1845

 

Der Walzer - die Walzer !

 

Nun hatte Wien, Österreich und die Welt zwei Walzerkönige, einen bewährten, allseits anerkannten und einen jungen, kommenden. Die  größte Musikerlaufbahn der Unterhaltungsmusik hatte gerade begonnen. Zeit über den (oder die) Walzer zu sprechen.

 

In den Tagen von Strauss Vater und Lanner sowie in den Anfangsjahren der Strauss Söhne hieß es nicht „der Walzer” sondern „die Walzer”. Man sah in der Aufeinanderfolge der einzelnen Walzermelodien noch keine gefügte Einheit.  Lanner und Strauss Vater reduzierten die bereits üblich gewordenen, aber noch subjektiv und in beliebiger Länge aneinandergereihten "Walzerketten" von zumeist achttaktiken Motiven auf vier bis fünf "Partien" und versahen sie mit einer Introduktion und einer Coda. Oder wie es das musikalische Conversations-Lexikon beschreibt: Die Vereinigung von vier und mehr ineinander überleitende Walzer, meist mit Vorspiel und recapitulirendem Finale.

 

Vor dem Beginn des Karnevals 1845 exekutiereten Johann Strauss Vater und Johann Strauss Sohn an Sonn- und Feiertagen die Musik bei Nachmittags-Conversationen oder Soiréen. Der Vater im k.k. Volksgarten, der Sohn in Dommayer’s Casino.

 

Dann übernahm Prinz Carneval das Regiment. Die Ballveranstalter und Ballgeber mußten sich beeilen, den 1845 währte der Carneval nur 4 kurze Wochen. Am 4. Februar war bereits Faschings-Dienstag.

 

Man vermutet, daß die erste Kapelle von Strauss junior wenig stabil gewesen ist weil die Namen der 24 Orchester-Mitglieder die den Vertrag im Oktober unterschrieben hatten,  in keinem späteren Dokument wiederkehren. Während also Johann Strauss junior Mühe gehabt haben dürfte ein eingespieltes mäßig großes Orchester für den Carneval vorzuhalten, verfügte sein Vater über  200 bis 220 Musiker mit denen er im Fasching 76 Bälle in den k.k. Redoutensälen, im Sperl, im Odeon und in  privaten Circeln, sowie bei Hof bestreiten konnte. Wenn die Zahl der Bälle stimmt würde dies an jedem Tag des Karnevals nahezu 3 Bällen entsprechen, plus die Sonntags-Nachmittags-Conversationen im k.k. Volksgarten. Diese Anzahl läßt sich aus den Annoncen und Berichten nicht nachvollziehen.

 

Der erste annoncierte Ball des Carnevals sollte für das Tanz- und Unterhaltungswesen Wiens eine Sensation bedeuten.

 

Am 8. Januar wurde nämlich der Odeon-Saal in der Leopoldstadt, Fuhrmannsgasse mit einem Fest-Ball „bey einer Beleuchtung von 5000 Kerzen”, die zwei Zentner wogen, eröffnet.

 

„Der Unterzeichnete enthält sich eines jeden näheren Details hinsichtlich der prachtvollen und zugleich zweckmäßigen Decorierung dieses von Grunde aus neu erbauten großartigen Etablissements, und erlaubt sich bloß anzumerken, daß der Saal an Größe nicht leicht einen seines Gleichen in Europa finden dürfte. ....... J. Strauss welcher mit einem außerordentlich verstärkten Orchester seine beliebtesten Compositionen zur Aufführung bringen, und insbesondere neue Walzer, betitelt ODEON-TÄNZE eingends zur Eröffnungs-Feyer von ihm componiert zum ersten Mahle vorzutragen die Ehre haben wird”.

Die Zeitungen bemerkten in den darauffolgenden Tagen, daß den hohen Erwartungen nicht entsprochen wurde. Am Saal und der Pracht der Ausstattung gab es keine Kritik, aber die Lust und Heiterkeit hat sich nicht entfaltet. Es wurde nicht für Raucherzimmer gesorgt, der Qualm zog sich über die Speisenden und Tanzenden hin. Das Arrangement und die Traiteure wurden heftig kritisiert, in der Garderobe entstand Unordnung, so daß tausende ohne ihre Röcke weggehen mußten, obwohl nur 3 – 4000 Menschen gekommen waren. Was wäre bei 8 – 10000 gewesen ? Die 4000 Menschen, worunter nur 200 Frauen waren, verloren sich in dem Raum in dem allerdings die Akustik gut war.

Diese Darstellungen des Wiener Odeonsaals in übertriebener Dimension geben den Eindruck wieder, den der große Tanzsaal auf die Besucher gehabt haben mag. Zitat: "Am 8. Jänner wurde der Saal unter großem Andrang des Publikums eröffnet. Die Grundform dieses Riesen unter den Wiener Tanzsälen ist ein längliches Viereck von 72 Klafter Länge und 18 Klafter Breite und 8 Klafter Höhe. Die Länge des Odeon kommt demnach der Höhe des Stephansturmes gleich und bildet eine Perspektive, in der sich das unbewaffnete Auge verliert".

Es gibt kaum Pläne und Bilder vom Odeon-Saal, weil dieser nach seiner Fertigstellung nur 3 Jahre bestand. Im Zuge der Revolution 1848 brannte das Gebäude nieder. Es wurde nicht wieder aufgebaut, auf der freien Fläche entstand die Odeongasse.

Die Odeongasse wurde 1864 nach dem Tanzsaal benannt, der sich hier befand. Das Etablissement wurde 1844/1845 vom dem Blechwarenfabrikanten (Johann) Paul Fischer erbaut. Die Einladung für die Eröffnungsfeier wurde von einem Johann Fischer unterfertigt. Spätere Annoncen mit Joh. P. Fischer. Ob dies eine Verwechselung, die unterschiedliche Verwendung mehrerer Vornamen war oder ob es sich bei Johann um ein Familienmitglied handelte ist nicht klar.

Das Odeon war mit einer Fläche von 4.641 Quadratmetern, 148 Meter Länge und 34 Meter Breite und 16 Meter Höhe und einem Fassungsvermögen von 15.000 Personen der größte Tanzsaal Wiens. Drei Musikkapellen konnten gleichzeitig spielen, ohne einander akustisch zu stören. Das Odeon war das vornehmste Etablissement der 1840er Jahre.

 

Noch hatte man sich nicht damit abgefunden, daß es ab sofort zwei Kapellmeister und Musikdirektoren gleichen Vor- und Nachnamens  gab. Am 7. Januar hatte zwar Ferdinand Carl Manussi in seiner ersten Anküdigung für den Ball zum Besten des Fonds für Blinde, in dessen Ausschuß er Mitglied war und dessen Bälle er seit Jahren, dieses Jahr am 21. Januar wieder im k.k. großen Redoutensaal organisierte, die Musik „unter der persönlichen Leitung des Vereins-Mitgliedes Herrn Capellmeister J. Strauss (Vater)“ angekündigt, ansonsten wurde der eben erst 40-jährige Strauss senior noch meist ohne Zusatz erwähnt, während der Sohn immer mit Johann Strauss (Sohn) angekündigt wurde.

 

Dessen Karnevals-Saison begann am 11. Januar in Dommayer´s Casino in Hietzing wo er zur Eröffnung des neuen Blumen- und Credenz-Salons die Musik zu Harmonie-Bällen die jeden Samstag stattfanden, leitete. Im Sperl wurde am gleichen Abend der Carneval mit einem Flora-Ball eröffnet. Auch im Sperl hieß es noch ohne Zusatz „Herr Capellmeister Strauss wird die Musik persönlich dirigieren“.

Wer bei den weiteren großen Fest-Bällen im Odeon die Musik leitete wurde in den Annoncen nicht erwähnt. Unser guter Informant, Herr Johann Thyam, Mitglied im Orchester Strauss (Vater) notierte in seinem Tagebuch: „ab 8. Januar Tanzmusik im Odeon unregelmäßig“.

 

Der Tanzlehrer A. Rabel verpflichtete für seinen Subscriptions-Ball „beym goldenen Strauß im Josephstädter Theater-Gebäude“ am 18. Januar Johann Strauss Sohn für die Musik.

 

Von dem Ball „der Herren bildenden Künstler“ im Sperl wissen wir nur aus der Opus-Liste von Johann Strauss Vater, da dieser am dem Ballabend, dem 13. Januar  sein Opus 174 die „Musen-Quadrille“ uraufführte. Die sogenannten Elite-Bälle mußten nicht öffentlich angezeigt werden.

 

Donnerstags veranstaltete Franz Gilch Devisen-Bälle in den Sälen zum Sperl verbunden mit Carnevals-Scherzen unter der Bezeichnung „Amors Taubenpost“. Näheres war nur von den großen Ankündigungen zu erfahren. Wenn die eingangs erwähnte Anzahl von 76 Bällen in 4 Wochen, bei denen Strauss Vater seine 220 Musiker zum Einsatz brachte annähernd stimmen sollte, muß er auch die Musik bei „Eine Carnevals-Nacht in Venedig und Ball am Marcus-Platz bei Mondbeleuchtung in Sperl´s sämtlichen Sälen“ am 19. Januar geleitet haben. In der Annonce wurde er allerdings nicht erwähnt.

 

Am gleichen Abend veranstaltete die Gesellschaft der Musikfreunde des Oesterreichischen Kaiserstaates seinen Ball im k.k. großen  Redoutensaale. Johann Strauss Vater, der schon seit Jahren für diese Bälle neue Stücke komponierte, führte an dem Abend die „Haimonskinder-Quadrille“, Opus 169 erstmals auf.

Von den Wohltätigkeits-Bällen bei denen Johann Strauss Vater die Musik dirigierte kennen wir den maskierten Ball der am 12. Januar der zum Besten der Armen von der Gesellschaft  adeliger Damen in beiden k.k. Redoutensälen veranstaltet wurde, am 14. Januar das Ballfest zum Besten des Armenversorgungshauses der Leopoldstadt und Jägerzeile in den Sälen zum Sperl und am 21. Januar den schon erwähnten Ball zum Besten des Blindeninstitutes im großen k.k. Redoutensaal.

 

„Der Humorist“ berichtet am 22. Januar, daß der unermüdliche Maestro Strauss Sohn bei dem Harmonie-Ball am 18. Januar in Dommayer´s Casino mit seinen reizvollen Klängen die Anwesenden unterhalten hat. In den Annoncen von Ferdinand Dommayer wurde er nicht erwähnt und er müßte eigentlich an jenem Abend „beym goldenen Strauß im Josephstädter Theater-Gebäude“ für Herr Rabel die Musik geleitet haben.

 

In den Besprechungen werden auch Bälle wie der Gesellschaftsball der Zöglinge der Mariabrunner Forstschule am 13. Januar in Dommayer´s Casino und der Ball des k.k. Kadettenchors im Saal zum Stäußel am 15. Januar besprochen.

Dommayer´s Casino wird dabei als elegant und gut besucht aber selten überfüllt beschrieben, die „Sträußel-Säle“ wurden als fleckig und verfärbt, nicht eben groß beschrieben. Die Leistung von Strauss Sohn wird „ganz zufriedenstellend“ oder einfach mit „die Musik wurde gut besorgt“ beschrieben.

 

Beim Dommayer trafen sich die sich extravagant gebährenden Töchter und Söhne der Fabrikantenfamilien und des Beamtenadels, in den Sträußl-Sälen das Theatervölkchen.

 

Herr Dommayer ließ sich die Abhaltung von Bällen einiges kosten. Die Straße bis nach Hitzing wurde auf seine Kosten „durchaus mit Gas beleuchtet“ damit seine Gäste gefahrlos zu ihm und wieder nach Hause fanden.

 

Von Bällen „im Sperl“, wo „Der Humorist“ seinen Bericht beginnt mit: „Hier herrscht Strauss Vater, die Celebrität in Calcutta und Novaja Sembla bekannt, ganz absolut....“ wurde von dem bereits erwähnten Künstlerball am 13. und von einem geschlossenen Ball eines Kreises ausgewählter Damen am 15. Januar berichtet.

 

Am 20. Januar veranstaltete dort Herr Webersfeld einen Subsciptionsball und am 22. Januar der Tanzlehrer Franz Rabensteiner seinen Ball bei Strauss Vater´s Musik.

 

Vom Odeon wird 11 Tage nach der vernichtenden Kritik von der Eröffnungsfeier berichtet, daß ein Rauchsalon eingeführt wurde und daß die Eintrittspreise ermäßigt wurden, daß aber nur etwa 2000 Menschen in der Saalwüste einödeten.

 

Am 23. Januar sollen dagegen 15000 Besucher das Odeon besucht haben. Diese Angabe darf wohl bezweifelt werden.

 

Am 22. Januar veranstaltete Johann Strauss Sohn sein Benefice in Dommayer´s Casino. Für den Abend kündigte er neue Kompositionen, nämlich die „Amazonen-Polka“, Opus 9, eine „Aniela-Mazur“ die, zumindest unter diesem Titel, nicht im Druck erschienen ist, sowie in Uraufführung die „Elfen-Quadrille“, Opus 16 und den Walzer „Die jungen Wiener“ Opus 7, an. Nach dem Vorbild seines Vaters verteilte er in der Raststunde eine Spende an die Damen, es waren Exemplare des 3 Tage später in Druck erschienenen Opus 1, „Die Sinngedichte“.

Der große Fest-Ball zum Benefiz des Vaters den dieser am 29. Januar als „Carnevals-Gewitter in den Sälen zum Sperl“ bei Eröffnung sämtlicher Localitäten ankündigte, wobei er sich die Bemerkung erlaubte, „daß oben bezeichnetes Carnevals-Gewitter wohl keineswegs furchterregend, sondern nur einen kleinen überraschenden Scherz, insbesondere für die anwesenden Damen biethen dürften“, wurde wesentlich größer angekündigt.  Das tradionell für diesen Abend neu komponierte Werk war das Opus 175 der Walzer „Faschings-Possen“.

Am 21. Januar soll Johann Strauss Vater erstmals bei einem Hofball und zwar von 6 bis 11 Uhr die Musik produziert haben. Am 30. Januar soll ein Kammerball bei Hof stattgefunden haben, wo man vermutlich ebenfalls Johann Strauss zur musikalischen Unterhaltung heranzog.

 

Sein Sohn unterhielt unterdessen am 26 . bei einem Bürger-Offiziersball Ball in Dommayer´s Casino und bei einem Gesellschafts-Ball am 29. Januar zum Besten der Armen im Pfarrbezirk St. Carl auf der Wieden "beym goldenen Strauss" das Publikum.

Dann ging der Carneval allmählich zu Ende. Am 1. Februar veranstaltete Ferdinand Dommayer den letzten Harmonie-Ball in Hietzing.

In Sperl´s sämtlichen Lokalitäten hieß es am 2. Februar „Pracht-Genuß und Heiterkeit, außerdordentliches Carnevals-Abschieds-Fest“ unter der Bezeichnung "Lanners Ankunft und Ball-Fest im Olymp". Am 3. Februar veranstaltete der Tanzlehrer Rabel einen Großen Fest-Ball des A.Rabel, unter dem Titel "Frühlingsfest im Winter" in Sperl´s Lokalitäten.

Und auch Johann Strauss Sohn konnte noch ein Fest veranstalten. Am Fasching-Montage dem 3. Februar richtete er das Fest „Faschings letzter Freuden-Gruß!, außerordentlicher Festball ... zum Benefice des Strauss Sohn als letzter Ball im diesjährigen Carnevale beym godenen Strauss“ aus. Dabei präsentierte er zum ersten Mal sein Opus 11 den Walzer „Faschings-Lieder“.

Der letzte Devisen Ball in den Sälen zum Sperl „mit der so beliebten Amors Taubenpost“ fand am 4. Februar statt. In dieser Annonce wurde erstmals Johann Strauss Vater genannt.

 

Während des kurzen Karnevals erschienen eine stattliche Zahl von Erstanzeigen:

Am 7. Januar die „Fest – Quadrille“, Opus 165 , am 8. Januar „Wiener Früchteln“ Opus 167 von Strauss Vater und am 23. Januar die „Quadrille nach beliebten Motiven aus der Oper: Die vier Haimonskinder”, Opus 169, nach Motiven aus der gleichnamigen Oper von Michael William Balfe, wie alle Werke von Johann Strauss Vater natürlich im Verlag Tobias Haslinger’s Witwe & Sohn.

Am 25. Januar erschien das erste Werk von Johann Strauss Sohn im Verlag Pietro Mechetti qm Carlo, der wie der Verlag Halsinger ebenfalls k.k. Hof- Kunst- und Musikalienhandlung war, am Michaelerplatz Nr. 1153, nämlich das Opus 1, der Walzer „Sinngedichte”.

Schließlich am 27. Januar des Vaters Opus 168,  der Walzer „Willkommen-Rufe”.

Die Karnevals-Unterhaltungen der anderen Kapellmeister waren eher nebensächlich.

„Zum goldenen Steg” und „zum grünen Thor” war Ludwig Morelly, in den Lichtenberg’schen Sälen in Schottenfeld Kapellmeister Adam und in Carl Schwender’s Casino zu Braunhirschen ein neuer Name, Kapellmeister Weber, tätig.

 

In der Fastenzeit waren die musikalischen Produktionen reduziert auf die Sonntags-Nachmittags-Conversationen und auf Soiréen. Wie früher spielte Johann Strauss Vater im k.k. Volksgarten um 4 Uhr, Johann Strauss Sohn in Dommayer’s Casino in Hietzing, wo auch die neuen Blumen-Salons geöffnet wurden, bereits ab 3 Uhr. Und am 15. Februar dürften nicht wenige Anschlags- und Zeitungsleser überrascht gewesen sein als sie lasen:

Johann Strauss Vater leitete indessen sein verstärktes Orchester bei einer musikalischen Soirée zum Besten der Wiener Bürgerspitals-Pfründner am 20. Februar im Odeon. Er „produzierte” dabei besondere gediegene Tonpiecen ernster Art, darunter Werke von Beethoven und Mendelsohn. Die Kritiken für das Odeon wurden freundlicher und offenbar nahm der Besuch zu. Man erwartete 8000 Besucher zu der Soirée.  

Warum allerdings die Soirée am Samstag den 8. März als „letzte musikalische Soirée im Sperl” angekündigt wurde ist unklar. Die ernste Instrumentalmusik stand unter persönlicher Leitung des Herrn Strauss (Sohn) wobei derselbe die Ehre hatte zum ersten Mal eine grande Fantasie : La Pompa di Festa nach Willmer’s Concert-Etude fürs ganze Orchester komponiert vorzutragen. Samstags darauf, am 15. März war nämlich bereits die nächste musikalische Soirée und auf Verlangen die Wiederholung der Aufführung der „grande Fantasie”. Außerdem wurde angekündigt, daß Strauss Sohn neben seinen „beliebtesten Compositionen ernster Gattung” (sein Debüt lag gerade 5 Monate zurück !!)  auch die Stücke Sommernachtstraum von Suppé, Jubel-Ouverture von C.M. Weber und einen großen serbischen National-Marsch persönlich dirigieren werde.

Die Serie der Soiréen mit Strauss Sohn im Sperl wurde am 24. März fortgesetzt. Die grande Fantasie: La Pompa di Festa hat Eduard Strauss 26 Jahre später, am 31. August 1871 in der „Neue Welt” erneut zum Leben erweckt. 

 

Die gleichen ernsten Stücke spielte Johann Strauss Sohn auch zur Begleitung des jungen Pianisten Russo im Musikvereinssaal am 29. März ab halb 1 Uhr mittags. Johann dirigierte mit dem Taktstock ! Der junge italienische Pianist erhielt eine ernüchternde Kritik.

 

Es gab eine weitere Parallele zur Tätigkeit des Vaters. Ab dem 6. April fanden sonntags abends ab halb 8 Uhr öffentliche Bälle, die sogenannten Castrol-Bälle  in den Sälen zum Sperl statt. Die neuesten und beliebtesten Compositionen wurden vom Orchester-Personale des Strauss (Sohn) zur Aufführung gebracht.

 

Diese Einnahmequelle ließen die beiden Sträusse ihren Musikern zukommen und die Sperl-Wirte legten keinen Wert auf die persönliche Anwesenheit der Herren Capellmeister am Sonntag Abend ? Jedenfalls hatte Johann Strauss Sohn am Sonntag abend frei.

 

Ende März berichteten die Zeitungen, daß der Herr Capellmeister Johann Strauss von dem dirigierenden Rat der 261 Jahre alten Kongregation und Akademie zur heiligen Cäcilia der Meister und Professoren der Musik zu Rom in Anerkennung seines vollen Wertes in Bezug auf Kunst und musikalische Wissenschaft zum Ehren-Professor der Akademie in der Klasse der Kompositoren der Instrumentalmusik ernannt wurde. Das diesfällige Diplom wurde übersendet.

Als Johann Strauss Vater seine letzte Nachmittags-Conversation im k.k. Volksgarten dirigierte, diese letzte wurde als Soirée bezeichnet, war sein junger Sohn auf seiner ersten Kunstreise. Viel ist über die Reise nicht bekannt. Nach einem Bericht der Grazer Zeitung soll er im dortigen Coliseum in Withalms Benedictsburg mit 36 Musikern vom 13. bis 17. April drei Soiréen vor 1000 Personen, und eine vierte, letzte zum Vorteil der Orchestermitglieder geleitet haben. Beides scheint nicht haltbar. Die Wiener Zeitschrift schreibt von 6 Produktionen bei nicht sehr zahlreichem Besuche und kritisiert die Werke des jungen Strauss, konstatiert aber daß „die Gesellschaft immerhin als Gasthausmusik genügen” wird. Den Forderungen an ein Künstler- Ensemble hat sie allerdings nicht entsprochen.

 

In Graz und wahrscheinlich überall sonst, nahm Johann Strauss Sohn auch Werke seines Vaters in seine Programme auf.

 

In Dommayer’s Casino vertrat ihn Joseph A. Adam. Auch während seiner Reise wurde sein Orchester-Personal am Sonntag Abend im Sperl angekündigt. Sicherlich hatte er nicht so viele Musiker unter Vertrag als daß er mit 36 Mann reisen konnte und zu Hause ein volles Orchester zurück lies.

 

Der Vater wechselte an den Sonntag Nachmittagen in Unger’s Casino nach Hernals wo auch bei ungünstiger Witterung Unterhaltungen garantiert waren.

Ende März wurde Böhmen und die Hauptstadt Prag von einer Überschwemmung heimgesucht.  Im Prager Moldauabschnitt wurde vom 28. bis 30. März, nach einem langen und strengen Winter, als eine überraschende Warmfront mit Regen kam eine Durchflußgeschwindigkeit von 4500 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Bei der Karlsbrücke erreichte der Fluß eine Breite von einem Kilometer.  Rund 7000 Einwohner mußten evakuiert werden. Mehr als 3100 Häuser wurden überschwemmt. Dies war das dritthöchste Hochwasser, das Prag je gesehen hat.

 

Im Odeon-Saal wurde mit allerhöchster Bewilligung ein Maskenball in Verbindung mit einer gewinnreichen großen Lotterie zum Besten der durch die Überschwemmung verunglückten Bewohner Böhmens veranstaltet. Die Annonce würde dieses Format sprengen. Die Lotterie-Gewinne wurden um Mitternacht gezogen und der Anfang durch Trompeten- und Paukenschall verkündet. Der gesamte Vorgang der Verlosung wurde umständlich beschrieben, schließlich wurde mitgeteilt, daß die Tanzmusik unter der persönlichen Leitung des Herrn Capellmeister Johann Strauss Vater (!!) steht und der Ball um 9 Uhr beginnt und um 3 Uhr morgens endet. Dies an einem Montag ! Der Feuerwerker Stuwer hat die Zufahrt entsprechend beleuchtet und eine Regiments-Capelle hat mitgewirkt. Ein eigens für diesen Ballabend componierter Walzer ist nicht bekannt. Unterschrieben war die Anzeige von dem Präsidium des Magistrates der k.k.  Haupt- und Residenzstadt Wien.

Die Vorbereitungen für die Frühlings- und Sommersaison waren indeß abgeschlossen. Johann Strauss Vater leitete ab dem 29. April jeden Freitag und Dienstag ab 5 Uhr die Musik bei großen Soiréen im k.k. Volksgarten, selbst bei ungünstiger Witterung. Strauss Sohn vom 1. Mai an jeden Mittwoch und Sonnabend die Musik bei Soiréen und gemäß der Anzeige von Franz Gilch, jeden Sonntag Abend bei öffentlichen Bällen im Sperl. Sonntags war Strauss Sohn aber bereits von Nachmittags 3 Uhr bis nachts 10 Uhr in Dommayer’s Casino verpflichtet.         

         

Bleibt wieder die Frage, wie organisierte der junge Kapellmeister dies, wo nahm er die Musiker her um zwei Orchester zu unterhalten, waren bei den Veranstaltungen mitunter nur vergrößerte Kammerorchester im Einsatz, war sonntags abends „im Sperl” doch nur das jeweilige Personal der Herren Strauss  tätig ?

So sah der Terminkalender von Vater und Sohn Johann Strauss ab Juli für den Rest des Sommers aus.

 

Johann Strauss Vater

 

Johann Strauss Sohn 

Dienstag: große Soirée im k.k. Volksgarten  
Mittwoch: Soirée im Odeon Soirée im Sperl
Donnerstag:

unregelmäßig Nachmittags-Unterhaltung in Unger's Casino

ab 5.6. Soirée zum großen Zeisig

25.6. Soirée Dommayer
Freitag: große Soirée im k.k. Volksgarten 2 x Soirée bei Zögernitz
Samstag: Soirée zu den 7. Churfürsten Soirée im Sperl
Sonntag: manchmal Nachmittagsconversation         in Unger’s Casino Große Soirée in   Dommayer’s Casino + öffentlicher Ball im Sperl
Montag:

musikalische Nachmittags-Unterhaltung

in Unger´s Casino, unregelmäßig

2 Soiréen zum großen Zeisig

 

Im Odeon zog freitags die Musik-Capelle Hoch- und Deutschmeister mit Philipp Fahrbach ein, Carl Bendl donnerstags im Gasthaus-Garten und Salon zum goldenen Widder in der Leopoldstadt.

 

Die Not in Böhmen war extrem groß und überall wurden Veranstaltungen zur Unterstützung der Notleidenden geplant, angekündigt und ausgeführt. Die nächsten an denen Johann Strauss Vater seine kostenlose Teilnahme zusagte waren zwei dramatische Theater-Vorstellungen in französischer Sprache die mit allerhöchster Bewilligung im Theater des k.k. Schlosses zu Schönbrunn von einem gesellschaftlichen Vereine am 5. Mai aufgeführt wurden. Der Ertrag floß je zur Hälfte an die Verunglückten im Leitmeritzer Kreis in Böhmen und in die San- und Weichselgegend in Galizien. Strauss besorgte die Musik zu Anfang und in den Zwischenakten. Der Ertrag der beiden Vorstellungen belief sich auf stattliche 6700 fl. und dem Herrn Capellmeister wurde, ebenso wie dem Hoftheater-Costum-Director öffentlich der Dank der veranstaltenden Gesellschaft ausgedrückt.

 

Am 7. Mai fand eine musikalische Abendunterhaltung am Wasser-Glacis nebst dem Carolinenthore zum Besten der durch die Überschwemmung in Böhmen Verunglückten statt. Neben dem Strauss-Orchester wirkte auch die  Musik-Capelle Hoch-und Deutschmeister unter Philipp Fahrbach mit. Das Fest wurde am 14. Mai wiederholt.

Am 8. Mai  wurde Strauss Vater die Ehre zu Teil bei dem alljährlich stattfindenen Rosenfest des allerhöchsten Hofes im Kaisergarten auf der Bastei von 1 Uhr mittags bis 6 Uhr Abends die Musik zu dirigieren.

Am 10. Mai fand eine Wohltätigkeits-Soiree in den Sälen zum grünen Thor statt. Welchem Zweck der Ertrag zukam wurde nicht erwähnt, vermutlich ebenfalls den Hochwasseropfern Böhmens, Strauss Vater leitete die Musik.

Mit Franz Unger hatte Johann Strauss Vater offenbar eine flexible Abmachung. In seinem Casino leitete Strauss an unterschiedlichen Tagen und zu verschiedenen Veranstaltungen die Musik, aber nie regelmäßig.

 

Mit Unger schien Johann Strauss Vater eine freundschaftliche Beziehung zu pflegen. Später, im Mai 1849 während sich Johann Strauss in England aufhielt, beantragte Emilie Trambusch beim Wiener Magistrat einen für sechs Monate gültigen Reisepaß nach London. Ihr Cavent (Bürge und Auskunftgeber) war der Inhaber des Hernalser Casinos Franz Unger.

 

Das erste große Fest der Saison im k.k. Volksgarten unter dem Titel „Willkommen dem Frühling” fand am 13. Mai statt, wieder war die bewährte Kombination Strauss Vater und Ph. Fahrbach für die Musik zuständig. Außerdem nahm der von den Strauss-Soiréen schon ehrenvoll bekannte Flügelhornist Strebinger während seines zweiwöchigen Aufenthaltes in Wien an diesem Fest sowie auch an den Soiréen teil.

Am 15. Mai wurde die 3. Wiener Gewerbsprodukten-Ausstellung, nach 1835 und 1839, eröffnet. Johann Strauss leitete in seiner Funktion als Kapellmeister des 1. Bürgerregiments bei der Feier auf dem Glacis nachmittags, sowie abends bei einem Festmahl im k.k. Redoutensaal die Musik.

 

Für die Ausstellungen wurde ab 1839 das neu erbaute Gebäude der k. k. polytechnischen Instituts verwendet. 1845 wurde wegen der erwarteten Steigerung der Teilnehmer und der Ausstellungsstücke extra eine provisorische Halle aufgebaut.

Das Odeon feierte das Ereignis der Gewerbeausstellung mehrfach. Zur Eröffnung wurde am 19. Mai eine außerordentliche Feier unter dem Titel "Oesterreich´s Glorie oder Huldigung vaterländischer Industrie" mittels eines großen Balles veranstaltet bei dem Johann Strauss Vater mit erheblich verstärktem Orchester und wie bewährt zusammen mit dem Militär-Musik-Corps unter Fahrbach die Musik leitete. Das Fest begann um 7 Uhr, ab 9 Uhr war Ball, das Ende war gegen 4 Uhr vorgesehen. Das Fest sollte auch bei ungünstiger Witterung stattfinden und wurde erstmals am 25. Mai (als „außerordentliche Industrie-Feyer) und später noch öfter, insgesamt 4 mal wiederholt. Für die Eröffnungsfeier komponierte Strauss sein Opus 179  den Walzer „Osterreichische Jubelklänge”.

Am 18. Mai fand ein Maskenball in den k.k. Redoutensälen zum Besten der Opfer der Überschwemmung der Wiener Alservorstadt statt bei dem Johann Strauss Vater im großen Saal, Ph. Fahrbach mit der Regiments-Musik  im kleinen Saal aufspielte. Das Fest erhielt eine äußerst schlechte Kritik denn der Besuch war schwach. Im Sommer wollten nur wenige an einem Maskenballe teilnehmen. Mit den Einnahmen des Festes konnte also den „Nothleidenden unserer Vaterstadt” nur wenig Linderung gewährt werden.

Inzwischen hatte auch Herr Fritsch seinen Gasthofgarten "Zu den sieben Churfürsten" in der Leopoldstadt um ein „geschmackvolles Orchester” erweitert wo Johann Strauss (Vater) künftig ein- oder zweimal pro Woche Soiréen geben wird.

Ab dem 28. Mai begann eine Serie von großen musikalischen Soiréen in den Sommer-Localitäten des Odeon, jeweils mittwochs. Selbstverständlich dirigierte auch dabei Johann Strauss Vater persönlich die Musik.

Auch das diesjährige Namensfest seiner Majestät des Kaisers Ferdinand wurde im k.k. Volksgarten wieder mit einem großen Fest am 30. Mai gefeiert. Wieder wurde die Musik von Strauss  Vater und Ph. Fahrbach organisiert.

Bereits am übernächsten Tag veranstaltete Franz Unger ein Gartenfest mit Ball in seinem Casino und Promenade-Garten, und auch bei diesem Fest wirkte Herr Capellmeister Strauss mit seinem Orchester abwechselnd  mit der Musik-Capelle Hoch-und Deutschmeister mit Ph. Fahrach mit. Johann Strauss präsentierte dabei sein Opus 173, die „Marianka–Polka” zum ersten Mal dem Publikum.

Auch bei dem großen Fest zur Nachfeier des Namensfestes des Kaisers Ferdinand am 3. Juni im k.k. Volksgarten waren Strauss und Fahrbach abwechselnd für die Musik zuständig. Johann Strauss steuerte wiederum ein neues Werk bei, welches den Titel „Melodische Tündeleien - Fantasy nach Willmer's Pompa di Festa” erhielt und erst posthum 1851 unter der Opus-Zahl 251 veröffentlicht wurde.

Ab dem 5. Juni leitete Johann Strauss Vater donnerstags bei musikalischen Soiréen  im großen Zeisig am Burg-Glacis die Musik. Weder in der ersten Annonce noch in allen weiteren Anzeigen für diese Soiréen tauchte der Zusatz „Vater” auf.

Im Odeon wurde am 9. Juni die „ Zweyte außerordentliche Industrie-Feyer” veranstaltet. Am 23. Juni war es nur noch als „außerordentliches Fest mit Ball” angekündigt. Das Arrangement blieb das gleiche wie bei den vorherigen Industrie-Festen.

 

Für die außerordentliche Fest-Soirée zu seinem Benefice  unter der Bezeichngung "Sommernachts-Träume"am 17. Juni im k.k. Volksgarten hatte Johann Strauss Vater wieder ein neues Werk parat. Das Opus 180, der Walzer der ebenfalls „Sommernachtsträume” heist wurde an diesem Abend uraufgeführt und mußte auf Verlangen drei Mal wiederholt werden. Wieder wirkte Ph. Fahrbach mit der Militär-Musik-Capelle mit.  

Im Sperl wurde am 23. Juni ein  „großartiges Neapolitanisches Sommernacht-Fest mit Ball” veranstaltet für welches die Mitwirkung von drei Musik-Chören angekündigt wurde. Die drei Capellen wurden allerdings nicht benannt, sodass nicht sicher ist, ob Johann Strauss Sohn an dem Fest teilnahm. Es wurde auch gleich bei der Ankündigung ein Ausweichtermin im Falle von ungünstiger Witterung am 25. festgelegt. An diesem 25. wurde das Fest auch erneut angekündigt. Eventuell wurde es wiederholt, denn das Wetter am 23. war gut. Schließlich fand es am 30. Juni offenbar noch einmal statt. Wieder ist unklar welche Orchester spielten.

Um jene Zeit suchte J.G. Scherzer senior, der  Besitzer des Sperl per Zeitungsinserat ab Michaeli 1845, also ab dem 29. September, einen neuen Pächter für das Gasthaus zum Sperl nebst den dazu gehörigen Saal-Localitäten.

Sicher ist, daß Johann Strauss Sohn ab 26. Juni auch an Donnerstagen bei großen Soiréen in Dommayer´s Casino von 3 Uhr Nachmittag bis 10 Uhr abends die Musik leitete.

 

Am 1. Juli gab es ein weiteres großes Fest im k.k. Volksgarten, wieder mit den bewährten Strauss Vater und Fahrbach und einem nicht näher erklärten imposanten Fest-Schluß. Ein weiteres Fest mit der gleichen Ausstattung veranstaltete Herr Corti am 15. Juli und entweder noch einmal am 18. Juli oder es fiel am Dienstag aus und wurde Freitag nachgeholt.

Ebenfalls belegt ist die Teilnahme von Johann Strauss Sohn an der außerordentlichen Sommernachts Fest-Soirée am 5. Juli „im Sperl” bei der er sein Opus 12, den Walzer „Jugend-Träume” uraufführte. Der Walzer mußte sechs mal gespielt werden.

In der Besprechung im „Wanderer” am 8. Juli wurde der neue Walzer überschwenglich gelobt und ihnen der „Stämpel der Genialität” aufgedrückt und Strauss Sohn zwischen seinem Vater und Lanner stehend als „dritter im Bunde” der die beiden Elemente versöhnt und vereint, geadelt. Er sei schnell zu einer herrschenden Walzer-Macht geworden.

Das Odeon bereitete sich sehr früh auf die kommende Winter-Saison und den Karneval vor. Bereits für den 6. Juli wurde die vorletzte Eröffnung bis Carneval 1846 mit einem außerordentlichen Fest mit Ball unter der Bezeichnung "Romantische Augenweide" angekündigt. Das Arrangement und die musikalische Direction war die gleiche wie bei den Industrie-Festen. Doch wieder hagelte es Kritik an der geschmacklosen Architektur und Dekoration des Saales, an den hohen Preisen, schlechten Speisen, am warmen und wässerigen Bier, einem Garten der nicht viel größer ist als die Anschlagzettel auf denen groß geworben wurde. Hauptsächlich aber nannte man mangelndes Publikum.

Im Juli organisierte Johann Strauss Vater selbst noch eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Am 10. Juli lud er zu einer musikalischen Abend-Unterhaltung zu Gunsten der durch Überschwemmung in Böhmen Verunglückten am hiesigen Wasser-Glacis nächst dem Carolinen-Thore ein. Er hatte eigens  für diesen Abend einen Walzer mit dem nicht ganz passenden Titel „Heitere Lebensbilder” komponiert. Er erhielt die Opus-Zahl 181. Johann Strauss wartete nicht auf den Ertrag des Festes sondern ging in Vorlage und spendete bereits im April 400 fl. aus dem eigenen Säckel.

 

Er konnte damals kein Lokal für die Abhaltung einer festlichen musikalischen Abend-Unterhaltung  finden in der er glaubte eine (im Verhältnisse zu derlei Unternehmungen) ergiebige Einnahme erzielen zu können. Er wollte das Fest im Monat Mai in Ausführung bringen und hat in Folge dessen den Betrag a Conto obigen Vorhabens an das k.k. Nieder-Oesterreichische Provinzial-Zahlamt erlegt. Das Fest erzielte letztlich einen Reinertrag von 607 fl.

Johann Strauss Sohn konnte ab Juli auch ein weiteres Engagement abschließen. Für den noch freien Freitag Abend vereinbarte er mit Ferdinand Zögernitz die Veranstaltung von großen Soiréen ab 6 Uhr in dessen Casino in Ober-Döbling.

Für die letzte Eröffnung des Odeon bis zum Carneval 1846 wurde ein außerordentliches Fest mit Ball unter der Bezeichnung "Glanzbild aus der Residenzwelt" am Montag den 21. Juli geplant. Die Ausstattung des Festen und der Ablauf waren gleich den vorherigen Festen. Es wirkten wieder die beiden Kapellen Strauss und Fahrbach mit, Anfang des Festes war um  7 Uhr durch Fahrbach im Garten. Strauss leitete ab 9 Uhr die Ballmusik, Ende sollte um 4 Uhr morgens sein. Wiederum ein Montag !

 

Die Sommer-Localitäten im Odeon blieben bis auf weiteres geöffnet und die großen musikalischen Soiréen mittwochs fanden weiterhin statt.

 

Am 20. Juli wurde unwiderruflich auch bei ungünstiger Witterung ein großer Fest-Ball  als Eröffnungs-Feier der neu renovierten Säle und des Gartens im Josephstädter Theatergebäude "Zum goldenen Strauß" abgehalten. Johann Strauss (Sohn) dirigierte die Musik von halb 9 Uhr bis 5 Uhr früh und componierte für den Abend eigens einen neuen Walzer unter dem Titel „Sträußchen”, sein Opus 15 den er fünf mal spielen musste.

 

Das Fest fiel auf einen Sonntag,  an dem der junge Herr Kapellmeister ab Nachmittag eine große Soiree in Dommayer´s Casino bis  10 Uhr abends zu bedienen hatte und an dem abends ein öffentlicher Ball in den Sälen zum Sperl stattfand für den sein Orcheserpersonal ab halb 8 Uhr angekündigt war. Alle 3 Veranstaltungen wurden in der Wiener Zeitung auch für Sonntag den 20. Juli annonciert. Zwischen halb 8 und 10 Uhr müssten also 3 Orchester von Johann Strauss Sohn gleichzeitig im Einsatz gewesen sein.

Irgendwann in diesem Zeitraum erlebte auch Johann Strauss Sohns „Czechenpolka”, das Opus 13 seine Uraufführung. Es könnte bei der besagten Eröffnungs-Feyer der „Sträußl-Säle” am 15. gewesen sein. Darauf wird aber weder in der Anzeige hingewiesen, dort wird nur der Walzer Sträußchen erwähnt, noch paßt der Titel, eine Reminiszenz an die tschechische Minderheit in der Bevölkerung Wiens, zu dem Anlaß. Ein anderes hier und da erwähntes Datum für die Uraufführung ist der 21. Juli „im Sperl”. Dort war aber für den fraglichen Tag entgegen der sonstigen Gewohnheit, keine Veranstaltung angezeigt.

 

Auch das Annenfest, der Namenstag aller Annen und der der Kaiserin Maria Anna (und der Mutter Strauss und der ältesten der beiden Strauss-Schwestern) am 26. Juli, wurde, mit einer Vorfeier am 25. im k.k. Volksgarten, wie jedes Jahr gebührend gefeiert. Augustin Corti nutzte das Arrangement der vergangenen Feste, zwei Kapellen und ein imposanter nicht näher beschriebener Schluß. Johann Strauss hatte erneut ein neues Werk komponiert und er trug abends die „Amoretten Quadrille”, sein Opus 183 neben der Ouverture zur Oper Faust von L. Spohr erstmals vor.

Am 27. Juli fand in Unger´s Casino und Promenade-Garten ein weiteres großes Gartenfest mit Ball statt. Wieder spielte Strauss abwechselnd mit Fahrbach.

Am 28. Juli sollte die traditionelle Abendunterhaltung am Wasser-Glacis vor dem Carolinen-Thore zur „Feyer des Allerhöchsten Nahmensfestes Ihrer Majestät der Kaiserinn” zum Vorteile des k.k. Waisenhaus-Fonds stattfinden. Neben Johann Strauss Vater der in Berücksichtigung des edlen Zweckes schon seit Jahren mitwirkte, sollte die Regiments-Kapelle Hoch- und Deutschmeister mit Ph. Fahrbach im Kiosk abwechselnd mit Strauss die beliebtesten Musikstücke vortragen. Das Wetter vereitelte das Fest und es wurde am 4. August gefeiert.

Außer den üblichen Anschlagzetteln wurde das „außerordentliche Thyroler Freuden-Fest” das am 13. August auf dem Tivolihügel geplant war auch mittels eines großen Luft-Ballons als Fest-Telegraph angekündigt. Am Jahrestage der Schlacht am Berg Isel und als denkwürdige Erinnerung an Andreas Hofer war „in dem ehemals so beliebten Erlustigungsorte Tivoli” das Fest geplant bei dem Johann Strauss Sohn seine Novitäten, den „Patriotenmarsch”, Opus 8 und den Walzer „Berglieder”, Opus 18 erstmals zur Aufführung bringen sollte. Abwechselnd mit Strauss sollte das Musik-Corps des k.k. 3ten Jäger-Bataillon unter der Leitung von Capellmeister Sobieslawsky neueste Musikstücke executieren.  Das Fest musste wegen Regen auf den 18. August verschoben werden.

 

Am 25. August wurde es als „Nach-Feyer des Tyroler-Freuden-Festes als denkwürdige Erinnerung an Andreas Hofer” erneut veranstaltet.

Das großes Fest zum Besten der Beschäftigungsanstalt für erwachsende Blinde im k.k. Volksgarten mit dem bewährten Arrangement und zwei Musik-Kapellen am 12. August konnte ungestört vom Wetter abgehalten werden. Ebenso die nächsten Feste im gleichen Stil am 22. und 26. August.

 

Ferdinand Dommayer nutzte die Anwesenheit der beiden Musik-Chöre die im Tivoli das Tiroler-Fest begleiteten und engagierte beide für eine Serie von Soirée Dansante ab dem 14. August in seinem Casino im benachbarten Hietzing, welche er anstelle der vorherigen großen Soiréen donnerstags veranstaltete. Strauss Sohn leitete die Tanzmusik und bei günstiger Witterung spielte das Militär-Corps im Garten.

Zur Feier des Kirchtages veranstaltete Franz Unger am Sonntag den 24. August eine große musikalische Nachmittags-Unterhaltung unter Teilnahme der Kapellen Strauss Vater und Fahrbach und am Montag den 25. August ein großes Fest mit Ball. Fahrbach exekutierte die Musik in Garten, Strauss die Ballmusik.

Die kommenden Wochen wurden für Johann Strauss Vater richtig geschäftig. Er plante seine nächste Reise, hatte aber vorher eine ganze Serie von Festen die er selbst veranstaltete oder bei denen er die musikalische Begleitung zusagte und er führte auch noch weitere Erstlingswerke auf.

 

Am 31. August veranstaltete Franz Unger anstelle der Nachmittags-Conversation ein weiteres großes Fest mit Ball und Johann Strauss führte sein Opus 182, den Walzer „Der Landjunker” erstmals auf.

Schon tags darauf erfolgte eine ausnahmsweise Eröffnung des Odeon mit einem großen Festball von dessen Ertrag ein „Fünftheil zum Besten der durch Hungersnoth Bedrängten des Arvaer Comitates” bestimmt war. Fahrbach spielte bei günstiger Witterung ab 7 Uhr im Garten, der Ball unter Strauss begann um halb 9 Uhr im voll beleuchteten Saal. 

Auch >zum goldenen Strauß< im Josephstädter Theatergebäude wurde am 31. August eine Soirée mit Ball veranstaltet. Im Falle günstiger Witterung war im Garten ein Trompeter-Chor, ab präcise 6 Uhr vorgesehen, der Ball mit Strauss Sohn begann im Saal präcise um halb 8 Uhr, also während ein Teil seines Orchesters noch bei  der Soirée in Dommayer´s Casino tätig war.

Für die Veranstaltung einer großen musikalischen Abend-Unterhaltung am 3. September „zum Besten des unter dem hohen Protectorate Ihrer kaiserl. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzoginn Sophie stehenden Kinderspitals zu St. Joseph auf der Wieden” am Wasser-Glacis erhielt der Capellmeister J. Strauss die hohe Bewilligung sicherlich problemlos. Und auch für diesen Abend hatte er ein Erstlingswerk, die „Stradella-Quadrille”, Opus 178, parat. Sein Freund Ph. Fahrbach wechselte wieder mit ihm ab. Das neue Werk bestand aus Melodien aus der Oper „Alessandro Stradella” von Friedrich von Flotow mit der drei Tage zuvor das renovierte Theater an der Wien unter dem neuen Eigentümer Franz Prokorny eröffnet wurde.

Vermutlich war Strauss Vater auch in seiner Funktion als Kapellmeister des 1. Bürgerregimentes bei einem Dankfest zur Befreiung Wiens von der Pest im Jahre 1679, bei dem das Musik Chor des 1. Bürgerregimentes zum ersten Mal in ihrer neuen Uniform ausrückte, am 8. September tätig.

 

Johann Strauss Sohn wurde im Sommer die seit Joseph Lanners Tod verwaiste Stelle des Kapellmeisters des 2. Bürgerregimentes übertragen. Er honorierte dies mit dem am 19. August bei dem Tiroler-Fest im Tivoli erstmals vorgetragenen „Patrioten-Marsch”, den er „Dem Officiers-Corps des löbl. 2ten Wiener Bürger Regimentes” widmete.

 

Bürgerregimenter gab es in Wien schon zu Zeiten der napoleonischen Freiheitskriege. Ihre Aufgabe bestand in der Bewachung und Verteidigung der Haupt- und Residenzstadt, meistens angesichts der gegnerischen Stärke ein hoffnungsloses Unterfangen. Als „folkloristische” Attraktion konnte man die farbenprächtig bekleideten und aus Freiwilligen bestehenden Bürgerregimenter bis 1948 in der Kaiserstadt bewundern. Nach der Niederschlagung der Revolution wurden sie verboten und aufgelöst.

 

Für das außerordentliche Fest zu seinem Benefice am 14. September im k.k. Volksgarten warb Strauss Vater schon 10 Tage im Voraus. Er nannte das Fest wie im Vorjahr „Eine Redoute im Freyen” und kündigte ein ganz verändertes effectvolles, dem Titel entsprechendes Arrangement an das eine freudige Augenweide dargeboten haben soll. Näheres ist nicht bekannt. Strauss führte sein Opus 185, die „Sofien-Tänze” erstmals auf. Für dieses Fest wurde Fahrbach nicht angekündigt.

Johann Strauss Sohn bezeichnete sein Benefice am 15. September „Lustlager im Sperl!” , wofür der Garten, die unteren Säle und das obere Lokal des Sperl für dieses  außerordentliche Fest mit Ball bei überraschender charakteristischer Ausstattung benutzt wurden. Ab halb 7 Uhr spielte ein Regiments-Musik-Corps im Garten. Vor Beginn des Balles war großer  Zapfentreich geplant wobei Strauss´ Patriotenmarsch von 80 Mann ausgeführt wurde. Die Ballmusik sollte Strauss Sohn persönlich leiten, aber weder am 15. noch bei der Neuansetzung am 21. September lies die ungünstige Witterung das Fest bei voller Ausstattung zu. Endlich konnte es am 24. September beim dritten Versuch ungestört stattfinden.

Die Besprechungen der beiden Benefice-Feste kritisierten, daß  im Sperl wo die Beleuchtung und die Musik im Garten witterungsbedingt unterbleiben mußte, letztere nicht in die unteren Säle verlegt wurde, weil die Gäste dort aus dem fernen Ballsaal nichts von der Musik hören konnten und trotzdem das ganze Entrée bezahlen mussten.

Dann schritt die Sommer-Saison unwiderruflich dem Ende entgegen.

 

Am 20. September fand bereits die letzte große musikalische Soiree in den Speisegärten zu den "Sieben Churfürsten" und am 26. September das letzte Fest des Jahres im k.k. Volksgarten statt. Die letzte große musikalische Abend-Unterhaltung am Wasser-Glacis welche „Capellmeister Johann Strauss zum Besten des unter dem Allerhöchsten Schutze Ihrer Majestät der regierenden Kaiserinn Maria Anna stehenden ersten Kinderspitals zu geben die Ehre hatte” und bei der 3 Musik-Chöre mitwirkten fand am 22. September statt.  Das Fest erzielte einen Ertrag von 439 fl. 42 kr., auch deshalb weil Strauss auf sein und das Honorar seiner 30 Musiker verzichtete.

Am 2. Oktober veranstalte der neue Direktor des Theater an der Wien eine Serenade für den Sänger des Theaters Herrn Staudigl, wobei Johann Strauss Vater, ein Männerchor und eine „Regimentsbande” tätig waren.

 

Angesichts der durch die Überschwemmungen entstandenen Not eröffnete das Odeon ein weiteres Mal für einen großen Fest-Ball am 5. Oktober. Ein Teil des Ertrages war für die Betroffenen in Galizien bestimmt. Der Besuch war zahlreich.

Bei der letzten Fest-Soirée am 9. Oktober in Unger´s Casino spielten Franz Morelly der aus Pest vorübergehend in Wien war und Johann Strauss Vater abwechselnd. Nach der letzten Nachmittags-Unterhaltung „beim Unger” am 12. Oktober brach Strauss zu seiner nächsten Konzertreise auf.

Die Reise ging zunächst nach Prag, Reichenberg, Zittau, Dresden und Magdeburg. In Wien vertraten ihn Philipp Fahrbach, Franz Schröder und Carl Bendl  abwechselnd im k.k. Volksgarten

Während der Abwesenheit fanden in Wien nur die üblichen Conversationen und Soiréen statt.

Johann Strauss Sohn leitete weiterhin die Musik bei den großen Soiréen Sonntag Nachmittags in Dommayer´s Casino. Weitere Veranstaltungen lassen sich nur aus der Opus-Liste ableiten. Am 15. Oktober soll der Jahrestag des Debut in Dommayer´s Casino gefeiert worden sein. Zu diesem Anlaß soll Strauss Sohn sein Opus 19, die „Dämonen-Quadrille” uraufgeführt haben. Das Opus 10, die „Liebesbrunnen-Quadrille”, nach Themen aus der am 4. November im Theater an Wien erstmal aufgeführten Oper „Der Liebesbrunnen” des englischen Komponisten Michael William Balfe soll am 9. November im Zweiten Caféhaus im Prater erstmals vorgetragen worden sein. Für diese Veranstaltung, wie überhaupt für ein Engagement von Johann Strauss Sohn im Prater in der fraglichen Zeit gibt es keine Belege.

 

Die Tätigkeiten der anderen Wiener Kapellmeister während der zu Ende gegangen Saison waren:

 

Lindenbauer´s, später Fuchs´sches Casino in Simmering: Regiments-Musik Wasa

Brauhaus zu Hütteldorf: Friedrich Fahrbach

Lichtenthaler Bier-Salon: Franz Schanner

Brauhaus-Garten Neuling, Bierquelle Hernals und zum wilden Mann in Favoriten: Franz Ballin

Zögernitz´s Casino: Franz Schröder  und J.A. Adam

Zu den fünf Lerchen unter den Weißgärbern: Carl Reiterer und J.A. Adam

Universum: Philipp Fahrbach und Carl Bendl

 

Ludwig Morelly hielt sich in Baden auf und leitete dort die Musik bei Bällen auf der Hauswiese im Helenthal und die Ballmusik >zum goldenen Stern< in Laxenburg während des Kirchtages.

 

Johann Strauss Sohn trat also eindeutig in den gehobeneren Lokalen auf, er hatte also die anderen Kapellmeister bereits nach einem Jahr an Popularität und Beliebtheit überflügelt.

So viele Strauss-Freunde haben bisher meine Baustelle besucht

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© Claus Kegel, Bukarest 2016