1852

 

Zum Jahresbeginn fanden an Sonn- und Feiertagen, beginnend am 1. Januar wieder überall in Wien Nachmittags-Unterhaltungen oder Soiréen statt. Im k.k. Volksgarten wurde, wie in den Vorjahren Johann Strauss persönlich angekündigt. In Unger´s Casino dirigierte Ludwig Morelly, in Dommayer´s Casino Philipp Fahrbach und im Wien-Gloggnitzer Bahnhof Herr Capellmeister Rosenberg.

 

Am Samstag den 3. Januar veranstaltete Unger in seinem Casino in Hernals eine große Fest-Soirée deren Ertrag zum Brennholz-Ankauf für die Armen im dortigen Polizeibezirk bestimmt war und bei der Johann Strauss die Musik persönlich dirigierte.

Die Direktion des Sofienbad-Saales kündigte besondere Bälle an „welche sie auf eigenthümlich überraschende, und für auserlesen glänzende Versammlungen berechnete Art auszustatten“ gedachte. Dies waren sogenannte Rosen-Mädchen-Bälle nach Art der diesfälligen, volksthümlichen Feste im südlichen Frankreich und derzeit auch in Paris mit einer splendiden Preis-Vertheilung für die anwesenden Damen, in jeder Woche des Carnevals einer, weiters der großartige geschlossene Kronländer-Ball in der letzten Woche des Carnevals, ferner ein großer Boulevards-Ball unter dem Titel „Ein Abend in Paris“ und alle Samstage im Carneval ein Piquenique-Ball, insgesamt 7 Stück. Die Ballmusik hatte der beliebte Herr Kapellmeister Johann Strauss übernommen.

In der Bierhalle begann ab dem 8. Januar eine Serie von Conversationen des Kapellmeister Strauss, die in der Faschings-Saison unterbrochen wurde, in Engländers neu und elegant decorierten, mit Gas beleuchteten Localitäten fand zur gleichen Zeit jeden Donnerstag Soirée einer Blindenkapelle statt. Die Soiréen in der Bierhalle wurden aber in der Folge nicht mehr angezeigt. An Donnerstagen war Johann Strauss jedenfalls nicht anderweitig beschäftigt.

 

Die Kaiserin Mutter, Erzherzogin Sophie veranstaltete bereits am 7. Januar einen ersten Ball in ihren Appartments. Die Bälle sollen regelmäßig immer mittwochs stattgefunden haben. Wer die Musik leitete ist nicht überliefert. Nach der hohen Weisung der durchlauchtigsten Frau endete der Ball um halb 2 Uhr.

 

Bei einem Ball im Palais Coburg in Wien am 10. Januar spielte Strauss vermutlich sein Opus 104, den Walzer „Windsor-Klänge“, den er der Königin Victoria von Großbritannien und Irland widmete, zum ersten Mal.

 

Strauss spielte im Herbst 1851 schon einmal im Palais Coburg in Wien, führte dabei sein Opus 102 die „Albion–Polka“, die er dem Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha widmete, erstmals auf.

 

Das Palais Coburg und die Häuser Sachsen-Coburg:

 

Ferdinand Georg August von Sachsen-Coburg-Saalfeld (* 28. März 1785 in Coburg; † 27. August 1851 in Wien) war ein Prinz von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Begründer des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry und General der Kavallerie in österreichischen Diensten. Sein ältester Sohn Ferdinand wurde 1837 König von Portugal und sein Enkel Ferdinand 1887 König von Bulgarien.

 

Ferdinand war ein Bruder von Leopold der 1831 König der Belgier wurde, und ein Onkel von Albert, Prinzgemahl der britischen Königin Victoria. Sein Bruder Ernst folgte 1806 dem Vater als Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Zum Stammsitz der katholischen Linie des Hauses machte Ferdinand das Palais Coburg in Wien

 

Herzog Ernst war der Vater von Prinz Franz Albrecht August Karl Emanuel von Sachsen-Coburg und Gotha, Herzog zu Sachsen, genannt Albert, Ehemann Königin Victorias von Großbritannien und Irland und seit 1857 britischer Prinzgemahl.

Das Haus Sachsen-Coburg-Gotha, in Person Prinz Ernst II Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, der protestantischen Line des Hauses und ältester Bruder von Prinzgemahl Albert sollte im späteren Leben des Walzerkönigs noch eine bedeutende Rolle spielen.  Was der Anlass für die Feste und die Widmungen damals 1851 und 1852 waren ist unbekannt.

Im Eilisum, wo Franz Ballin 1852 für die Ballmusik und Kapellmeister Liehmann für die Concertmusik zuständig waren begannen die Faschingsbälle am 11. Januar, in den anderen Sälen um die Mitte des Monats. Der erste Rosen-Mädchen-Ball im Sofienbad-Saal fand am 20. Januar statt. Die Damen durften zum Beginn der Ruhestunde aus einer Vase mit lauter roten Rosen und nur einer weißen je eine Rose ziehen. Die Dame welche die weiße Rose zog war die Rosen-Königin und erhielt ein wertvolles feingoldenes Armband, der sie begleitende Herr ein Cigarren-Etui.

 

Am Mittwoch den 14. lud die Erzherzogin Sophie zu einem Kammerball ein zu dem auch der Kaiser erschienen war. Entweder bei diesem oder bereits beim Hofball mittwochs zuvor hat gemäß der Meldung des „Humorist“ der junge Strauss zum ersten Male bei Hofe gespielt.

Nach anderen Berichten soll er bei diesem Kammerball mit 10 Musikern zum Tanz aufgespielt haben.

 

Wer bei dem Ball der Gesellschaft der adeligen Frauen im k.k. Redoutensaal am 13. Januar, bei dem ersten großen Hofball am 17. Januar, bei dem Ball beim bayrischen Gesandten am 18. Januar und beim dritten Ball in den Appartments der Erzherzogin Sophie am 21. Januar die Musik dirigierte ist nicht überliefert.

 

Bei dem Kammerball bei Hof am 28. Januar soll wieder Johann Strauss mit 10 Musikern für die Produktion der Tanzmusik engagiert gewesen sein.

 

Für den Fest-Ball der Militär-Zöglinge des k.k. Thierarznei-Instituts am gleichen Abend im Sperl  wurde ebenfalls Strauss angekündigt. Die Annoncen für die Bon-Bon und Fest-Bälle in diesem Lokal waren in diesem Carneval sehr klein und die Orchester wurden nicht genannt. Wenn Strauss nicht alle Bälle in der Nachbarschaft zum Hirschenhaus geleitet hat, so sicherlich doch einige, wie zum Beispiel den Rabensteiner Ball am 26. Januar. Der Tanzlehrer wohnte in der Sperlgasse 249, war also Nachbar zur Familie Strauss und zum Sperl und war mit Johann befreundet.

 

Ab Februar leitete Strauss auch jeden Mittwoch die Musik zu Frohsinns-Bällen und jeden Sonntag zu Fest-Bällen zum goldenen Strauß im Theatergebäude in der Josefstadt.

 

Der Februar wurde für den 26-jährigen Strauss strapaziös. Er begann am 1. mit der musikalischen Nachmittags-Unterhaltung im k.k. Volksgarten. Am 2. fand die Carnevals-Festnacht der Najaden verbunden mit einem Rosen-Mädchen-Ball im Sofienbad-Saal statt. Auf dem Juristenball am 3. führte er ebenfalls im Sofienbad-Saal erstmals sein Opus 105, den Walzer „Fünf Paragraphen aus dem Walzer-Codex“, den Herren Hörern der Rechte an der Hochschule zu Wien gewidmet auf, der „den Prozeß mit dem Tanzenden gewann“.

Tags darauf beim Ball der protestantischen Gemeinde, wiederum im Sofienbad-Saal erschien bereits sein nächstes neues Werk, das Opus 106, die „Harmonie–Polka“, der protestantischen Gemeinde in Wien gewidmet. Am gleichen Abend, dem 4. Februar soll Strauss aber auch in dem städtischen Redouten-Saal in Preßburg bei einem Künstler-Ball für die Witwen und Waisen von Künstlern mit seiner ganzen Kapelle die Musik persönlich dirigiert haben. Die Entfernung ist zwar nur knapp über 60 Kilometer, aber 1852 gab es noch keine Bahnverbindung zwischen den beiden Städten.   

Am 5. Februar müsste er bei der Conversation in der Bierhalle gespielt haben, am 6., wie immer freitags, waren keine Veranstaltungen. Am 7. Februar soll Strauss beim zweiten Hofball des Carnevals in der Wiener Hofburg mit  34 Musikern sein Opus 116, die „Hofball-Quadrille“ uraufgeführt haben. Am gleichen Abend müsste auch ein weiterer Piquenique-Ball im Sofienbad-Saal stattgefunden haben.

 

Auch wenn nicht alle Bälle oder die Teilnahme von Johann Strauss lückenlos zu rekonstruieren sind ist doch klar, dass Strauss auch in den beiden letzten Karnevals-Wochen, Faschings-Dienstag war am 24. Februar an jeweils sechs Tagen der Woche, und meistens bei mehreren Bällen an einem Abend vor dem oder vor einem der Orchester stand und geigte und dirigierte.

 

Am 8. Februar zunächst bei der musikalischen Nachmittags-Unterhaltung im k.k. Volksgarten, abends bei einem Fest-Ball zum Sperl, bei dem er unter anderem den Walzer „Frauenkäferl“ spielte,  beim Slaven-Ball im Sofienbad-Saal und bei einem Fest- oder Frohsinnsball >zum goldenen Strauß<. Letztere Bälle fanden möglicherweise schon früher während des Faschings abwechselnd als Fest- oder Frohsinnsball im Theater-Gebäude in der Josephstadt statt. Die erste bekannte Anzeige stammt aus dem „Humorist“ vom 8. Februar

Auch „im Sperl“ war der Ball am 8. Februar einer der ersten unter Beteiligung von Strauss und es sind nur wenige weitere bekannt. Da Strauss am 17. einen Benefizball im Sperl zugestanden wurde ist anzunehmen, daß er in diesem Fasching auch in der Leopoldstadt häufiger die Musik leitete. Samstags fanden im Sperl Bon-Bon Bälle und Sonntags Fest-Bälle statt.

 

Am 9. Februar führte er im Sperl sein Opus 102 die „Albion-Polka“ bei einem Gesellschaftsball zum Besten des Armenversorgungshauses der Leopoldstadt und Jägerzeile erneut auf.

 

Am gleichen Abend müsste ein weiterer Rosen-Mädchen-Ball im Sofienbad-Saal stattgefunden haben.

 

Tags darauf veranstaltete Johann Strauss dann seinen Benefice-Ball in der Marxer Gasse und vermutlich hörten auch die nicht privilegierten Wiener an diesem Abend erstmals die „Windsor-Klänge“.

Am 11. folgte der Technikerball, ebenfalls im Sofienbad-Saal. Den Herren Hörern der Technik in Wien widmete Strauss sein Opus 110, die Polka „Electro-Magnetische“. Sicher gab es negative Stimmen darüber, daß die Herren Techniker, deren Bälle zu den Elitebällen gehörten, keinen Walzer als Widmungskomposition erhielten. Vielleicht hat Johann Strauss die Erstaufführung gar nicht selbst dirigiert, denn am gleichen Abend fand auch ein weiterer Kammerball bei Hof statt bei dem er  mit 10 Musikern die Musik gestellt hat und ein Fest- oder ein Frohsinnsball zum goldenen Strauß.

 

Von der letzten Karnevalswoche sind noch zu erwähnen: der Bürgerball am 16. im k.k. Redoutensaal bei dem Strauss „Dem hochgeehrten Comité des Bürgerballes“ das Widmungswerk, den Walzer „Die Unzertrennlichen“, Opus 108 uraufführte, der Benefice-Ball des Johann Strauss am 17. „unter Beigebung einer ganz eigenthümlichen Carnevals-Belustigung bezeichnet: Herz ! Carreau ! Pique !

 

Treffe ! in Verbindung mit mehreren elganten Damen-Preisspenden“, bei dem er die „Tête-à-Tête- Quadrille“, das Opus 109 die er beim Künstlerball in Preßburg uraufführte in Wien vorstellte, tags darauf ein großer Societe Privee Ball in den Wintersälen im Sperl, für den Strauss wie noch vor wenigen Jahren sein seliger Vater als „Sperl, Strauss, Rabensteier, ein famoses Kleeblatt !“ angekündigt wurde, die maskierte Redoute am 19 im k.k. Redoutensaal zum Besten des unentgeldlichen Kinderspitals St. Josef auf der Wieden, ein weiterer Kammerball bei Hof, bei dem mit 10 Musikern spielte, ein großer Maskenball in den k.k. Redoutensälen zum Besten des Vereins zur Gründung von weiblichen Arbeitsschulen, beide am 22. Darüber hinaus begleitete Strauss die Nachmittags-Veranstaltungen in der Bierhalle und im k.k. Volksgarten sowie die regelmäßigen Bälle im Sofienbad-Saal, im Sperl und zum goldenen Strauß.

Am Rosenmontag fand ein großes Pariser Carnevals-Panorama unter der Bezeichnung "Ein Abend in Paris, luxuriöser Boulevard-Ball" im Sofienbad-Saal statt bei dem Johann Stauss sicher die Musik leitete, sowie ein Kavalierball im kleinen k.k. Redoutensaal, ein Ball bei Fürst Schwarzenberg und ein öffentlicher Ball zum goldenen Strauß von denen keine Details überliefert sind. Der Karneval endete mit der wohltätigen „Faschingsdienstags-Redoute zur augenblicklichen Aushilfe für Notleidende“ in den k.k. Redoutensälen. Ob Strauss die Musik leitete ist nicht bekannt.

 

Am Ende des Carnevals hat Johann Strauss sieben neue Compositionen zur Aufführung gebracht, wovon, wie die Musikzeitung schrieb jede dieser die anderen an Originalität und Melodienreichtum überbietet.

 

Ein interessantes Details über die Organisation der Bälle mit „voraussichtlich übergroßem Andrange“ im Sofienbad-Saal sind die „Verhaltens-Vorschriften“ welche das Comité des am 8. Februar veranstalteten Slaven-Balles in der Presse „in geneigte Erinnerung zu bringen“ sich erlaubte.

  1. Bei der Hinfahrt möge das Fahrgeld an den Fiaker noch beim Einsteigen vom Hause berichtigt werden, damit beim Aussteigen kein Aufenthalt geschehe
  2. Für die Abfahrt ist es rathsam, keinen Fiaker in vorhinein zu bestellen, weil die nicht bestellten Fiaker einen eigenen Aufstellungsplatz haben, und auf dem Ruf: „Der erste zwei- oder viersitzig“ ohne Verzug vorfahren.

Vermöge der Taxordnung vom 8. Juli 1850 zahlt man vom Balle im Sofienbadsaale in den Bezirk Landstraße 1 fl., usw.

  1. Es wird ersucht, den Wagen zur Abfahrt erst dann anrufen zu lassen, wenn man in der Garderobe bereits die Kleidung übernommen und sich ganz fertig gemacht hat, weil der vorfahrende Wagen in der Halle nicht stehen bleiben darf, sondern bei der mindesten Verzögerung abfahren und sich dann neu einreihen muß.
  2. Bei der Abfahrt möge man nicht aus der Halle früher heraustreten, bevor nicht der Wagen vorgefahren ist, weil sonst die Passage in der Vorhalle gehemmt und ein daraus entstehender Andrang selbst mit Gefahr verbunden ist, wenn man nämlich, da es zur Halle drei Ausgangstüren gibt, und es nicht bestimmt werden kann, bei welcher Thüre der angerufene Wagen anhält, dann genöthigt wäre, in der rauhen Luft im Gedränge knapp an den Equipagen von einer Thüre zur andern sich zu begeben.
  3. Die Garderobe steht unter der Regie des Saloninhabers Hrn. Morawetz und wird auf das prompteste besorgt werden

Es wurde für alles vorgesorgt in der gar nicht so gemütlichen alten Zeit.

Im Karnval zeigte Haslinger nur drei neue Strauss-Werke an, womit der 26-jährige bereits die Opus-Zahl 100 übersprang.

Unmittelbar nach dem Karneval, am 27. Februar starb in Wien Joseph Drechsler , Kapellmeister zu St. Stephan und Professor der Harmonielehrer bei St. Anna und Lehrer von Johann Strauss Sohn, in seinem 70. Lebensjahr.

Noch am Faschings-Dienstag schloß Herr Eker seine Gasthaus- und Saal-Localitäten zum goldenen Strauß im Josephstädter Theatergebäude.

 

Johann Strauss konnte sich zunächst von dem aufreibenden Faschingsgeschäft erholen. In der Fastenzeit hatte er nur die musikalischen Nachmittags-Unterhaltung an Sonntagen im k.k. Volksgarten und die musikalischen Abendunterhaltungen in der (Dengler´s) Bierhalle außerhalb der Mariahilfer Linie donnsertags zu begleiten.

 

Kaiser Franz-Joseph reiste am Aschmittwoch nach Triest und Venedig ab. Am Tag nach seiner Rückkehr nach Wien am 11. März trafen die russischen Großfürsten Michael und Nicolas, die beiden jüngsten Großfürsten, in Wien ein.  Ob Strauss bei der Soiree aus diesem Anlaß beim russischen Gesandten Metzendorf am 17. März mitwirkte ist nicht belegt, sicher ist aber, daß er am 21. März im Palais Esterhazy auftrat und dafür seinen „Großfürsten-Marsch“,  Opus 107, zu Ehren der hohen Besucher komponierte. Näheres ist über die Veranstaltung nicht bekannt.

 

Für die Dedikation erhielt Strauss später einen wertvollen Brillantring als Geschenk.

Auch Philipp Fahrbach der bei den k.k. Hoffesten zu Ehren der Anwesenden kaiserlichen Hoheiten die Musik stellte, komponierte hierfür einen Grossfürsten-Marsch.

Anfang Mai kamen dann auch der Großfürst Constantin mit Frau und Zar Nikolaus zu Besuch nach Wien, es fanden aber aus diesen Anlässen keine Feste statt bei denen Strauss mitwirkte.

 

Als Johann Strauss 1856 zum ersten Mal Rußland besuchte und über die Sommermonate in Pawlowska musizierte lebte Zar Nikolaus nicht mehr. Der dann regierende Zar Alexander und  die Großfürsten Constantin und Michael waren Strauss-Bewunderer und eifrige Konzertbesucher, die Fürsten wirkten sogar als Cellisten im Strauss-Orchester mit.

 

Am 20. März nahm Johann Strauss an einer großen musikalischen Fest-Soiree zum Besten der Armen in Hernals in Unger´s Casino und am 23. März an einer wohltätigen Soirée im Sperl teil, dann waren bis zum Beginn der Freiluftsaison wieder nur die beiden Veranstaltungen im k.k. Volksgarten und in der Bierhalle.

Wegen der Soirée im Sperl wurden die Veranstalter in der „Presse“ scharf kritisiert. Der Eintritt kostete einen Gulden CM. wofür zehn Künstler und Dilettanten angekündigt waren wovon mehrere aber nicht erschienen sich die Gäste für den hohen Eintritt langweilten. Strauss Sohn erschien mit seinem Orchester um 10 Uhr und war bemüht die eingetretene Misstimmung auszugleichen.

 

Am 5. April verstarb in Wien Fürst Felix zu Schwarzenberg der seit November 1848 Ministerpräsident war im 52. Lebensjahr, während seiner Amtsausübung, durch einem Schlaganfall.

 

Strauss Vater leitete während seiner großen Reise 1838 die Musik bei Festen die Fürst Schwarzenberg als Botschafter in London anlässlich der Krönung von Königin Victoria veranstaltete.

 

Am 2. Mai begann dann die Frühlings-Saison und eröffneten die Gärten und Sommer-Säle.

 

Schon Ende April wurden Soiréen des Capellmeisters Johann Strauss jeden Dienstag und Freitag im k.k. Volksgarten angekündigt, wo Franz Ballin mit seiner neu organisierten türkischen Musikcapelle sonntags Soiréen begleitete.

 

Donnerstags blieb es bei den musikalischen Abend-Unterhaltungen in der Bierhalle. Sonntags fanden Soiréen des Capellmeisters Joh. Strauss in Unger´s Casino statt. Gleich bei der ersten Soirée am 2. Mai präsentierte Strauss seinen „Großfürsten-Marsch“ dem breiten Publikum. Er fand beim Publikum eine entschieden günstige Aufnahme, sodaß ihn Strauss an diesem Abend sechsmal spielen musste.

 

Während der Bockkeller in Nußdorf Ludwig Morelly für die Musik ankündigte und Ferdinand Dommayer die Fortsetzung der Soiréen mit Philipp Fahrbach ankündigte, war Anfang Mai, wie die „Presse“ berichtete noch nicht entschieden ob Strauss, Fahrbach oder Morelly im sogenannten „Klosterkeller“ zu Weinhaus das Commando für den diesjährigen Sommer-Feldzug übernehmen wird.

So viele Strauss-Freunde haben bisher meine Baustelle besucht

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© Claus Kegel, Bukarest 2016