahin gebräuchlichen „Schultheiß“
  • 26. November: In New York geht die erste Straßenbahn der Welt, eine Pferdebahn, in Betrieb.
  • Johann Wolfgang von Goethe veröffentlicht Faust, der Tragödie zweiter Teil als Fortsetzung von Faust I

 

Geboren:

 

  • 15. April: Wilhelm Busch, deutscher Dichter und Zeichner († 1908)
  • 14. Juni: Nikolaus Otto, deutscher Maschinenbauer und Miterfinder des Viertaktprinzips, dem zu Ehren seit 1940 der Ottomotors seinen Namen trägt († 1891)
  • 6. Juli: Ferdinand Maximilian von Österreich, mexikanischer Kaiser († 1867)
  • 15. Dezember: Gustave Eiffel, französischer Ingenieur († 1923)

 

Gestorben:

 

  • 22. März: Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter (* 1749)

 

1833

 

Anfang des Jahres 1833 wohnte die Familie Strauss noch am Carmeliterplatz Nr. 255, was Johann Strauss wieder in der Wiener Zeitung anzeigte.

 

Johann Strauss war im Fasching der am 10. Januar mit einem Fortuna-Ball begann, wieder für die Tanzmusik in den „Sperl-Sälen“ zuständig. Joseph Lanner spielte im >König von Ungarn<, >zum römischen Kaiser< auf der Freyung und den k.k. Redoutensälen.

 

Am 13. Januar wurde in Pest der dortige neue große Redoutensaal im Theatergebäude unter dem Pächter Peter Fischer eröffnet.  Johann Strauss konzertierte dort aber erst am Jahresende.

Bereits am 22. Januar soll in den „Sperl-Sälen“ ein Ball zum Vorteil von Johann Strauss stattgefunden haben bei welchem er das Opus 60, den Walzer Carnevals-Spende uraufführte den Tobias Haslinger am 5. Februar erstmals anzeigte.

Auch den Ball der Gesellschaft der Musikfreunde, der in diesem Jahr am 23. Januar in den beiden k.k. Redoutensälen stattfand und für den wie immer nur Mitglieder der Gesellschaft oder von jenen Vorgeschlagene Zutritt hatten leitete das Gesellschaftsmitglied, der bekannte Musikdirector Johann Strauss die Musik.

 

Groß angekündigt wurde erst das große Ballfest „zum Vortheil des Music Directors“ unter der Bezeichnung „Die Titel-Union“ im Saale >zum Sperl< am 13. Februar. Für dieses Fest hatte Johann Strauss einen Walzer komponiert für den er, zumindest wird das in dem Film „Die Strauss-Dynastie“ so dargestellt, keinen Titel fand, oder es war eine weitere Marketing Idee des pfiffigen Kapellmeisters. Jedenfalls waren die Gäste aufgefordert gleich beim Entrée einen Zettel mit einem für Walzer passenden Titel (jedenfalls censurgemäß) auf ein Blatt geschrieben, abzugeben. Der Chef der Titel-Union welche unter den Vorschlägen den Namen entscheiden sollte, wurde durch das Loos bestimmt. Die Damen erhielten 200 Exemplare dieses noch titellosen Opus 61, welcher an dem Abend den Namen „Tausendsapperment – Walzer“ erhielt.

Joseph Lanner veranstaltete ebenfalls eine Titel-Union, aber erst am 18. Februar in den Sälen >zum römischen Kaiser< auf der Freyung.

Nach Ende des Karnevals am 19. Februar beeilte sich Tobis Haslinger die neuesten Werke zu veröffentlichen.  Am 22. Februar das Opus 61, den „Tausendsapperment–Walzer“ und am 23. Februar das Opus 62b den „Montecchi–Galopp“. Die bereits veröffentlichten Werke zeigte Haslinger immer und immer wieder an, mitunter wurden auf einer Seite des Anhangs der Wiener Zeitung drei Werke von Johann Strauss in drei getrennten Anzeigen angeboten.

 

Außer dem Chef waren auch die Orchestermitglieder als Komponisten gefordert. Für den Carneval hat der Stellvertreter Georg Jegg mehrere Galoppe komponiert welche ebenfalls bei Tobias Haslinger in Druck erschienen und am 20. Februar in der Wiener Zeitung angekündigt wurden.

 

Auch Philipp Fahrbach fand neben seiner Tätigkeit als Flötist und Helfer beim Schreiben der Stimmen und bei der Vervielfältigung von Notenmaterial in der Kapelle Strauss, noch Zeit zum komponieren. Am 6. März zeigte Tobias Haslinger in der Wiener Zeitung das Opus 5, den Walzer „Vergiss mein nicht !“ an.

Ab dem 28. Februar begannen, über die Fastenzeit hindurch, jeweils donnerstags die Nachmittags-Unterhaltungen in Wagner´s Kaffeehaus im Prater, diejenige am 7. März zum Besten der Armen der Vorstadt Leopoldstadt und Jägerzeile. Die Leopoldstadt ist seit 1850 der 2. Wiener Gemeindebezirk und bestand damals aus der Vorstadt Leopoldstadt, der Jägerzeile (der heutigen Praterstraße), dem Prater, der Brigittenau, Kaisermühlen und einigen anderen Ortschaften, somit aus dem gesamten Gebiet zwischen dem damaligen Hauptstrom der Donau und dem Donaukanal.

Ab dem 10. März begannen die Conversationen in den Sälen >zum Sperl<, während Franz Morelly die Nachmittags-Unterhaltungen in >Dommayer´s Kaffee- und Traiteurhause< in Hitzing spielte und Franz Schanner im k.k. Augarten, wo er „neben eigenen Werken auch die neuesten Compositionen von den Herren Strauss und Lanner mit einem wohlbesetzten Orchester executiert“.

 

Ab dem Schuljahr 1833 besuchten die Brüder Johann und Josef die Pfarrschule St. Johann in der Jägerzeile. Warum Johann erst mit knapp 8 Jahren und Josef schon mit knapp 6 Jahren eingeschult wurden, ist nicht bekannt.

 

Am  9. März eröffnete der Hofzuckerbäcker Josef Georg Daum das „alte“ Elysium, eine biedermeierliche Erlebniswelt in den Kellerräumen. Es bestand  bis 1838 im Seitzerhof, bot in 4 Sälen die unterschiedlich nach Kontinenten geschmückt waren für 2000 Gäste Platz und musste wegen des Abriss des Seitzerhofs geschlossen werden und wurde durch das spektakuläre neue Elysium ersetzt.  Keiner der Sträusse hat je in einem der Elysiums musiziert.

 

Die Eigentümer des Tivoli haben offensichtlich im Vorjahr keinen Käufer für ihr Etablissement finden können und kündigten die Wiedereröffnung für den 7. April an. Ob das Wetter die Einhaltung des Datums zuließ ist nicht bekannt.

Um den 1. Mai eröffneten unter anderem auch der Speise- und Lustgarten >zum Sperl<, der k.k. Volksgarten und  der Garten >zu den zwey Tauben<. In den beiden letzteren führte Joseph Lanner die Musik auf. Dieser war ebenso fleißig als Komponist wie sein ehemaliger Partner. Bei Pietro Mecheti qm. Carlo erschienen um diese Zeit seine Werke 71 bis 73 im Druck.

 

Am 1. Mai spielte Johann Strauss eine Morgen-Unterhaltung in den k.k. Augarten-Sälen welche der k.k. Hof-Traiteur Anton Hess, von 10 Uhr bis 1 Uhr veranstaltete. Ob sich im Terminkalender von Johann Strauss keine andere Gelegenheit bot oder ob dies ein Versuch war auch schon am Vormittag mit Musikunterhaltungen das Geschäft zu beleben ist unbekannt. Es wurde jedenfalls keine dauerhafte Einrichtung.  Ab dem 7. Mai spielte Johann Strauss Nachmittags-Unterhaltungen im k.k. Augarten. Am 2. Mai spielte er im Tivoli wo am 5. Mai das erste grosse Fest der Saison stattfand.

Im den Gärten >zum Sperl< fanden im Sommer jeden Mittwoch und Samstag Sommer-Assemblees statt zu denen Johann Strauss die Musik dirigierte.

 

Am 16. Mai wurde der hohe Namenstag Ihrer kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Sophie mit einem großen Fest im Tivoli gefeiert. Johann Strauss führte dabei seinen Opus 63, „Der Frohsinn mein Ziel“ zum ersten Mal auf, der russische Feuerkönig Paul Schwarzenberg gab eine Vorstellung chemischer Experimente und seiner ungewöhnlichen Muskelstärke. Außerdem werden „bei eintretender Dunkelheit mehrere Luft-Ballons von ganz neuer Art als etwas nie Gesehenes steigen. Die große Beleuchtung wird sich durch Reichtum besonders auszeichnen“. Am 29. Mai wurde ebenfalls im Tivoli das Namensfest Ferdinands, des jüngeren Königs von Ungarn gefeiert.

 

Außer diesen Festen veranstalteten die Herren Gerike und Wagner im Tivoli auch jede Menge andere Unterhaltungsfeste wie dieses am 9. Juni unter dem Titel „Die Schlacht von Navarin“

Unterdessen versuchten die beiden Eigentümer aus Berlin erneut das Tivoli zu verkaufen. Anscheinend war das Wetter im Sommer 1833 für die Unterhaltungsunternehmer nicht vorteilhaft. Das erste Sommer-Ballfest im Tivoli wurde mehrmals angekündigt bis es endlich am 20. Juni stattfand.

 

Das gleiche Schicksal ereilte auch die geplante Eröffnung des neuen großen Saales „beim Dommayer“ in Hitzing zu welchem Johann Strauss bei einer Abend-Unterhaltung mit einem glänzenden Ballfeste am 24. Juni die Musik leiten sollte. Es fand stattdessen am 27. Juni statt.

 

Der Grund für die von den Eigentümern des Tivoli am 25. Juni bekannt gegebene Trennung von Johann Strauss, der mittwochs von Herrn Capellmeister Lanner und sonntags von Herrn Musik-Director Franz Morelly ersetzt wurde ist nicht bekannt. Johann Strauss trat erst 1835 wieder im Tivoli auf.

 

Am 22. Juli veranstalte Ferdinand Dommayer im neuen Saal ein Ballfest. Er nannte sein Etablissement in Hitzing nun auch neumodisch >Dommayer´s Casino< anstelle Kaffee- und Traiteurhaus. Die Schreibweise des Namens Dommayer war dabei nicht so wichtig. Der Name wurde ständig anders geschrieben, Domayer, Domeyer, Dommeyer, Dommeyr oder Dommayr.

 

Indes wurden die von Johann Strauss veranstalteten Feste immer größer und umfangreicher. Am 29. Juli veranstaltete er Im k.k. Augarten eine Sommer-Assemblee verbunden mit einem glänzenden Ballfest und wies in der Vorankündigung darauf hin, daß ein solches „gewiß nur selten in solcher Ausdehnung und auf so imposante Art, wie es diese k.k. Localitäten gestatten, irgendwo zur Ausführung kommen dürfte“. Außer den beiden Sälen wurde auch das große Rondeau und die große Hauptallee für dieses Fest benützt. Am 24. Juli hatte das Fest noch keinen Titel, am 27. wurde es als „Eine Nacht in Venedig“ angekündigt. Es wurde in den Folgejahren mehrfach wiederholt. Johann Strauss führte dabei seinen Opus 64, die „Robert Tänze“ (aus Robert le Diable) erstmals auf.

Die Zeitungen berichteten von der außergewöhnlichen Beleuchtung mit 22000 Lampen, die Anordnung und Verteilung" der zahllosen Lämpchen, „womit er ganz reizvolle Effecte zu erzielen verstand“, hatte hierbei sicher der k. k. Staatsbeamte der Cameral-Hofbuchhaltung Carl Friedrich Hirsch, vom Volksmund wegen dieser seiner Fähigkeit aber bald nur »der Lamperlhirsch« genannt, übernommen.
Carl Friedrich Hirsch komponierte auch und Johann Strauss führte dessen Werke in seinen Soiréen auf.

Ungefähr zur  gleichen Zeit produzierte Johann Strauss auch die Musik in den Zwischenakten im Sommertheater Hietzing wo zum Vorteil der dortigen Armen zwei kleinere Theaterstücke gegeben wurden.

 

Während Kaiser Franz mit der Kaiserin über Budweis, Pilsen und Theresienstadt wo ein Treffen mit dem preußischen König stattfand, nach Prag reiste, kam in Wien am 30. Juli Erzherzog Carl Ludwig, der zweite Bruder des späteren Kaisers Franz Joseph und der spätere Vater des letzten österreichischen Kaisers Karl zur Welt. In Prag traf Kaiser Franz mit den Königen von Sachsen und Württemberg zusammen und schließlich in Münchengrätz mit dem russischen Zar und dem preußischen Kronprinzen.

 

Auf der Konferenz von Münchengrätz im September 1833 vereinbarten Österreich,Rußland und Preußen eine gemeinsame Politik gegenüber dem Osmanischen Reich, Polen und gegen den Liberalismus.

Treffen von Franz I. und Nikolaus I. in Münchengrätz

 

Im September kamen Zar Nikolaus I. und Kaiser Franz I. im böhmischen Ort Mnichovo Hradiště (deutsch Münchengrätz) zusammen. Preußen war durch Prinz Wilhelm vertreten. In der Konvention von Münchengrätz wurden im Kern drei Punkte vereinbart.

Der erste Aspekt betraf die Zukunft des osmanischen Reiches. Rußland, daß immer wieder versucht hatte das osmanische Reich zu schwächen, bekannte sich nun zu dessen Erhalt, ohne dabei die Möglichkeit seinen Einfluß auf dem Balkan und im Schwarzen Meer ausdehnen zu können, aufgeben zu müssen. Bei einem Angriff Ägyptens auf den Sultan sollte Russland dagegen nur in Absprache mit Österreich vorgehen können.

Der zweite Punkt betraf die polnischen Teilungsgebiete. Die Mächte sicherten sich gegenseitig ihren Besitzstand zu und versprachen sich gegenseitig Unterstützung, sollten die Polen erneut versuchen einen unabhängigen Staat zu gründen.

Der letzte Punkt betraf den gemeinsamen Kampf gegen die liberale Bewegung. Die drei Mächte vereinbarten den gegenseitigen Austausch von Polizeiberichten und ähnliche Maßnahmen. Außerdem vereinbarten sie, daß bei revolutionären Unruhen im Deutschen Bund, in Preußen oder Österreich die Partner auf Aufforderung militärisch intervenieren sollten. Noch 1849 halfen russische Soldaten den Österreichern im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen in Ungarn.

Es handelte sich bei dem Treffen in Münchengrätz in gewisser Weise um die letzte Zusammenkunft der Heiligen Allianz auf der das Prinzip der Intervention noch einmal festgeschrieben wurde. Dort ging es auch um die Sicherung des monarchischen Systems insgesamt. Nikolaus I. sagte zu, bei einem Thronwechsel in Österreich für Ferdinand trotz dessen Geistesschwäche einzutreten. Insgesamt wurde in Münchengrätz die Zusammenarbeit der drei Mächte bis zum Beginn der 1840er Jahre vorbereitet und das politische System von 1815 noch einmal stabilisiert.

Die Verabredungen von Münchengrätz wurden in einem in Berlin am 16. Oktober 1833 geschlossenen Vertrag fixiert. Auf preußisches Bestreben hin blieben die Verträge geheim. Westeuropa ließ sich in die Allianz von Münchengrätz nicht einbinden. Vielmehr bildete sich als Gegenkraft 1834 ein Bündnis aus Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal, welches Interventionen zu Gunsten nationaler und konstitutioneller Bewegungen beschloß.“

„Der Prinz von Preußen“, Wilhelm I., der spätere deutsche Kaiser, Kaiser Nikolaus I und König Ludwig I. König von Bayern um 1830

 

Die Rückreise des Kaiserpaares ging über Königgrätz und Brünn, wo der Kaiser täglich einem Militärmanöver in Turas beiwohnte, St. Pölten und Linz, wo ein Treffen mit dem bayrischen Königspaar stattfand, zu welchem auch Fürst Metternich, sowie Erzherzog Franz Carl und Erzherzogin Sophie, die gerade Mutter geworden war, aus Wien anreisten.  Ende Oktober kehrte der Hof schließlich nach Wien zurück.

 

Während der Abwesenheit veranstaltete Johann Strauss am 12. August eine große Reunion in  den Gärten >zum Sperl< deren Ertrag zum Besten  des k.k. Blinden-Institutes und der Versorgungs-Anstalt für erwachsene Blinde bestimmt war. An das Blinden-Institut konnte er dieses Jahr nur die Hälfte des Ertrages von knapp 45 fl., 22 fl. 30 kr. übergeben was am 16. Januar 1834 in der Wiener Zeitung verkündet wurde.

 

Am 26. August war eine große Sommer-Assemblee mit Ball zu seinem Vortheil geplannt. Dafür waren sämtliche Sommer- und Winter-Localitäten „des Sperl“ vorgesehen und das Fest wurde „Sperl im Floibus“ genannt. Wegen eingetretener Hindernisse wurde das Fest schließlich um 2 Tage verschoben und Johann Strauss führte am 28. August seinen Opus 65, den Walzer „Mittel gegen den Schlaf“ erstmals auf.

Im September oder Oktober des Jahres 1833 ist dann wohl der Umzug in das Haus zum goldenen Hirschen, „Hirschenhaus“ genannt, erfolgt. Je nach Quelle variieren die Angaben über den Zeitraum des Umzuges zwischen Anfang 1833 und 1834. Im Hirschenhaus wohnten die Mitglieder der Familie Strauss, zuletzt Eduard, der dort bereits zur Welt kam, bis 1886

Die Reunionen, Nachmittags-Unterhaltungen und Conversationen in den 3 Lokalen, >zum Sperl<, „beim Dommayer“ und dem k.k. Augarten fanden auch im September und Oktober regelmäßig statt.

Zu den Lokalitäten in denen Joseph Lanner die Musik exekutierte gehörten >zum König von Ungarn< auf der Wieden, >zum Schaf< am Schottenfelde, das Tivoli, der Apollo-Sommer-Saal und das Hotel zum römischen Kaiser.

 

Am 6. Oktober veranstaltete der k.k. Hof-Traiteur Anton Hess im k.k. Augarten ein glänzendes Ballfest aus Anlaß des allerhöchsten Namensfestes des allergnädigsten Kaisers bei dem Johann Strauss im Tanzsaal abwechselnd mit der Capelle des löblichen k.k. Linien-Infanterie-Regimentes Prinz Hessen-Homburg unter der persönlichen Leitung von Herr Nemetz im Speisesaal, die Musik executierten.

 

Der Namenstag Franz wird jährlich am 4. Oktober gefeiert. Am Vorabend veranstaltete Ferdinand Dommayer aus diesem Anlaß eine glänzende Reunion in beiden Sälen und bei ganz besonderer Beleuchtung. Die Musik war unter der Leitung des Herrn Johann Strauss.

 

Am 15. Oktober veranstaltete Johann Strauss schließlich noch ein Theresien-Ballfest zum Besten der Armen-Bürgerlade im Saale zum Sperl, und zwar erneut in seiner Funktion als Capellmeister des löbl. Ersten Bürgerregimentes dann begann die Wintersaison mit dem ersten öffentlichen Ball am 20. Oktober in dem Saale >zum Sperl<. Die Nachmittags-Unterhaltungen im k.k. Augarten wurden in den beiden Sälen fortgesetzt.

 

Dann begab sich Johann Strauss erstmals auf Reisen. Um den 6. November fuhr er mit seinem Orchester auf eine 18 tägige Reise mit der Postkutsche in das rund 250 km entfernte Budapest. Die Einheitsgemeinde entstand erst 1873 durch die Zusammenlegung der zuvor selbständigen Städte Buda (deutsch Ofen), Óbuda (Alt-Ofen) und Pest. Der Name Budapest selbst tauchte zuvor nicht auf, üblich im Sprachgebrauch war Pest-Buda oder Ofen.

 

In den Pester Redoutensälen fand am 7. November ein Fest mit Ball statt bei dem Johann Strauss auch den Rákóczi-Marsch, ein ungarisches Nationallied und eine inoffizielle Hymne von Ungarn, aufführte. Dieser war in Österreich bis zum Ausgleich 1867 verboten, daher erwähnten die Wiener Zeitungen in ihren Berichten nur „einen Ungarischen“.  Zur besseren Vernehmung der Musik wurde eigens für diesen Ball „im großen Saal ein eigenes Orchesterlocale  drey Fuß vom Boden erhöht, errichtet“.

Am 10. November fand ein zweites Fest mit Ball statt bei dem 3000 Gäste anwesend waren. Über den weiteren Verlauf der Reise gibt es wenig Informationen. Je nach Bericht soll Johann Strauss Budapest entweder am 14. November wieder Richtung Österreich verlassen haben oder am 16. November noch in den Amazonensälen der Redoute ein Konzert gegeben haben. Sicher scheint, daß er auf dem Rückweg einen 50 km Umweg genommen, und am 19. November in Wiener Neustadt ein Konzert gespielt hat.

Dies könnten die Reiserouten damals gewesen sein. Auf dem Hinweg ueber Pressburg, auf dem Rückweg südlich des Neusiedler Sees über Sopron

 

IIn Wien soll das Orchester ungefähr am 24. November angekommen sein. Am 27. November veranstaltete Johann Strauss im Saale >zum Sperl< das alljährliche Katharinen-Ballfest zu seinem Vorteil, welches er groß ankündigte und bei dem er in Erinnerung an Pest seinen Opus 66, den Walzer „Emlek Pestre, Erinnerung an Pest - Der edlen ungarischen Nation geweiht von Johann Strauss“, zusammen mit einem Walzer „Erinnerung an Marienbad“, von Louis Spohr komponiert, uraufführte. Spohr war ein deutscher Komponist, Dirigent, Pädagoge, Organisator von Musikfesten und ein Geiger von internationalem Ruf. Neben dem Italiener Niccolò Paganini zählte er zu den größten Geigern seiner Zeit. Spohr war bereits zu Lebzeiten eine Berühmtheit und galt von dem Tod von Carl Maria von Weber (1826) und von Ludwig van Beethoven (1827) bis zum Durchbruch der Werke von Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann ab Mitte der 1840er Jahre als der bedeutendste lebende deutsche Komponist. 1833 fungierte er als Düsseldorfer Chefdirigent. Als Dirigent trug Spohr zur Entwicklung moderner Orchesterkultur bei. Er war einer der ersten Orchesterleiter, die den Taktstock benutzten.

 

Das Fest im Sperl wurde durch 3 Rätsel mit musikalischer Auflösung, zu welchem der Veranstalter Strauss klare Spielregeln festlegte und veröffentlichte, aufgelockert.

 

Als Preise gab es die Clavier-Auszüge der Opern Robert der Teufel und Norma ohne Text, eine vollständige Phisharmonika, welche sowohl selbst spielt als auch mittels angebrachter Claviatur gespielt werden kann und als 3. Preis sämtliche Werke von Johann Strauss im Clavier-Auszug und Pracht-Einbände zu gewinnen.

„Der Wanderer“ widmete der Besprechung des Festes eine ganze Seite und druckte darin die 3 Rätsel und die Auflösungen ab. Vormärzliche Abendunterhaltung !

Gegen Ende des Jahres brauchte Johann Strauss wohl eine Pause. Am 26. Dezember leitete Herr Georg Jegg die Musik des Orchester-Personals des Herrn Johann Strauss im k.k. Augarten. In einem Brief an einen Dr. Cargus schreibt er, daß sein linker Arm vom Geigen lahm sei. Zum Karten spielen taugte der Arm offenbar noch. Johann Strauss soll jeweils am Weihnachtsabend und an Silvester „im Sperl“ Macao gespielt haben was ein polizeiliches Nachspiel haben sollte. Macao ist ein Karten-Glücksspiel ähnlich dem Siebzehn und Vier.

 

Was sonst noch geschah:

 

  • 28. August: Das britische Empire schafft die Sklaverei ab.
  • 29. August: Der vom englischen Parlament erlassene Factory Act schränkt erstmals die Arbeitszeit von Kindern und Jugendlichen in der Textilindustrie ein. Kinderarbeit unter 9 Jahren wird verboten.
  • 3. April: 50 Aufständische versuchen in Frankfurt am Main die Hauptwache und die Konstablerwache zu erstürmen, um dort inhaftierte Journalisten zu befreien. Mit der Niederschlagung des Frankfurter Wachensturmes scheitert vorerst der Versuch einer gesamtdeutschen revolutionären Erhebung. Als Folge wird im Juni auf Betreiben des österreichischen Kanzlers Klemens Wenzel Lothar von Metternich im Deutschen Bund die Bundes-Central-Behörde eingerichtet.
  • 29. September: Thronwechsel in Spanien. Auf Ferdinand VII. folgt seine minderjährige Tochter Isabella II. unter Regentschaft seiner Witwe Maria Christina von Sizilien. Der Thronwechsel löst einen langen Konflikt mit dem Carlismus aus.
  • 12. August: Offizielle Gründung von Chicago
  • 4. Mai: In Leipzig erscheint die Erstausgabe des Pfennig-Magazins, der ersten deutschen Illustrierten
  • Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber erfinden den elektrischen Telegraphen in Göttingen.
  • Samuel Morse baut den ersten brauchbaren elektromagnetischen Schreibtelegrafen.
  • 10. Januar: Die weltliche Kantate Die erste Walpurgisnacht von Felix Mendelssohn Bartholdy hat ihre Uraufführung an der Sing-Akademie zu Berlin. Grundlage für das Werk ist eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe.
  • 22. Juli: Die Oper Ali Baba ou Les Quarante Voleurs (Ali Baba oder Die vierzig Räuber) von Luigi Cherubini wird an der Grand Opéra Paris uraufgeführt.

 

Geboren:

 

  • 7. Mai: Johannes Brahms, deutscher Pianist und Komponist der Romantik († 1897)
  • 26. Juli: Marie Geistinger, österreichische Schauspielerin und Sängerin († 1903)
  • 30. Juli: Karl Ludwig, österreichischer Adliger, Bruder des Kaisers Franz Joseph I. († 1896)
  • 21. Oktober: Alfred Nobel, schwedischer Chemiker und Erfinder († 1896)

 

Gestorben:

 

  • 29. September: Ferdinand VII., spanischer König (* 1784)
  • 25. November: Nikolaus II., Fürst aus der Familie Esterházy (* 1765)

 

So viele Strauss-Freunde haben bisher meine Baustelle besucht

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© Claus Kegel, Bukarest 2016