1843

 

Das Jahr begann für Johann Strauss wie das abgelaufene endete, nämlich mit einer Sonntag-Nachmittags-Conversation im k.k. Volksgarten am 1. Januar.

 

Der Karneval des Jahres 1843 dauerte lange, und zwar bis zum 28. Februar und er begann mit einem Ball des Tanzlehrers und Ballarrangeurs Rabel am Samstag dem 7. Januar „im Sperl“, für welchen er  nur 300 Gäste einlud. Am Sonntag, den 8. Januar begann die Serie der öffentlichen Bälle. Auch in diesem Karneval leitete Johann Strauss die Musik bei allen Bällen „im Sperl“.

 

Die erste Neuerscheinung des Jahres, das Opus 141, der Walzer „Die Minnesänger“ erschien im Verlag Haslinger am 9. Janaur. Das Werk war „ Zur Erinnerung an Servais“ gewidmet.

Adrien-François Servais (* 6. Juni 1807 in Halle bei Brüssel; † 26. November 1866 ebenda) war ein belgischer Cellist und Komponist.

 

Bereits am übernächsten Tag erschien das Opus 142 die „Haute-Volée-Quadrille“.

Joseph Lanner führte wie in den Vorjahren wieder die Tanzmusik zu dem maskierten  Ball der Gesellschaft der adeligen Frauen zur Beförderung des Guten und Nützlichen zum Besten der Armen in den k.k. Redoutensälen aus. Lanner hatte auch mit Herrn Wilhelm Starnbacher, Gasthaus- und Kaffehhaus-Inhaber der ganz neu decorierten Saal-Localitaeten im k.k. priv. Theater in der Josephstadt für die Besorgung der Musik bei allen Bällen ein Engagement getroffen und auch bei Ferdinand Dommayer war Lanner wieder für die Ballmusik verpflichtet.

 

Die Rococo-Bälle in den Sälen zum Sperl begannen am 14. Januar und fanden immer samstags statt, die Fortuna-Bälle ab dem 19. Januar immer donnerstags, sonntags waren öffentliche Bälle, alle unter der Direction von Johann Strauss.

 

Am 17. Januar veranstaltete die Gesellschaft der Musikfreunde des Oesterreichischen Kaiserstaates ihren Ball in den beliebten, durch den Zubau eines ganz neuen Saales im ersten Stock erweiterten Localitäten zum Sperl für welchen Johann Strauss sein Opus 148, die „Saison-Quadrille“ nach Motiven von Vieuxtemps, Evers und Kullak komponierte und uraufführte.

 

Vieuxtemps weilte während des Karnevals immer noch in Wien und gab Konzerte im k.k. großen Redoutensaal, bei denen er neben eigenen auch Werke von Mozart, Beethoven und Donizetti aufführte. Er reiste Ende Januar nach Pest weiter, wo er bei Konzerten im Nationaltheater bei weitem nicht den Enthusiasmus erregte als 6 Jahre zuvor.

Außer den beiden geschlossenen Gesellschaftsbällen von Herrn A. Rabel ist über weitere private Bälle in den Lokalitäten zum Sperl in diesem Karneval nichts bekannt. Der zweite Ball des Tanzlehrers Rabel fand am 2. Februar statt und er „componierte” dafür eine neue Quadrille La Victoria. Johann Strauss dirigierte wieder die Musik persönlich

Auch das große Ballfest zum Besten der unter dem höchsten Protectorate Sr. k.k. Hoheit, des durchlauchtigsten Prinzen und Herrn Erzherzog Franz C(K)arl stehenden Versorgungs- und Beschäftigungs-Anstalt für arme erwachsene Blinde  fand in diesem Jahr in dem beliebten, durch den Zubau des neues Saales zweckmäßig erweiterten Localitäten zum Sperl in der Leopoldstadt statt und das Vereins-Mitglied Johann Strauss besorgte die Musik.

 

Von den sonstigen Lokalen und Kapellmeistern wurden wenig Ballveranstaltungen angekündigt. Lanner und Strauss dominierten den Karneval. Ludwig Morelly leitete die Ballmusik in den Sälen des Gasthofes zur Stadt Wien in Baden und im Saal zum goldenen Steg am Ende der Währingergasse. Im Elisium wurden Metamorphosen-Bälle mit dem Zusatz „ein Jux für alle“ in Anspielung auf die immer noch aktuelle Posse  mit Gesang „Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nepomuk Nestroy, veranstaltet.  Die Posse wurde am 10. März 1842 im Theater an der Wien uraufgeführt. Das Stück gilt als „Paradestück der österreichischen Nationalliteratur“.  Im Elisium fanden auch Zwerchfell-Erchütterungs-Bälle statt. Franz Ballin und Franz Schanner unterhielten dort die Gäste.

 

Es gab auch wieder Veranlassung zur Gemeinnützigkeit. Im Erzgebirge litten die Böhmen eine Hungersnot. Adolf Bäuerle, der Redakteur der Theaterzeitung, der keine Gelegenheit vorübergehen lies um Notleidenden und Unglücklichen beizustehen, hatte in seiner Theaterzeitung das namenlose Unglück geschildert welches die Bewohner des Joachimstals in Böhmen durch Hungersnot und ein epidemisches Nervenfieber betroffen hatte. Dies zum Anlaß nehmend veranstaltete der Unternehmer des Saales zum goldenen Steg am 15. Februar und die Vorsteher der Gemeinden Schottenfeld und Neubau am 22. Februar in den Lichtenberg’schen Sälen Ballfeste. Auch der gesamte Reinertrag des am 21. Februar in den Saal-Localitäten zum goldenen Strauss veranstalteten geschlossenen Ballfestes wurde für diesen Zweck verwendet werden. Die Musik bei dem Ballfest  dirigierte Joseph Lanner persönlich. Joseph Scherzer und Johann Strauss setzten sich dieses Mal jedoch nicht für die Gemeinnützigkeit ein.

 

In der zweiten Februar-Hälfte nahm der Karneval dann erst richtig fahrt auf.

 

Zunächst veröffentlichte der Verlag Haslinger am 11. Februar das Opus 143 den „Latonen-Walzer“, das letzte Werk von Johann Strauss aus dem Vorjahr.

Am 14. Februar fand ein großer Gesellschaftsball zum Besten der Armen des Pfarrbezirkes St. Carl auf der Wieden „im Sperl“ statt für den zwar Johann Strauss nicht ausdrücklich angekündigt wurde bei dem er aber sicherlich die Musik produzierte.

Am nächsten Tag, dem 15. Februar, veranstaltete Johann Strauss seinen einzigen Ball dieses Karnevals, einen Fest-Ball unter der Bezeichnung "Erfüllter Carnevals-Traum" in den Sälen zum Sperl. Er komponierte für diesen Abend den Walzer „Walhalla-Toaste”, führte ihn bei dem Fest erstmals auf und mußte ihn fünf Mal spielen.

 

In der Gedenkstätte Walhalla (nach Walhall ‚Halle der Gefallenen‘) bei Donaustauf (Landkreis Regensburg, Bayern) werden auf Veranlassung des bayerischen Königs Ludwigs I. seit 1842 bedeutende Persönlichkeiten „Teutscher Zunge“ mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt. Sie ist in griechisch-antikem Stil als Ruhmestempel mit dorischen Säulen nahe Regensburg errichtet und „blieb ein prunkloses, seelenloses Schaustück und ein absonderlicher Fremdling der kalt und abweisend mitten in deutschen Landen steht und sich in seinem griechischen Gewande nicht wohlfühlt“.

Am 21. Februar fand der Ball des Bürger-Artillerie-Bombardier-Corps „im Sperl” statt. Dieses ist nur aus der Opus-Liste der Johann Strauss Werke abzuleiten, da Strauss für dieses Fest sein Opus 144, „Parademarsch”, komponierte und uraufführte.

 

Am gleichen Tag beschäftigte sich ein Intimat an den k.k. Hofmusikgrafen mit der „Forderung nach einem uniformartigen Dienstkleid von Johann Strauss bei Hofbällen” das sich wie folgt las:

 

„Da bei großen Hofbällen bekanntlich Alles in Uniform erscheint und es also unangenehm auffällt, daß die Orchester-Individuen des Musikdirektors Strauss dabei allein in schwarzen Civilkleidern zugegen sind, ist es angemessen befunden worden, daß dieselben – und zwar von dem am 23. d.M. stattfindenden Hofball angefangen – in Hinkunft bei diesen Bällen jederzeit in einem uniformierten Dienstkleide erscheinen, wozu bereits über Rücksprache mit Strauss alle Einleitungen getroffen sind”.

 

Nur durch diese Intimat wissen wir von einem Hofball am 23. Februar.

 

Am 22. Februar veranstaltete der Tanzlehrer Franz Rabensteiner einen besonders festlichen Gesellschaftsball in den Sälen zum Sperl.

Am Rosenmontag dem 27. Februar veranstaltete der Tanzlehrer Rabel sein letztes und größtes Ballfest und lud zu einem „letzten Carnevals-Wechsel-Feste oder Zwei Bälle in einer Nacht” in die sämtlichen oberen und unteren Lokalitäten des Sperl ein. Außer der Strauss-Kapelle die in den beiden oberen Sälen bei dem einen Balle die Musik ausführte war im Fortuna-Saal für den zweiten Ball die Regiments-Kapelle Hessen-Homburg mit Anderas Nemetz als Dirigent engagiert. Die Bälle dauerten von halb 8 abends bis morgens.

 

Wenn wir dem Humorist Glauben schenken stand Johann Strauss allerdings nicht selbst am Pult.

Mit einem letzten Rococo-Ball am Faschings-Dienstag endete die fünfte Jahreszeit.

Joseph Strauss wechselte 1843 in die technische Abteilung des k. k. polytechnischen Institut, er war Anfang des Jahres 15 Jahre alt. Johann Strauss Sohn, der inzwischen fast 18 Jahre alt war verließ Ende März das k. k. polytechnische Institut. Was seine Pläne waren ist allgemein bekannt und wir kommen im nächsten Jahr auf diese zu sprechen.

 

Im März wurden in den Casinos und Salons in Wien und den Vorstädten nur Conversationen und Soiréen veranstaltet. Johann Strauss spielte im k.k. Volksgarten, Philipp Fahrbach in Zögernitz’s Casino, die Musik–Capelle des Infanterie-Regiments Erzherzog Carl unter B. Mang in Lindenbauer’s Casino in Simmering und Joseph Lanner in Dommayer’s Casino und ab dem 12. März abwechselnd mit Mang und Carl Bendl auch in Lindenbauer’s Casino.

 

Noch ahnte niemand was wenige Wochen nach Ende des Karnevals Wien erschüttern würde.

 

Zunächst veröffentlichte die Kunst- und Musikalienhandung des Tobias Haslinger das Opus 144, „Parademarsch” von Johann Strauss. Dies war am 7. März.

Am 1. April berichtete der Humorist bereits, noch verfrüht, daß der rühmlich bekannte Walzer-Heros, Kapellmeister Joseph Lanner, nach einem kurzen Krankenlager am 30. März am Thyphus gestorben sei, um dann am 3. April mit wahrhaftigem Vergnügen zu berichten, daß sich Lanner nach einer schweren Krankheit zur Freude seiner zahlreichen Verehrer auf dem Weg der Besserung befindet.

 

Tatsächlich starb Lanner, viel zu früh, zwei Tage nach seinem 42. Geburtstag am 14. April 1843 und der Humorist mußte in seiner nächsten Mitteilung über Lanner am 19. April bereits von dem am 16. April stattgefundenen „Leichenbegräbnis des rühmlich bekannten Kapellmeisters und Walzer-Kompositeurs Joseph Lanner, unter einem seltenen Andrange von Theilnehmern” berichten. „Über 20.000 Menschen sollen demselben beigewohnt haben. Der Leichenzug ward durch die Schuljugend eröffnet, darauf folgte eine Abtheilung des zweiten Bürger-Regiments mit der Musikbande des ersten Bürger-Regimentes, Capellmeister Strauss an ihrer Spitze einherschreitend, gab auf diese Weise seinem geistesverwandten Kunstgenossen das letzte Ehrengeleite. Die Theilnahme um den Verstorbenen ist eine allgemeine”. Als Todesursache wird von dem Arzt und Lannerforscher Herbert Krenn eher eine das Immunsystem schwächende Lungenentzündung angenommen.

Bildnis Joseph Lanner, um 1840

 

Geboren wurde Joseph Lanner im Haus an der Mechitaristengasse 5 im heutigen 7. Wiener Bezirk. Über seine Anfänge als Musiker ist sehr wenig bekannt. Bereits als Kind begann er Tanzstücke zu komponieren. Seine musikalische Laufbahn begann er als Violinist bereits im Alter von 12 Jahren in dem Orchester seines Lehrmeisters Michael Pamer.

 

Joseph Lanner war ein sehr produktiver Komponist. Die Anzahl seiner Kompositionen geht in die Hunderte, 208 gedruckte Werke existieren mit Opuszahlen und 100 weitere, teilweise gedruckte Werke aber ohne Opuszahl und Bearbeitungen und Fragmente sind bekannt. Joseph Lanner war ab 1828 mit Franziska Jahns verheiratet. Ihre Kinder waren die Tänzerin Katharina Lanner, der Komponist August Lanner und die ebenfalls hochbegabte, früh verstorbene Franziska Karoline Lanner (1836–1853). Lanner wurde am 21. September 1842 von seiner Frau gerichtlich geschieden  und lebte ab ungefaehr 1838 mit der Wiener Fleischhauerstochter Marie Kraus zusammen. Am 6. Oktober 1843 kam in Oberdöbling sein posthumer Sohn Joseph Carl Maria Kraus zur Welt.

 

Lanner verstarb im Haus an der Gymnasiumstraße 87 im heutigen 18. Bezirk. Er wurde zuerst am alten Döblinger Friedhof in Oberdöbling beigesetzt, der später aufgelassen wurde. Nach seiner Exhumierung wurden er und Johann Strauss am 13. Juni 1904 nebeneinander auf den Wiener Zentralfriedhof  in Ehrengräber umgebettet. Die alten Grabsteine von Lanner und Strauß-Vater wurden bei der Gestaltung des 1928 an Stelle des Friedhofs eröffneten Strauss-Lanner-Parks mit einbezogen.

  • 1801 - 12. April Geburt Joseph Lanners
  • 1825 - 17. Januar Erstmalige Erwähnung als Leiter eines Orchesters in der Wiener Zeitung,
    am 6. 7.Veröffentlichung des Opus 1 im Verlag Diabelli, „Neue Wiener Ländler“
  • 1827 komponiert er „Aufforderung zum Tanz“ op. 7 nach Webers gleichnamigen Rondo
  • 1828 Lanner wechselt zum Verleger Tobias Haslinger („Vermählungs-Walzer“ op. 15)
  • 1829 Lanner wird Musikdirektor der Redoutensäle („Neue Redout-Carneval-Tänze“ op. 30)
    Verlegerwechsel zu Pietro Mechetti („Ankunfts-Walzer“ op. 34)
  • 1833 Bestellung zum Kapellmeister des 2. Wiener Bürgerregiments
  • 1834 Erste Konzertreise nach Pesth („Pesther-Walzer“ op. 93)
  • 1835 Zweite Konzertreise nach Pesth („Abschied von Pesth“ op. 95)
  • 1837 Konzertreise nach Graz („Prometheus-Funken“ op. 123)
  • 1838 Konzertreise anläßlich der Krönung Ferdinands I. zum lombardo-venezianischen
    König nach Innsbruck und Mailand („Krönungswalzer“ op. 133)
  • 1839 Erste Konzertreise nach Brünn („Liebes-Träume“ op. 150)
  • 1840 komponiert er „Hofball-Tänze“ op. 161, „Die Romantiker“ op. 167
  • 1841 komponiert er „Steyrische Tänze“ op. 165, „Abend-Sterne“ op. 180
  • 1842 komponiert er „Hans-Jörgel-Polka“ op. 194, „Die Mozartisten“ op. 196, „Die Schönbrunner“ op. 200
  • 1843 Zweite Konzertreise nach Brünn, er komponiert „Favorit-Polka“ op. 201
  • 1904 Umbettung in ein Ehrengrab im Wiener Zentralfriedhof
  • 1905 Enthüllung des Strauss-Lanner-Denkmals im Wiener Rathauspark

Wann sich Johann Strauss Sohn entschied die Schule zu verlassen ist nicht bekannt, als er seine Entscheidung in die Tat umsetzte lag Joseph Lanner gerade auf dem Sterbebett. Daß er seine Entscheidung mit der Absicht traf seinen Lebensunterhalt mit der Komposition und der öffentlichen Produktion von Tanz- oder Unterhaltungsmusik  zu verdienen steht fest, es dauerte allerdings noch ein gutes Jahr bis er diese Absicht in die Tat umsetzen konnte.

 

Bei den nächsten Nachmittags-Conversationen am Sonntag den 23. April blieb zunächst alles beim alten, außer daß das Orchester-Personale des Capellmeisters Joseph Lanner die besten und neuesten Musikpiecen in Dommayer’s Casino in Hitzing ohne seinen Chef vortrug.

 

Ab dem 30. April dirigierte Johann Strauss zum ersten Mal seit 1840 wieder die Musik bei Ferdinand Dommayer.

 

In die Zeit der Trauer um Joseph Lanner fiel der 50. Geburtstag von Kaiser Ferdinand am 19. April. Ob der nicht sehr künstlerische aber technikinteressierte Kaiser großes Anteil an Lanner’s Tod nahm ist nicht bekannt. Über die Geburtstagsfeierlichkeiten in Wien berichtete die Wiener Zeitung, für damalige Verhältnisse ausführlich. Der Bruder des Kaisers Franz Carl war den gesamten März über krank , sollte aber den Berichten zufolge im April wieder wohlauf gewesen sein.

Journalistische Meisterleistung Mitte des 19. Jahrhunderts !

 

Auch die Geburt des nächsten Strauss Kindes aus der Verbindung mit Emilie Trambusch fiel in die Trauerzeit um Lanner. Am 25. April kam Maria Wilhelmine, bereits das sechste Kind, die 3. Tochter in der Stadt 127 zur Welt. Je nach Quelle ist sie entweder am 4. November 1849 im Haus Stadt 829 an Scharlach gestorben, oder sie hat bis 1853 gelebt. Wenn das erste Todesdatum und die Todesursache stimmt, dann könnte sie ihren Vater mit Scharlach angesteckt haben. Oder er hat sie angesteckt ?

Tochter Maria wurde nicht im Wohnhaus der Mutter geboren, das Geburtshaus war die Wohnung der Hebamme. Aber zu jener Zeit bewohnte Emilie Trambusch bereits die vierte Wohnung seit der Liaison mit Johann Strauss, alle in der inneren Stadt, während Strauss mit seiner Familie stets in den  Vorstädten wohnte. Mitte des Jahres 1843 soll Johann Strauss aus dem Hirschenhaus ausgezogen und die gemeinsame Wohnung in der Kumpfgasse übersiedelt sein.

 

Die Adressen der Wohnungen von Emilie Trambusch waren:

Geburt Emilie 1835 und Johann 1836 – Tuchlauben 16, Stadt 555 – Wohnung 1

Geburt Clementine 1837 – Tiefer Graben 9, Stadt 164 – Wohnung 2

Geburt Carl Joseph 1840 - Ecke Singerstrasse-Sailerstätte, Stadt 806  - Wohnung 3

Geburt Joseph Moritz 1842 – Kumpfgasse, Stadt 817  - Wohnung 4

Geburt Maria Wilhelmine 1843 -   Geburtshaus Stadt 127

Zur Eröffnung der Gärten und Sommer-Säle im Sperl veranstaltete der neue Pächter Franz Gilch  am 1. Mai eine einfache große Frühlings-Assemblée ab 7 Uhr abends, je nach Witterung im Garten oder im Saal. Johann Strauss dirigierte auch bei dem neuen Wirt die Musik.

 

Erst am 4. Mai beehrte sich der neue Eigentümer, der ergebenst Gefertigte, die Anzeige zu machen,   daß er die ruhmlichst bekannte Restauration im Sperl mit Beginn der Frühlings-Saison übernommen hat. Alle Sonntage wurde ein großer Ball veranstaltet, wie unter Joseph Scherzer unterblieb auch hier die Nennung der Musik-Kapelle. Die großen Soirées des Herrn Capellmeisters Johann Strauss waren jeden Mittwoch und Sonnabend. Vielleicht war Johann Strauss selbst der Veranstalter aller Soiréen im Sperl an den Wochentagen ?

Carl Hoer, der zuletzt „Unternehmer des bestandenen Colosseums” war veranstaltete am 1. May eine Morgen-Unterhaltung im Freyen verbunden mit einer Restauration bei der Franz Ballin sein großes verstärktes Orchester persönlich dirigierte. Als Veranstaltungsort gab Herr Hoer „neben dem k.k. Augarten, am Tabor, über der Auffahrtsstraße welche zum Ferdinand- und Marienbade führt, links” an. Der schattige Platz wurde eigens planiert und fanden dort auch weitere Nachmittags-Unterhaltungen im Freien statt. Später wurde der Platz Tabor-Aue genannt und wurde bekannt gemacht, daß an der Stelle, woselbst statt dem in der Brigittenau bestandenen Colosseum der neue großartige Erlustigungsort Universum errichtet werden wird.

 

In Lindenbauer’s Casino in Simmering leitete B. Mang die Musik der Musik-Capelle des Infanterie-Regiments Erzherzog Carl, in Zögernitz’s Casino Philipp Fahrbach mit seiner Regiments-Kapelle und im Casino im Landgut ebenfalls Franz Ballin.

 

Am 2. Mai erschien im Verlag Haslinger das Opus 145, der Walzer „Minos-Klänge”, den Herren Hörern der Rechte an der Hochschule in Wien gewidmet, der bei dem nicht zu bestimmenden Juristenball im Fasching 1843 uraufgeführt wurde.

Am gleichen Tag eröffnete Herr Corti die Frühlings-Saison im k.k. Volksgarten mit der ersten großen Soirée daselbst. Die Soireen fanden über die Sommer-Saison, wie im Vorjahr, jeden Freitag und jeden Dienstag statt.

Zu Beginn der Saison reservierte man für den Fall kühler Witterung den Salon. Ebenso, wie im Vorjahr fanden mittwochs und sonnabends die großen Soiréen im Sperl statt. An diesen 4 Wochentagen war Johann Strauss also verpflichtet.

 

Das erste Fest welches Johann Strauss in der Saison veranstaltete war eine große Frühlings Feier am 9. Mai  im k.k. Volksgarten mit besonderer Illumination und Decorierung und mit einem imposanten Feurwerk zum Abschluß. Das Regiments-Musik-Corps Hessen-Homburg unter Andreas Nemetz war wieder als zweite Kapelle verpflichtet und bei ungünstiger Witterung sollte stattdessen eine gewöhnliche Soirée stattfinden. Johann Strauss kündigte für die Feier ein neu componiertes Potpourri unter dem Titel „Musik-Album” an welches zwar keine Opus-Zahl trägt das aber gemäß der Theaterzeitung vom 5. Juni 1843 im Druck erschien. Es blieb aber am 9. offenbar bei einer gewöhnlichen Soirée den die große Frühlingsfeier wurde am 12. Mai noch einmal angekündigt und schließlich am 19. noch ein weiteres mal. An diesem Tag fand sie dann wohl endlich statt.

Die neueste Kopfbedeckung für die Herren sah 1843 so aus:

Die Dimensionen und die Verarbeitung waren genauestens beschrieben inklusive der oberen abgerundeten Kante wodurch das schnelle Abstoßen der Haare verhindert wurde. Die Frühlings- und Sommer-Mode-Hüte hatten stattliche 20 cm Höhe.

 

Am 11. Mai kündigte Ferdinand Dommayer für den Abend die erste Soirée und für jeden Donnerstag weitere Soirées an bei denen Johann Strauss persönlich die Musik in seinem Casino in Hitzing dirigierte. Die Schreibweise des Ortes Hitzing war, wie die von Dommayer mal so und mal so, mal Hitzing und mal Hietzing.

Ab dem 14. Mai kamen auch die großen Sonntag Nachmittags-Conversation „beim Dommayer” ab  3 Uhr hinzu. Das gesamte Jahr teilten sich Strauss und das Orchester Lanner diese Veranstaltungen. Einige der Conversation wurden vom Orchester-Personal Lanner begleitet, geleitet hat es sicherlich Joseph Raab. Im Juli wählte man dann eine absurde Lösung der Dirigentenfrage.

Ab dem 16. Mai stand die umgebaute große Bad- und Schwimm-Anstalt im Dianabade zur Besichtigung offen und am 20. Mai wurde das Bad eröffnet. Das Gebäude und die damaligen Gegebenheiten sollten für die musikalische Zukunft der drei Strauss-Söhne von enormer Bedeutung werden.

Das erste Dianabad am Wiener Donaukanal wurde 1808 bis 1810 errichtet und am 1. Juli 1810 eröffnet. Das Badhaus entsprach „feudal-bürgerlichen Ansprüchen“ und bot Wannenbäder mit erwärmtem Wasser aus dem Donaukanal.

 

Nach einem Umbau präsentierte sich das Dianabad 1830 als Bad mit 68 um einen Gartenhof angelegten Badekabinen mit 78 Badewannen aus Zink, die mit erwärmtem Wasser gefüllt wurden.

 

Als 1839 die „Norische Gesellschaft für Filtrierung“ in Wien eine Agentur errichtete, beschlossen die Besitzer des Dianabades, ihren Gästen filtriertes Wasser aus dem Donaukanal anzubieten und gleichzeitig das Bad um ein „Voll- und Schwimmbad“ zu erweitern.

Die 1841–1843 errichtete Schwimmhalle, die erste auf dem Kontinent. Sie wurde als Stahlkonstruktion ausgeführt, links. Das erste Dianabad anno 1912

kurz vor dem Abriß des Gebäudes rechts

 

Der Umbau begann 1841 und wurde 1843 abgeschlossen. In dieser Zeit wurde die erste überdachte Schwimmhalle auf dem europäischen Kontinent errichtet. Die Halle war 53 Meter lang, 20 Meter breit und 15 Meter hoch und überspannte ein 36 Meter langes und 13 Meter breites Becken. Das Bassin aus massiven Quadern war zwischen 1 und 2,5 Meter tief. Neben den Umkleidekabinen gab es Ruheräume und einen Raum für einen Friseur. Die Eröffnung fand am 20. Mai 1843 statt.

 

Während das Badewasser auf konstante 31 Grad Celsius erwärmt wurde, beschloß man aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, die Raumluft nicht zu erwärmen. Das machte einen Winterbetrieb zwar nicht möglich, verlängerte die Badesaison aber im Frühjahr und im Herbst um jeweils etwa zwei Monate gegenüber dem Baden in Freibädern.

 

Während der badefreien Zeit wurde das Schwimmbecken abgedeckt und die Schwimmhalle als Konzert- und Ballsaal dekoriert. Dieser neue Veranstaltungssaal wurde am 12. November 1860 eröffnet. 1879 erfolgte nach Entwürfen von Otto Wagner ein Umbau des Innenhofs in eine offene Sommerschwimmhalle und 1889 wurde eine Dampfheizung installiert. Diese ermöglichte den ganzjährigen Betrieb des Dianabads als Schwimmbad.

 

Am 21. Mai stand wieder ein besonderes Fest im Kalender. Der Theater-Unternehmer Franz Pokorny veranstaltete „zur Feyer der Allerhöchsten Anwesenheit unseres allergnädigsten Kaisers und Königs in der königl. Frey- und Krönungsstadt Preßburg einen Jubelfestball”. Dafür wurde in Preßburg „der Redoutensaal mit dem Theater in Verbindung gebracht und beyde Localitäten auf das Geschmackvollste decoriert”. Die Bühne wurde in ein Zelt und das Parterre des Theaters in einen Tanzsaal umgewandelt. Neben anderen Musik-Chören leitete Johann Strauss sein Orchester persönlich.

Das Kaiserpaar war bereits am 18. Mai zur Eröffnung des ungarischen Reichstages nach Preßburg abgereist und kehrte am Tag nach dem Festball nach Wien zurück.

Johann Strauss reiste wohl frühestens nach seiner Soirée am 20. „im Sperl”, also am Tag des Fests nach Preßburg und war spätestens zur Soirée am 24. „im Sperl” wieder in Wien. Tags zuvor, am 23. wurde eine bereits angekündigte Frühlings-Assemblée im k.k. Volksgarten für den Abend noch einmal angekündigt. Näheres enthielt der Anschlagzettel der ebensowenig erhalten ist wie die frühere Ankündigung. Ob damit Johann Strauss’s Frühlings-Feier gemeint war und diese am 19. doch nicht stattfand oder eine andere Assemblée ist nicht mehr rekonstruierbar. Wenn ja dann wäre der Aufenthalt in Preßburg extrem kurz gewesen. Aber mit der Dampfschifffahrt war dies ja möglich geworden.

 

Um diese Zeit erschienen auch Anzeigen über Unterhaltungsveranstaltungen in uns bisher nicht bekannten Lokalen wie die Gasthaus-Localitäten >zum goldenen Metzen< am Getreidemarkt wo ein Volkssänger die Gäste unterhielt, der Lichtenthaler Bier-Salon wo ein Trompeter-Corps auftrat oder das Gasthaus zum Feldmarschall London in Weidlingau wo ein Herr Hagen die Musik in den Sälen leitete. In Lindenbauer’s Casino in Simmering spielte nach wie vor die Capelle Erzherzog Carl unter Capellmeister Mang und in Zögernitz’s Casino Philip Fahrbach mit dem Musik-Corps Hoch- und Deutschmeister. Franz Ballin leitete die Musik im Casino im Landgut. Im Juni wurde der Gasthaus-Garten zum braunen Hirschen auf der Landstraße, nächst der goldenen Birn Nr. 341 eröffnet. Der Inhaber hatte ein Flügel-Hornisten Corps engagiert.

 

Möglicherweise war die Vereinbarung mit Herrn Dommayer über den alternierenden Einsatz der Strauss-Kapelle und des Orchester-Personales Lanner bei den Sonntags-Conversationen auf Wunsch von Johann Strauss entstanden weil dieser sonntags öfter beschäftigt war um Feste, wie diesjenige am Montag den 29. Mai vorzubereiten. An diesem Tag wurde zur „zur Namensfeyer Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand”ein großes Fest bei besonderer Illumination und Decorierung im k.k. Volksgarten geplant  für das Johann Strauss eine von ihm neu componierte Quadrille unter dem Titel „Ferdinand-Quadrille” zum ersten Mal zur Aufführung bringen wollte.

 

Wieder war die Beteiligung des Musik-Corps Hessen-Homburg geplant und wieder sollte ein imposantes Feuerwerk den Schluß bilden. Doch wieder fiel das Fest dem Wetter zum Opfer. Sowohl am eigentlichen Namenstag Ferdinand am 29. Mai als auch am 30. Mai fiel es aus. Es wurde am 2. Juni nachgeholt und die neue Quadrille erhielt die Opus-Zahl 151 und den Titel „Quadrille zur Namensfeier Kaiser Ferdinands”.

Offenbar war auf das Wetter in diesem Mai 1843 ganz und gar kein Verlaß. Das beliebte Blumenfest verbunden mit einem glänzenden Ball in den Sälen und Gärten zum Sperl, wurde am 31. Mai schon mit dem Zusatz „findet bey günstiger Witterung”, angekündigt. Das Fest, bei dem Johann Strauss die Ballmusik persönlich dirigierte fand statt wurde aber durch das  unfreundliche Wetter gestört. Aber es wurde wegen der Ausstattung dennoch mit besonderem Beifall aufgenommen und daher vielseitigen Wünschen zufolge, bei günstiger Witterung für den 7. Juni mit demselben effectreichen Arrangement ein weiteres Mal angesetzt. Dieses ist möglicherweise gänzlich ausgefallen, denn am Montag, den 12. Juni wurde ein weiteres Blumenfest angekündigt. Und am Montag den 19. ein weiteres und am 21. Juni wieder eines. Die Annonce am 21. liest sich etwas resignierend. Demnach könnten alle vorher angesetzten Feste ausgefallen sein, genau lässt es sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls fand bei abermals entretender ungünstiger Witterung unabänderlich am 21. ein Ball statt.

Am  8. Juni  zeigte der Verlag Haslinger das Opus 146, den Walzer „Die Lustwandler” für das Pianoforte und die üblichen Instrumente erstmals an. Gleichzeitig erschien das Werk auch für das Pianoforte im leichten Style als 39. Heft „Die junge Tänzerinn”. Auch wurde erwähnt, daß das Opus 147, die „Walhalla-Toaste” „unter der Presse” sind.

Am 23. Juni wollte Johann Strauss eine außerordentliche Sommer-Assemblée zu seinem Benefice im k.k. Volksgarten veranstalten. In der Ausgabe der Wiener Zeitung am 23. selbst wurde jedoch nur, wie jeden Freitag, eine große Soirée angekündigt. Die Assemblée zu Straussens Benefice wurde am 27. Juni als außerordentliche Fest-Assemblée angekündigt. Sicherlich haben die großen Anschlagzettel die überall in der Stadt aushingen die Verwirrungen aufgeklärt. Vermutlich lies das Wetter aber die Assemblée am 27. nicht zu, denn sie wurde am 3. Juli erneut angekündigt, aber ist wohl wieder ausgefallen und fand letztlich am 7. Juli statt.  Der Zusatz unter der Annonce am 7. Juli, „welche (die Assemblée) wegen ungünstiger Witterung immer verschoben werden musste” bestätigt dies. Johann Strauss komponierte für diese Veranstaltung sein Opus 152, den Walzer „Tanz-Caprizen”, der am 7. Juli uraufgeführt wurde.

In dieser Zeit kamen entweder die Soirée-Veranstalter oder das Orchester-Personale weiland Joseph Lanner auf die skurile Idee den 8-jährigen August Lanner (Schüler des Joseph Raab der das Orchester seit dem Tod Lanners leitete) vor das Orchester zu stellen. Am 22. Juni trug er im Brauhausgarten zu Fünfhaus die Walzerpartie „Die Schönbrunner” und die „Hans-Jörgl- Polka” seines Vaters vor. Es blieb, zum Glück für August Lanner, bei wenigen Auftritten. Aber auch Ferdinand Dommayer bediente sich dem jungen Lanner als Publikumsmagnet und lies ihn bei einigen Sonntag Nachmittags-Conversationen Stücke seines seligen Vaters vor dem Orchester dirigieren.

 

August Lanner wurde 1853 selbst Musikdirektor und Konkurrent von Johann Strauss Sohn. Um die Lanner-Kapelle wurde es nach einem Gastspiel in Herbst in Graz still.

Anfang Juli kündigte „ein Bestellter der beliebten großen Brauhaus-Localität des V. Neuling, mit Garten und Salon, auf der Landstrasse, Ungargasse” an jeden Sonn- und Feiertag (mit Ausnahme der Normtage) der Sommer-Saison Soiréen an bei denen Franz Ballin jederzeit ununterbrochen die Instrumental-Musik persönlich dirigierte.

Die ausdrücklichen Hinweise auf die persönliche Anwesenheit der Dirigenten oder Kapellmeister wird später noch für reichlich Gesprächsstoff in Wien sorgen. Der Zusatz „jederzeit ununterbrochen” wurde nur selten verwendet.

 

Am 14. Juli begegnete Johann Strauss seinem ehemaligen Flötisten und Mitarbeiter (und Freund ?) Philipp Fahrbach wieder. Bei der großen Fest Assemblée im k.k.Volksgarten war die Musik-Capelle Hoch- und Deutschmeister als zweites Orchester engagiert. Johann Strauss spielte nebst anderen Stücken seine neuesten Walzer die als „Toncapricen” betitelt wurden und das Potpourri „Musik-Album”, während Fahrbach einen neuen Marsch uraufführte. Den Schluß bildete wie meistens, ein imposantes Feuerwerk. Bei schlechtem Wetter war nur Soirée.

Danach stand der Brigittenauer-Kirchtag vor der Tür. Wir erwähnten bereits die umfangreichen Festivitäten die über Jahre am Sonntag nach dem Vollmond im Juli samt den darauffolgenden Tagen, dem jährlichen Termin für das  Kirchweihfest der Brigittenau, veranstaltet wurden.

 

In der Nachricht am 15. Juli in der Wiener Zeitung hielten sich der Herr Capellmeister Johann Strauss und der k.k. Hof- und Kunstfeuerwerker Anton Stuwer mit Details noch zurück. Obwohl das Kirchweihfest ja bereits am darauffolgenden Tag begann, teilten die beiden nur mit, daß sie sich vereint haben in einem angemessen großen Locale zum Besten der Armen der Gemeinden Leopoldstadt und Jägerzeil ein Fest und eine Soirée zu veranstalten.

Auch das erste große Fest auf der Tabor-Au, dem Gelände auf dem Carl Hoehr das Universum errichtete fand am Kirchtag statt. Die Festivitäten begannen wohl bereits mit und während des Bauens. Auch die alle Donnerstage und Sonntage stattfindenden Nachmittags-Unterhaltungen mit Tanz-Belustigungen wurden mit dem Hinweis „in dem neu entstehenden Erlustigungsorte Universum” angekündigt.

Stadtplan aus dem Jahr 1856
Das „Universum“ befand sich am Rand des Auwalds in Verlängerung der Taborstraße (im Ausschnitt links oben).

 

Viel ist über das Fest von Strauss und Stuwer nicht bekannt. Nur so viel, daß es am 17. Juil in der Brigittenau veranstaltet wurde und zusammen mit dem Universum der Anziehungspunkt für die vornehmere Welt war. Namentlich das Feuerwerk war so geschmackvoll, daß alle Zuschauer befriedigt den Ort verließen.  

 

Das erste Fest welches Johann Strauss seit 3 Jahren in Dommayer’s Casino zu seinen Gunsten veranstaltete war am 26. Juli. Es war eine Fest-Assemblée mit Ball. Das Namensfest der Kaiserin Anna, der Annentag, sollte im k.k. Volksgarten wieder mit einem großen Fest am Vorabend, dem 25. Juli gefeiert werden. Auch diese beiden Termine lies die Witterung wohl nicht zu. Das Fest im k.k. Volksgarten wurde am 28. veranstaltet und Johann Strauss führte seine „Anna-Quadrille”, oder „Quadrille zur Namensfeier Kaiserin Maria Anna” wie das Opus 153 richtig heißt dann erstmals auf. Die Fest-Assemblée in Hietzing wurde am 2. August neu angesetzt, es ist aber fraglich ob sie an diesem Tag stattfinden konnte, den am 8. August wurde sie erneut angekündigt. Dann war aber offenbar sicher, daß das Wetter mitspielen wird, denn für die planmäßige Dienstags-Soirée im k.k. Volksgarten wurde als Vertretung Philipp Fahrbach engagiert und für das Fest in Hietzing wurden mit Herrn Fuhrmann viertelstündliche Gesellschaftswagenfahrten vom Petersplatz nach Hietzing und zurück organisiert.

Johann Strauss und Philipp Fahrbach veranstalteten auch am Wasser-Glacis ein Annen-Fest. In den zugängigen Medien wurde dieses Fest nicht angekündigt aber die Sonntags-Blätter berichteten am 30. Juli darüber in der Art einer Lustspiel-Besprechung ohne den Tag des Festes zu nennen.

 

Am Vorabend des Annentages am 25. war das große Fest im k.k. Volksgarten ja ein Opfer des schlechten Wetters geworden. Am eigentlichen Annentag wollte Johann Strauss seine Fest-Assemblée mit Ball in Dommyer’s Casino veranstalten die aber ebenfalls ausfiel. Vielleicht war das Fest am 27. Juli also eine Nachfeier. Die Sonntags-Blätter berichteten lediglich, daß das Fest von 5 Uhr bis 11 Uhr währte, daß Fahrbach’s Orchester die „Nächtliche Heerschau” aufgeführt hat und daß das ganze zum Vorteil des Waisenfonds stattgefunden hat. Belassen wir es dabei  !

 

Am 2. August wurde in der Wiener Zeitung die Erstausgabe des Walzers „Walhalla-Toaste” im Verlag Haslinger angekündigt. Die Titelvignette zeigt eine Scene von der Eröffnungsfeier des Walhalla. Die „Saison-Quadrille”, Opus 148 war im Druck, sie erschien am 5. August.

Für das nächste große Fest im k.k. Volksgarten, zum Besten der unter dem Protectorate Sr. Kais. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Franz Carl stehenden Versorgungs- und Beschäftigungs-Anstalt für erwachsene Blinde am 11. August griff A. Corti  auf die bewährten Personen zurück. Johann Strauss, das Musik-Corps Hessen-Homburg  und der Feuerwerker Anton Stuwer.

Ein bestätigtes Fest am Wasser-Glacis veranstaltete Johann Strauss am 19. August, wieder zu einem wohltätigen Zweck, und zwar zum Besten des unter dem höchsten Schutze Ihrer kaiserlichen Hoheit Erzherzogin Sophie stehenden Kinderspitals zu St. Joseph auf der Wieden.

 

Der Abend sollte besondere Bedeutung gewinnen. Nicht wegen der 3432 verkauften Billets und den 686 fl. Einnahmen, sondern weil Johann Strauss an diesem Abend eine Neuheit präsentierte die inzwischen 170 Jahre nach dem Fest immer noch als eines seiner Meisterwerke gilt. Er führte bei diesem Fest nämlich seinen Walzer „Loreley-Rhein-Klänge”, sein Opus 154 auf.

 

Und gleich am übernächsten Tag veranstaltete Johann Strauss ein weiteres Fest „im Sperl”, ein Gartenfest mit Ball unter der Bezeichnung „Sommernachts-Augenweide”. Und auch für diesen Abend hatte Strauss ein neues Werk parat, den Walzer „Brüder Lustig”, Opus 155.

Der Sommer hatte inzwischen offenbar ein Einsehen mit den Festveranstaltern und dem vergnügungssüchtigen Wiener Publikum und das Wetter erlaubte die Abhaltung von Festen im Freien.

 

Ende August war der neu erbaute Saal in Unger´s Kaffehhaus vor der Hernalser-Linie fertiggestellt und er wurde mit einem außerordentlichen Garten-Fest mit Ball eröffnet. Erst aus der Besprechung im Humorist am 2. September wissen wir, daß die Eröffnung unter den Zauberklängen von Strauss und Nemetz erfolgte und von herrlichstem Wetter begünstigt war. Bei der Eröffnung war der Saal aber noch nicht fertiggestellt. Die Mauern mußten noch austrocknen bevor die vollständige Ausschmückung des Saales möglich war

Johann Strauss nutzte die Gelegenheit um das Fest auf seine Veranstaltung am 3. September zu wiederholen.

Am darauffolgenden Sonntag lud Johann Strauss zu einem außerordentlichen Fest unter der Benennung  "Redoute im Freyen" zu seinem Benefice in den k.k. Volksgarten ein. Dem Vernehmen nach sollen 3000 Personen gekommen sein und der Uraufführung des Opus 157, „Volksgartan– Quadrille”, beigewohnt haben.

Da das Abschiedsfest vom Colosseum vor Jahresfrist nicht wiederholt werden konnte, veranstaltete Herr Hoer „auf der Baustelle” des Universum am 17. September ein noch größeres Fest, wobei neben der Capelle Lanner, die auch im Vorjahr für die Musik sorgte und die dieses Jahr für 3 Piecen von dem 8-jährigen August „geleitet” wurde auch ein Regiments-Musik-Corps und andere Künstler beteiligt waren und zum Abschluß auch ein großes Feuerwerk nicht fehlte. Das Fest wurde wiederholt.

Gegen Ende der Sommer-Saison am 18. September veranstaltete Johann Strauss noch eine Wohltätigkeitssoirée mit Ball „im Sperl” zum Besten der durch Feuer verunglückten Bewohner von Miskelcz, (deutsch veraltet Mischkolz) im Nordosten von Ungarn.

 

Die Erstanzeige des Opus 149, des Walzer „Die Dämonen” in der Wiener Zeitung erfolgte am 4. Oktober durch den Verlag Haslinger. Interessant ist das Titelblatt. Bei genauerer Betrachtung sieht man, daß die Schrift aus lauter kleinen Teufelchen besteht.

Das letzte große Fest der Sommer-Saison fand am 8. Oktober im k.k. Volksgarten unter dem passenden  Motto „Des Sommers letzte Frohsinns-Blüthen” statt. Die Illuminations-Decoration sollte den Nachsatz zu dem Motto aussprechen. Johann Strauss führte neben den beliebtesten Compositionen sämtliche neuen Werke auf. Das zweite Orchester war dieses Mal das Musik-Corps des löbl. k.k. Pionier-Corps unter der Leitung des Herrn Capellmeisters Anton Mattes. Das Feuerwerk zum Fest-Schluß führte wie gewohnt Anton Stuwer aus.

Die letzten Neuerscheinungen des Jahres waren die Werke 150 , Künstler-Ball-Tänze vom Ball der bildenden Künstler im letzten Januar am 10. November und das Opus 151, die Quadrille zur allerhöchsten Namensfeier Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand I. am 13. Dezember.

Ende November fanden die ersten Bälle in den Wintersälen und gleichzeitig die letzten vor dem Advent statt. Am 26. fand die von Sr. Majestät alle Jahre am letzten Sonntage vor dem Advent der Pensions-Gesellschaft der bildenden Künstler in Wien  bewilligte Redoute, ein maskierter Ball in den k.k. Redouten-Sälen, als am Sonntage nach dem Katharinen-Feste statt bei dem Johann Strauss erstmals im großen k.k. Redoutensaal die Musik leitete. Am 29. veranstaltete Johann Strauss in den oberen neu decorierten Winter-Sälen zum Sperl noch einen Fest-Ball.

 

Für den Maskenball komponierte er die „Redoute–Quadrille”, Opus 158, für seinen Ball das Opus 159, den Walzer „Nur Leben!”.

Bis zum Ende des Jahres 1843, in dem die Unterhaltungsmusik mit Joseph Lanner einen ihrer größten Meister, der vielen sogar als der Vater des „Wiener Walzers“ gilt, verlor, fanden die üblichen Sonntag-Nachmittag-Conversationen und Soirees statt.

 

Was sonst noch geschah:

  • 18. März: Karl Marx beendet seine Arbeit bei der „Rheinischen Zeitung“ in Köln als Redakteur wegen politischer Zensur.
  • 3. September: Griechenland wird durch einen Staatsstreich zur konstitutionellen Monarchie. König Otto I. findet sich damit ab, dass er ab dem 15. September die Macht mit dem ersten Ministerpräsidenten Andreas Metaxas teilen muß.
  • 8. November: Die spanischen Cortes erklären die 13-jährige Königin Isabella II. für mündig.
  • 23. Januar: Jacob Christoph Rad erhält ein fünf Jahre gültiges österreichisches Privileg auf seine Erfindung der Würfelzuckerpresse. Der Würfelzucker kommt in den Gebrauch.
  • September: In London wird die Zeitschrift The Economist gegründet.
  • Michael Faraday führt erstmals die galvanische Vernickelung durch

 

  • 25. März: Der erste einen Fluß unterquerende Tunnel wird nach 18 Jahren Bauzeit in London eröffnet. Den unter Leitung von Marc Isambard Brunel und seinem Sohn Isambard Kingdom Brunel entstandenen Thames Tunnel können in den Anfangsjahren ausschließlich Fußgänger benutzen.

 

 

  • 2. Januar: Die Oper Der Fliegende Holländer von Richard Wagner wird in Dresden mit mäßigem Erfolg uraufgeführt. Bereits nach vier Aufführungen wird sie wieder vom Spielplan der Semperoper genommen. Damals hatte Richard Wagner persönlich die Königlich Sächsische Hofkapelle dirigiert.
  • 3. Januar: Am Théâtre-Italien in Paris erfolgt die Uraufführung der komischen Oper Don Pasquale von Gaetano Donizetti.
  • 16. Januar: Uraufführung der Oper Le Part du diable (Des Teufels Anteil) von Daniel-François-Esprit Auber an der Opéra-Comique in Paris
  • 5. Juni: Uraufführung der Oper Maria di Rohan von Gaetano Donizetti am Theater am Kärntnertor in Wien

 

  • 21. Juli: Der Zoo Antwerpen wird gegründet, der erste in Belgien.
  • 15. August: Der Tivoli in Kopenhagen wird eröffnet.

Geboren:

  • 18. Februar: Adelina Patti, spanische Sopranistin († 1919)
  • 14. März: Umberto I., König von Italien († 1900)
  • 24. März: Maria Annunziata, Erzherzogin von Neapel-Sizilien und Österreich-Ungarn († 1871)
  • 4. April: Hans Richter, österreichisch-ungarischer Dirigent und Ehrenbürger von Bayreuth († 1916)
  • 2. Mai: Carl Michael Ziehrer, österreichischer Komponist († 1922)
  • 15. Juni: Edvard Grieg, norwegischer Komponist († 1907)
  • 11. Dezember: Robert Koch, deutscher Mediziner und Mikrobiologe († 1910)

Gestorben:

  • 14. April: Joseph Lanner, österreichischer Komponist und Violinist (* 1801)

So viele Strauss-Freunde haben bisher meine Baustelle besucht

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© Claus Kegel, Bukarest 2016